„Das Verschwinden der Vögel markiert das Ende des Lebens und den Beginn des Überlebens.“

» Unter meinem Fenster jaulen die Motorsägen. Vier Männer sägen Stück für Stück ein halbes Dutzend Nadelbäume um, die im Eingang des Nachbargrundstücks stehen. Jetzt muss ich bereits sagen: standen. Warum tun sie das? Weil ihnen jemand den Befehl dazu erteilt hat. Warum hat der Hausbesitzer der Gartenbaufirma den Auftrag erteilt? Weil die Nadeln schmutzen. Weil sie auf Autodächer und Mülltonnen herabrieseln und die Einfahrt zu den Garagen im Hinterhof bedecken. Das hat sie so an sich, die Natur: Sie schmutzt gelegentlich.

Lesen und hören wir nicht seit Monaten vom Verschwinden der Singvögel? In einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen hat die Bundesregierung die Zahlen zusammengetragen: Insgesamt ist demnach in der EU die Zahl der Brutpaare in den landwirtschaftlichen Gebieten zwischen 1980 und 2010 um 300 Millionen zurückgegangen, das ist ein Minus von 57 Prozent. Warum verschwinden die Vögel peu à peu? Geeignete Lebensräume fehlen, Insekten gehen als Nahrung aus.

Unter meinem Fenster kann man die Gründe besichtigen. Es ist noch nicht lange her, da konnten Hausbesitzer nicht nach Belieben schalten und walten und den Baumbestand reduzieren. Es ist politisch so gewollt, das muss man einfach mal festhalten. Wie oft ruhte beim Schreiben mein Blick auf dem Grün dieser Fichten. Wie oft freute ich mich über den Gesang der Vögel, die sich auf ihnen niedergelassen hatten. Weg damit! Wozu brauchen wir Singvögel? Die scheißen auf mein Autodach! Mein Auto fährt auch ohne Vögel. Wir wissen alles, aber wir machen weiter wie gehabt. Sehenden Auges gehen wir gut gelaunt auf den Abgrund zu. Was bleibt vom Leben, wenn der Gesang der Vögel an einem Frühlingsmorgen nicht mehr zu hören ist? Das Verschwinden der Vögel markiert das Ende des Lebens und den Beginn des Überlebens.

Ich zittere vor ohnmächtiger Wut, mein Herz rast, mein Kopf droht zu platzen. «

Götz Eisenberg | Hinter den Schlagzeilen | 05.03.2018 | Die lästige Natur – Baumsterben? Baummord! Jeder private Grundbesitzer kann heute den ohnehin raren Baumbestand nach seinem Gutdünken reduzieren – meist aus „wirtschaftlichen“ Gründen natürlich. Ökonomisch haben Singvögel überhaupt keinen, Insekten nur geringen Nutzen. Wenn es kein Honigbrot mehr gibt, esse ich eben Nutella. | http://hinter-den-schlagzeilen.de/39856-2

Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.


Impressum/Datenschutz/Datensicherheit

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.