Treffsicher.

„Der Weltfriede wie auch der Friede in Stadt und Land erfordern nicht, daß jeder seinen Nachbarn liebt.
Er erfordert lediglich, dass man in gegenseitiger Toleranz miteinander lebt, seine Streitfälle einer gerechten und friedlichen Lösung unterwirft.“

Mit diesem Satz, am 10. Juni 1963 ausgesprochen, traf er den militärisch-industriellen Komplex mitten ins Herz.
Am 22. November 1963 traf ihn eine Kugel mitten in den Kopf.

Mit ihm starb eine Hoffnung auf Erneuerung der USA und darüber hinaus.
Allein bei seinem Besuch der geteilten Stadt am 26. Juni 1963 versammelten sich 1,5 Millionen Menschen zu seiner Rede am Rathaus Berlin-Schöneberg.
Selbst Dreijährige wurden für dieses Ereignis vor den Fernseher gesetzt.

Der Attentäter hatte nur ein kleines Zeitfenster von wenigen Sekunden und brauchte eine absolut ruhige Hand, um einen, in einem offenen Wagen Fahrenden treffsicher erschießen zu können.

Als die Präsidentenlimousine ins Schussfeld fuhr, peilte ihn der Attentäter übers Zielfernrohr an, hielt kurz die Luft an und drückte eiskalt das erste Mal ab – formvollendet folgten binnen Sekunden zwei weitere Schüsse.

Als die Arbeit getan war, warf er höhnisch eine Kusshand in Richtung Opfer und verschwand unerkannt – ein Sündenbock war, an seiner statt, von langer Hand vorbereitet.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/05/13/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-20-18-wortspende-von-christa-hartwig/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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13 Antworten zu Treffsicher.

  1. Rina schreibt:

    Toll eingefasst. Und eine grandiose Pointe – genau – ein Sündenbock war schon bereit.
    Hab letzt die Mini-Serie 11.22.63 gesehen – da bekommt man einen Einblick, wenn das Attentat nicht gewesen wäre. Na ja – Stephen King – es hätte auch anders laufen können.
    Schönes Wochenende.

    Gefällt 1 Person

  2. christahartwig schreibt:

    Ich bin begeistert. Nicht vom geschilderten Ereignis, wohl aber von Deiner Darstellung desselben und der Pointe, die ihren Namen verdient.
    Liebe Grüße
    Christa

    Gefällt 1 Person

  3. gkazakou schreibt:

    die Pointe am Ende – einer Kürzestgeschichte würdig. Klasse!

    Gefällt 1 Person

  4. Anna-Lena schreibt:

    Absolut treffsicher ist deine Etüde wieder mal, lieber Bernd.
    Ich staune immer wieder, welch ein Tiefgang mit historischen Bezüge deiner Feder entspringen.
    Gute gemacht – chapeau!

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    Gefällt 3 Personen

  5. Christiane schreibt:

    Was für ein großartiges Zitat am Anfang. Und was, wenn man es mal durchdenkt, für eine zutiefst menschliche Haltung, die dahintersteht, aber auch was für ein riesiger Berg Probleme: Welcher Staat behauptet schließlich nicht, „gerechte und friedliche Lösungen“ für Streitfälle zu liefern? Dennoch wäre viel gewonnen, wenn ernsthaft nach Kompromissen gesucht würde und nicht (nur) wirtschaftliche Interessen abgewogen …
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 3 Personen

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