Bezness.

„Pack‘ deine Sachen und verschwinde für immer aus meinem Leben.“, sagt Katrin ganz ruhig zu Shawkan.
„5 Jahre waren mein Leben, meine Wohnung, mein Geld und meine bedingungslose Liebe deine Pfründe.“ –

Die fünfundvierzigjährige Katrin ist Disponentin, eine Arbeit, die sie täglich bis zu zwölf Stunden beansprucht.
Ihren Jahresurlaub und einen Teil ihrer Überstunden nutzte sie jährlich für einen zweimonatigen Aufenthalt in Ägypten, den anderen Teil ihrer Überstunden ließ sie sich dafür ausbezahlen.
Katrin sehnte sich so sehr nach einem liebevollen Partner, doch ihre Arbeit und ihr hoher Anspruch an eine Liebe verhinderten regelmäßig entsprechende Beziehungen.

Shawkan war Aushilfe auf dem Tennisplatz des mondänen all-inclusive-Hotels in dem Katrin bereits das fünfte Jahr urlaubte, um neue Kraft für ihr einsames Leben und ihre kraftzehrende Arbeit zu schöpfen und Shawkan kümmerte sich rührend um ihr Equipement und tupfte ihr mit einem Handtuch den Schweiß von der Stirn; gerne unterhielt sie sich mit ihm und verbrachte mit ihm auch Zeit außerhalb des Tennis‘.

Drei Urlaube hatte Shawkan um sie geworben, ihr seine große und tief empfundene Liebe offenbart, sie seine Rose genannt und Katrin, sich anfänglich wehrend und diese Liebe nicht wahrhaben wollend, wurde sturmreif bedrängt bis sie sich öffnete, bis ihr Herz sich öffnete und so dankbar war, als Single mit 40 doch noch Einen gefunden zu haben, für den sie genug war, der sie vergötterte und seine Jugendlichkeit schmeichelte ihr.

Vor 5 Jahren kam Shawkan nach Deutschland, sie heirateten, er fand eine Teilzeit-Aushilfsarbeit in einem nahen Restaurant.

Seit dreieinhalb Jahren wurden Shawkans enge Verwandte seiner großen Familie in Ägypten immer bedürftiger: Arzt- und Krankenhausbehandlungen, geschäftliche oder private Schulden, Studien- und Schulgebühren und Katrin überwies in diesen Jahren nach und nach abertausende Euro.

Ihr beste Freundin Belinda hat Katrin nun die Augen geöffnet, hat ihr all ihre Recherchen präsentiert: Katrin ist ein Bezness-Opfer.

https://www.1001geschichte.de/bezness-die-fakten/

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/10/21/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-43-44-18-wortspende-von-redskiesoverparadise/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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16 Antworten zu Bezness.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 45.46.18 | Wortspende von Wortgerinnsel | Irgendwas ist immer

  2. fundevogelnest schreibt:

    Auch in echten – also auf gegenseitiger Liebe basierenden – binationalen Beziehungen oder auch für allein in Deutschland lebende Ausländer ist die Bedürftigkeit der Familie im Herkunftsland ein Riesenproblem, finanziell wie moralisch.
    Es gibt in vielen Ländern nun mal kaum Krankenversicherung, hohe Schulkosten etc.und gleichzeitig recht abenteuerliche Vorstellungen wie reich jemand ist, der in Deutschland z.B. putzt oder im Restaurant jobbt, weil nur der absolute Lohn gesehen wird, aber die nicht die hohen Lebenserhaltungskosten.
    Es sind viele Dramen die der ungleichen Verteilung in der Welt ihren Urspung nehmen.Dass das manche kriminell ausnutzen verwundert nicht.
    Liebe Grüße
    Natalie

    Gefällt 4 Personen

    • Ja, das sind weitere Perspektiven des Themas. Danke! In der Dokumentation „Als Paul übers Meer kam“ wird an einer Stelle, kurz nur, gesagt, dass die Afrikaner kommen, um sich das zu holen, was unsere Vorfahren und wir, ihnen genommen haben (Kolonialismus früher – Freihandelsverträge heute). Wir dürfen nicht unterschätzen, dass es nur die Bilder unseres glänzenden Reichtums sind, die die Menschen kommen lassen. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

      • fundevogelnest schreibt:

        Es sind mehr als falsche Bilder.
        Es ist die Ungleichheit.
        Es gibt Länder und nicht nur completly faild states, da haben die Überweisungen der Expats erheblichen Anteil an der Wirtschaftskraft eines Landes. Besuchen Sie eine Filiale von Western Union Money Trade und Sie sehen die Welt Überweisungen tätigen.
        Lesen Sie die Gebührenordnung und Sie wissen,wo der Lohn der illegal hier lebenden Putzfrau bleibt.
        Die Mutter eines ecuadorianischen Freundes bekommt 35 USD Rente monatlich nach einem Arbeitsleben im Staatsdienst als Krankenschwester, davon kann man in diesem Land noch nicht einmal einen Monat lang Lebensmittel auf den billigen Märkten kaufen. Die Kinder MÜSSEN die Mutter unterstützen, egal ,wo sie leben, egal mit wem sie verheiratet sind.
        Damit möchte ich nicht das miese Verhalten des Akteurs in der Etüde entschuldigen, noch den Schmerz der Ausgenutzten kleinreden, ich wollte da Gesamtbild nur etwas gerade rücken, denn Beznessing ist nichts als ein schmerzhaftes Symptom.
        Liebe Grüße
        Natalie

