Weltbienentag.

Rainer könnte schreien vor Wut und Ohnmacht.

Angesichts seiner Bienen, um die er sich seit Jahrzehnten liebevoll kümmert.
Seit einigen Jahren findet er täglich tote und sterbende Bienen; anfangs waren es nur vereinzelte, jährlich werden es mehr.

Das traurige Schicksal der Betroffenen: sie sind vollständig gelähmt, können sich stunden- oder tagelang nicht mehr bewegen und verhungern schlichtweg.
Andere sterben sofort – ganz leise – sie liegen vor dem Eingang zum Bienenstock, rücklings, gestützt durch die Flügel, die nach rechts und links ausgestreckt sind, die Beinchen in krampfender Haltung gen Himmel gerichtet.
Oder sie liegen im Stock und Rainer holt sie Tag für Tag vorsichtig mit einer Pinzette heraus.

Die für den Tod der Bienen mutmaßlich verantwortlichen Neonikotinoide Clothianidin, Thiametoxam und Imidacloprid wurden nun verboten – ob es hilft?

Auch verantwortungslose und profitgierige Imker tragen zum Leid der Bienen selbst bei: gezüchtete Turbo-Bienenköniginnen, künstliche Ernährung und Befruchtung, vorgefertigte Waben.

Doch es sind nicht die Bienen allein; der Mensch will es nicht wahrhaben: bereits vor 44 Jahren machte Reinhard Mey auf das Insektensterben aufmerksam und sang „Es gibt keine Maikäfer mehr„.

Stimmt, den letzten sah ich vor vielen Jahren tot auf einem Waldweg liegen: artgerecht nach der Begattung gestorben.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/05/20/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-21-18-wortspende-von-elke-h-speidel/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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5 Antworten zu Weltbienentag.

  1. geno schreibt:

    apropos: die bayern mal wieder: „ausländer raus!“ rassenwahn! rassentrennung! totale reinheit im heimischen volk! völkermord! „brandanschläge auf bienenvölker“

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  2. Christiane schreibt:

    Ich habe schon so lange keinen Maikäfer mehr gesehen, dass ich gar nicht weiß, wann und wo. Wenn ich deine Beschreibungen vor meinem inneren Auge sehe, möchte ich vor Wut heulen.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • Wenn es gelänge die Phantasie der Menschen über das Ausmaß der Zerstörung anzuregen, so dass sie genüg Empathie aufbrächten, den Herrschenden in den Arm zu fallen …
      Vielen Dank. Tränen ganz meinerseits. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

  3. gkazakou schreibt:

    Das ist wieder ein genialer Text aus den drei Wörtern.Wie eindringlich du das Bienensterben beschreibst! Es ist zum Weinen.

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