Direktvertrieb.

Es waren besondere Tage, damals, Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre: Schon Stunden vorher wurde das Wohnzimmer entstaubt und gesaugt, der Tisch bekam eine Tischdecke und frische Blumen, in der kalten Jahreszeit wurde bereits nachmittags der Ölofen angeheizt.

Meine Mutter war aufgeregt, tauschte ihre Alltagskleidung gegen etwas besonders Hübsches.

Wenn es dann – Punkt halb vier Uhr nachmittags – an der Tür klingelte und ich zuhause war, also nicht draußen spielte, was Kinder früher noch taten, wandte ich mich von meinem Röhrenradio ab (Ende der 1960er Jahre) oder ließ meine galaktischen Fantasien ins Weltall entfleuchen und legte meinen wöchentlichen Perry-Rhodan-Groschenroman zur Seite (Anfang der 1970er Jahre), denn dann kam sie, ja SIE – DAS regelmäßige Ereignis: die AVON-Beraterin.

Immer gut gekleidet – immer gut duftend – immer gut gelaunt.

Für jeden, der zugegen war, hatte sie ein paar nette Worte übrig, erkundigte sich nach dem Wohlbefinden.

Ich fand das äußerst spannend und interessant, all die um die Gunst meiner Mutter wetteifernden Kosmetikprodukte zu sehen, zu riechen und den anpreisenden Worten zu lauschen.

Nie war ihr Besuch umsonst, weder für sie noch für meine Mutter.

Als meine Eltern Mitte der 1970er Jahre ihr Haus bauten, war kein Geld mehr für die AVON-Beraterin übrig.
Doch wir wurden Nachbarn, denn auch sie baute ihr Haus in die gleiche Neubau-Gegend.

Noch heute begegne ich manchmal der mittlerweile hochbetagten Frau, die sich über die Jahrzehnte kaum verändert zu haben schien und spüre, wie sie Teil unserer Familie wurde und es irgendwie bis heute ist: Frau Maibaum, die AVON-Beraterin, die Schönheit direkt ins Haus brachte.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/04/29/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-18-18-wortspende-von-vrojongliert/

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Über Red Skies Over Paradise

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9 Antworten zu Direktvertrieb.

  1. vro jongliert schreibt:

    Von AVON-Beraterinnen wusste ich nur vom Hörensagen. Das Aufregendste waren gelegentliche Tupper-Partys. Meine Güte, war das immer ein Getue vorher. Mein Mann muss das auch so erlebt haben, denn er lehnt derartige Hausbesuche kategorisch ab. Und ich darf mich auf ihn ausreden. *lach*
    Herzlichen Dank!
    Veronika

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  2. Christiane schreibt:

    Ha, ich kenne das, bei unserer liebsten Nachbarin, bei der ich oft war, gab es in den 70ern Tupper-Partys, und meine Mutter nahm mich gelegentlich mit.
    Ja, genau so. Stimmt, eine AVON-Beraterin taucht in meinen Erinnerungen auch auf …
    Danke für die Erinnerung ;-)
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

    • Vielen Dank. Tupper-Partys kenne ich nicht. Aber den Vorwerk-Mann (siehe Kommentar zuvor). Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 1 Person

      • Christiane schreibt:

        Stimmt, der kam bei uns auch vorbei … Wir HATTEN einen Vorwerk-Staubsauger, glaube ich.
        Interessant, deine neue(?) Datenschutzseite.
        Liebe Grüße
        Christiane

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        • Wir hatten auch einen Vorwerk. Nur der saugte nie so gut, wie der Vorführ-Sauger. Später verband sich diese Erinnerung mit dem Loriot-Sketch zum Heinzelmann. | Ja, die Impressum/Datenschutz/Datensicherheit-Seite ist neu. Die habe ich mir zusammengeklaubt und an mich angepasst. Für mich ist das Thema somit (vorerst) durch. Liebe Grüße, Bernd

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          • Christiane schreibt:

            Den Generator willst du demnach nicht bemühen?
            Ich werde diesbezüglich ein Auge auf dich haben und freue mich, wenn du weitere Updates dokumentierst.
            Liebe Grüße
            Christiane

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            • Nein, ich belasse es dabei. Erst die gesicherte Rechtsprechung wird mich zu Veränderungen veranlassen. Ich warte gespannt auf die richterliche Abgrenzung der Ausnahme von der DSGVO „persönlich“ und „familiär“.
              Im Übrigen bin ich der Meinung, dass diese Diskussion lächerlich ist, wenn man bedenkt, was auf unseren Smartphones los ist. Da meldet man sich bei WhatsApp oder dem fb-Messenger an und lädt mal eben seine kompletten Kontakte mit allen Informationen, die man hinterlegt hat zu fb hoch. Da gewährt man der SMS-App vom Smartphone-Hersteller oder der entsprechenden Google-App ebenfalls Zugriff auf alle Kontakte. Apps dürfen die Meta-Daten auswerten, wer mit wem, wann, wie lange und über welche App kommuniziert hat usw usf. Datenschutz- und datensicherheitsrechtlich sind sofort alle Smartphones (Android, Iphone, Windows) stillzulegen. Und wir machen uns hier verrückt, wegen ein paar Pseudonymen, nichtssagenden E-Mail-Adressen und IP-Adressen, mit deren Hilfe WIR niemanden ent-anonymisieren können. Liebe Grüße, Bernd

              Gefällt 1 Person

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