        Gefällt 4 Personen

  3. karfunkelfee schreibt:

    PPS: Nicht nur ‚Männermasche‘. Da muss ich mich sofort korrigieren! Aha, Frauen machen es also genauso….Ich les mich grad durch ein paar der Geschichten und finde auch genauso von Orientalinnen abgezockte Männer darunter.
    Puh…echt horrible….wie leicht Menschen zu erobern sind mit ihren Sehnsüchten….ihrem Vertrauen…
    So Long ✨

    Gefällt 3 Personen

    • Ja, Frauen und Männer werden angemacht. Was mich überrascht ist die Beharrlichkeit über Monate bzw. über viele Jahre. In der virtuellen Welt hat sich ein Mädel (?) über 1,5 Jahre Zeit gelassen (mit langen Unterbrechungen) bis sie die Katze aus dem Sack ließ, schrieb mir Postkarten zu Weihnachten aus Litauen (https://redskiesoverparadise.wordpress.com/2016/12/30/postcards-from-lithuania/). In der realen Welt (Bezness) sind es viele Jahre, in denen der/die Täter/Täterin am Ball bleibt bevor er/sie mit der Abzocke beginnt. Wie gutgläubig muss jemand sein, der einem Anderen, den er persönlich nicht kennt, sehr viel Geld regelmäßig überweist? Bezness gehört dagegen als Straftatbestand ins Strafgesetzbuch: hier erschleichen sich die Täter über Jahre das Vertrauen/die Liebe der Opfer, geben keinerlei Anlass für Misstrauen, weil alles stimmig ist. Das ist die gleiche Masche, die die Stasi damals anwandte, sogenannte Romeos, die Beziehungen/Partnerschaften zu Frauen in der Bundesrepublik Deutschland eingingen, über Jahre, um diese Frauen dann, zu gegebener Zeit, für Spionagetätigkeiten zu verleiten. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

  4. karfunkelfee schreibt:

    P.S. Seit zwei Monaten ungefähr bekomme ich jeden Tag mehrere Anfragen über den Messi von irgendwelchen Orientalen oder Afrikanern. Sie versuchen mich auch über den Messi anzurufen und sie sind megadreist. Ausnahmslos junge Männer aber auch Männer, die sich hinter Frauenprofilen verstecken. Diese Profile sind leicht erkennbar, da außer Selfies sonst keinerlei Informationen angegeben sind. Auch haben diese Leute nie Freunde. Das macht sie auffällig. Ihr Deutsch ist meistens sehr schlecht. Ich blocke sie immer sofort, das ist am sichersten. Ich bin wegen meiner Kinder und ein paar meiner Verwandten bei Facebook mit einem Profil.
    Es ist wichtig, auf diese Männer-Masche hinzuweisen und die Augen offenzuhalten. Information schützt.

    Gefällt 3 Personen

  5. Christiane schreibt:

    Ich wusste nicht (neben diesen Love-/Romance-Scammern etc.), dass die Masche einen Namen hat. Danke dafür. Für die Etüde sowieso.
    Ich schweige zu den Gefühlen, den enttäuschten Hoffnungen, der Scham über die so empfundene eigene „Dummheit“. Ich wünsche allen Stärke, die sich darin verfangen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

    • Bezness-Opfer wird man nicht aus Dummheit. Es ist schlichtweg Betrug, arglistige Täuschung. Die Opfer werden ja nicht zu Geliebten auf Abruf gemacht, sondern gehen mit den Tätern eine Lebensgemeinschaft ein. Selbstslosigkeit erzeugt mit die größten Glücksgefühle beim Gebenden und wer würde nicht für seinen realen Partner fast alles tun?! – Danke & liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

      • Christiane schreibt:

        Richtig, es ist Täuschung. Aber hinterher, da beschuldigt man sich der Dummheit, dies „Das hätte ich doch sehen müssen“. Blödsinn, denn wie du schreibst, wer würde das nicht tun für den Menschen, den man liebt. Schlimmes Thema, so übers Ohr gehauen zu werden, und ähnlich schwer zuzugeben wie die Romantic-Scam-Geschichten.
        Dir Gutes!
        Liebe Grüße
        Christiane

        Gefällt 3 Personen

  6. karfunkelfee schreibt:

    Ich bin schon von Dutzenden auf FB angeschrieben worden. Da ich die Masche kenne, bin ich nie drauf reingefallen. Jetzt habe ich Deinen Link auf FB geteilt um auch andere zu warnen. Die Anmache ist so penetrant und dreist, die Typen versuchten mich sogar anzurufen 😨und alles mögliche, da hilft nur sofort blocken.
    Danke schön für den wichtigen Link.
    A.

    Gefällt 2 Personen

  7. Myriade schreibt:

    Hin und wieder habe ich schon von solchen Geschichten gehört, aber das die Sache System und haufenweise Opfer das hätte ich nicht gedacht. Wichtig ist es auf solche Fallen hinzuweisen !

    Gefällt 3 Personen

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