Fingerbeeren. [FSK 16]

Elijah steckte die Fingerbeere in eine sterile Tüte. –

Aus tief empfundener Liebe zu seiner, von einem Triebtäter misshandelten und zu Tode gequälten Frau, wurde Elijah, der Cop, zu einem korrupten Bullen.
Der Präsident der örtlichen organisierten Kriminalität verriet ihm den Namen des Täters scheinbar ohne Gegenleistung.
Die Rache am Peiniger seiner Frau war letal. –

Jahre später verlangte der Präsident Informationen über bevorstehende Razzien; Elijah gab sie ihm bereitwillig, sein Portemonnaie füllte und seine Seele leerte sich dabei.
Nach fünf Jahren kamen Elijah die internen Ermittler auf die Spur, er wurde nur entlassen, verlor seine Pensionsansprüche; sein Verrat sollte nicht öffentlich werden.
Der Präsident nahm ihn sofort in seine Dienste, Elijah trieb von nun an ausstehende Mieten der armen Seelen in den Bruchbuden des Präsidenten ein. –

Skrupellos und skrupulös, also gnadenlos und brutal, ansatzlos, sauber und millimetergenau schnitt Elijah die Fingerbeeren der Zahlungsunfähigen oder -unwilligen ab.
Es war ihm, der jede empathische Regung über die Jahre verloren hatte, ein besonderer Genuss, seine sich vor Schmerzen krümmenden Opfer noch eine zeitlang regungslos zu betrachten.
Danach ging er, nicht ohne erwähnt zu haben, dass er in einer Woche wiederkäme: Geld oder Fingerbeere.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/10/07/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-41-42-18-wortspende-von-gerda-kazakou/ und The Wire und True Detective

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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19 Antworten zu Fingerbeeren. [FSK 16]

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.18 | Wortspende von redskiesoverparadise | Irgendwas ist immer

  2. Anna-Lena schreibt:

    Wenn wir uns nur auf die negativen Seiten unserer Welt konzentrieren, gehen wir daran kaputt, wir brauchen auch Gegengewichte, wie z.B. Stille und Ruhe, Liebe und Frieden oder wie immer man diese Gegengewichte benennen mag, um aufzutanken, um Kräfte zu bündeln und um auch zu agieren . Damit will ich das, was du alles oben aufführst, lieber Bernd, nicht außer Kraft setzen, da kann ich nur zustimmend nicken – auch hilflos.
    Wir können nur in unserer kleinen begrenzten (Um)Welt alle Sinne schärfen und das tun, was uns als das Richtige erscheint, durch Eingreifen, Zivilcourage oder wie auch immer.

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Denkt nur mal an die Inquisition: da hat es die Kirche gemacht. Und ist es humaner, einem Großteil der Bevölkerung ein ausreichendes Existenzminimum zu verweigern und Deutschland zu einem Billig-Lohnland zu machen?

