Bitter Sweet Symphony.

Eine Musik schreckte ihn aus dem Schlaf.

Sein links neben seinem Kopfkissen liegendes Smartphone (er trackte seinen Schlaf) blinkte, vibrierte und spielte Musik.

Er dachte, Mist, die Nacht ist schon vorbei und wischte das Hintergrundbild eines Winterbaumes mit dem Finger nach oben und das Smartphone verstummte.

Jetzt erst registrierte er, dass es nicht die Weckmelodie war, sondern ihre WhatsApp-Melodie: Bitter Sweet Symphony.

Er schaute auf die Uhr: 2:38 Uhr.

Sie konnte, zwei Stockwerke über ihm liegend, nicht schlafen und schrieb ihm das und als er unvermittelt antwortete, wunderte sie sich, dass er sein Smartphone nicht stumm geschaltet hatte, um dann sofort bei ihrem Smartphone den Flugmodus einzuschalten, so dass seine zweite Nachricht, er war nun hellwach und in „Rede“-Laune, nicht mehr übertragen wurde.

Verstehe die Frauen wer will, er verstand sie jedenfalls nicht.

Sein Unterbewusstsein wusste von ihrer Nachricht lange bevor ihr Bewusstsein sie versandte: von 2:00 Uhr bis 2:38 Uhr zeigte seine Sleep-Better-App einen breiten, roten Balken „Wach-Schlaf“ an; normal dauerten seine Wach-Schlaf-Phasen nur wenige, kurze Minuten.

Er stand auf und zog den schweren, lichtundurchlässigen Vorhang des Hotel-Zimmerfensters zur Seite.
Draußen war es nasskalt, eine leere Straßenbahn hielt vor seinem Fenster und sein Blick fiel in den letzten Wagen, in dem ein Mann in einem weißen Anzug durch den Mittelgang tanzte.

Sie verliebte sich immer in andere, nie in ihn – solche Nachrichten erhielt immer er und nie die Anderen; er trauerte der warmen Juninacht vor zwei Jahren nach, als sie sich so nah waren, wie nie zuvor und nie danach, und sich drei Stunden lang umarmten, regungslos, zu regungslos.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/12/02/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-49-50-18-wortspende-von-elke-h-speidel/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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5 Antworten zu Bitter Sweet Symphony.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 51.52.18 | Wortspende von dergl | Irgendwas ist immer

  2. Christiane schreibt:

    Klassiker. Das Lied und die Geschichten, die du in deine Etüde verwoben hast.
    Ich hoffe übrigens, dass du insgeheim an einem Roman schreibst. Auf jeden Fall an was Längerem.
    Liebe Grüße
    Christiane

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    • Vielen Dank, liebe Christiane! Ehrlich gesagt, kann ich mir das heute nicht vorstellen. Mir fehlt Zeit, Gelegenheit und Geduld dazu. Außerdem befürchte ich, dass ich, wenn ich den selbstgesetzten Rahmen von zehn Sätzen und den fremdbestimmten Rahmen von 300 Wörtern verließe, geschwätzig würde. Ich könnte mir vorstellen, an einem Roman als Gemeinschaftsprojekt mitzuschreiben. Liebe Grüße, Bernd

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      • Christiane schreibt:

        Gemeinschaftsprojekte sind schick, wenn man sie gut plant, aber gerade bei einem Roman stelle ich mir die Koordination kompliziert vor, weil man ja dann eine durchgehende Storyline möchte. Hm. Interessant.
        Schönen (Advents-)Sonntag dir und liebe Grüße
        Christiane

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        • Vielleicht kennst du das Buch oder die Verfilmung von „Krieg“ von Jochen Rausch. Dort gibt es zwei Geschichten, eine vor und eine nach einem Ereignis, die in Kapiteln abwechselnd erzählt werden, die einen rückblickend und die anderen gegenwärtig. So könnte der Eine die Vergangenheit und der Andere die Gegenwart schreiben.
          Danke, dir auch einen schönen Sonntag und liebe Grüße, Bernd

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