    Gefällt 2 Personen

  4. Warum fällt es uns so schwer, allein erst einmal zur Kenntnis zu nehmen, dass unsere Gesellschaften auf dieser Welt durchwirkt sind von organisierter Kriminalität und unvorstellbarer Gewalt an Einzelpersonen? Warum wollen wir uns das Leid und die Schmerzen, die Menschen dadurch (und Tieren durch unser Konsumverhalten) erleiden, nicht betrachten? Wir hier, in Deutschland, haben das „Glück“, dass organisierte Kriminalität mit ihrem körperlichen und seelischen Leid kaum sichtbar ist, weil Deutschland lediglich als Rückzugsraum für organisierte Kriminalität genutzt wird. Das beschrieb bereits Dagobert Lindlau (Chefreporter des BR) 1987 in seinem Buch „Der Mob“; hier bei uns tauchen im Ausland gesuchte Mitglieder des organisierten Verbrechens unter und werden in Ruhe gelassen. | Verfolgt man „Aktenzeichen xy … ungelöst“ über die Jahrzehnte, so beobachten wir heute eine menschenverachtende Brutalität bei Wohnungseinbrüchen. Bewohner, die bereit sind mit den Einbrechern zu kooperieren, werden trotzdem geschlagen, misshandelt und gefoltert. xy berichtete auch schon über Einbrecher, die ihren Opfern, als sie die Ringe nicht von den Fingern ziehen konnten, die Finger mit einer Gartenschere abtrennten. | Die Spirale der allgegenwärtigen Gewalt beginnt bereits bei Babys, die stundenlang dem Fernsehen ausgesetzt werden, bei Müttern und Vätern, die in Gegenwart ihrer Kinder respektlos miteinander umgehen, ErzieherInnen und LehrerInnen, denen man in ihrer Gruppe und Klasse so viele Kinder aufbürdet, dass sie einfach nicht in der Lage sein können, Kindern die notwendigen Grenzen zu setzen. Das Ende der Gewaltspirale wird sein, dass eine Gesellschaft wieder bereitwillig einen totalen Krieg bejubelt. | Eben im WDR2 eine Reportage über Mitarbeiter des Kölner Ordnungsamtes, die beklagten, dass es keine Zivilcourage mehr gäbe, beispielsweise öffentlich pinkelnde Personen anzusprechen und sie zu bitten, es zu unterlassen und eine Toilette aufzusuchen; so etwas überließe man den Ordnungshütern, die dafür 200 EUR kassierten. Auch so etwas, das öffentliche Pinkeln, ist die unterste Stufe der Gewaltspirale. | Gerade läuft in Wuppertal der Prozess gegen die Minderjährigen, die eine Dreizehnjährige in Velbert in den Wald gezerrt und vergewaltigt haben. | Wenn es so etwas wie meine Lebensthemen gibt: Gewalt in allen Schattierungen ist so eines davon.

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    • Christiane schreibt:

      Ich lese das, nicke, gebe dir recht und fühle mich völlig hilflos.
      Ich kann das Gefühl nicht ausstehen.

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      • Wir haben gelernt, auf Gefühle sofort reagieren zu müssen. Müssen wir nicht. Lernen, Gefühle auszuhalten, gerade die unangenehmen. Ja, Hilflosigkeit. Nicht den geringsten Schimmer zu haben, was zu tun ist. Abwarten und beobachten. Und schreiben, reden. Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem wir wissen, was zu tun nötig ist.

        Gefällt 2 Personen

        • Christiane schreibt:

          Ich will die Hilflosigkeit nicht abwürgen, nicht „wegmachen“, das ist nur das Bedürfnis im Affekt.
          Ich finde es schwierig, hinzusehen und auszuhalten, dass es an allen Ecken und Enden schlimmer zu werden scheint. Über Jahre schon. Wie eine Epidemie.
          Und viel zu viel hohles Gerede, und viel zu wenig Herz und Anteilnahme.

          Gefällt 1 Person

    • Ulli schreibt:

      Ich kann dir nur in allem zustimmen, besonders was die Zivilcourage anbelangt. Es ist auch schwer für mich Gewalt als gegeben hinzunehmen, obwohl ich weiß, dass sie überall lauert. Zurzeit mache ich sehr unangenehme Erfahrungen in einem Kindergarten, in dem ich angefangen habe zu arbeiten, Gewalt hat viele Gesichter, so, wie du es auch beschreibst und es liegt an jedem von uns mutig zu sein, ohne blind zu agieren. Was den Kindergarten betrifft, so werde ich nicht mehr lange warten, noch beobachte ich.
      Danke für deine Ergänzung!
      herzliche Grüße, Ulli

      Gefällt 3 Personen

  5. Anna-Lena schreibt:

    Hammerhart, lieber Bernd. Auch wenn es so etwas geben mag, ist der Inhalt erst mal zu verdauen.
    Lieben Gruß
    Anna-Lena

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  6. Christiane schreibt:

    Wie furchtbar.
    Mein herzliches Igitt zu dieser wunderbaren und sicher auch realistischen Etüde. Nur gefallen, gefallen tut mir der Inhalt nicht.
    Liebe Grüße
    Christiane 😏

    Gefällt 2 Personen

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