Arrival.

Ihr Smartphone meldete sich und der Sperrbildschirm signalisierte eine WhatsApp-Nachricht  –  von ihm!
Von ihm  –  zu dem sie seit zwanzig Jahren keinen Kontakt mehr hatte!

Doch nicht von ihm  –  von seinen Kindern, die sein Smartphone benutzten.
Er wünsche Sie noch einmal zu sehen, läge im Sterben.

Sie nahm die nächste Lufthansa von Tromsoe nach Düsseldorf.

Sie waren 25 Jahre lang beste Freunde; als er pensioniert wurde und sie nach Norwegen auswanderte zerriss ihr fragiles Band.
Das ist nun zwanzig Jahre her – er hatte sie wohl nie aus den Augen verloren und kannte sogar ihre norwegische Mobilfunknummer.

Sie sitzt am Bett des Hospizes und hält und streichelt seine leichte rechte Hand mit der durchscheinenden Haut.
Nach einer Stunde öffnet er kurz die Augen, blinzelt, sieht sie, erkennt sie, und seine trockenen Lippen formen ein sanftes Lächeln, seine Lachfalten kräuseln sich leicht und seine Augen strahlen ein letztes Mal.

Dann wirkt sein Körper fast transparent und mit einem tiefen Seufzer tritt er die letzte Reise über den Regenbogen an, und immer noch seine Hand haltend und streichelnd blutet ihr das Herz.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2018/12/16/schreibeinladung-fuer-die-textwoche-51-52-18-wortspende-von-dergl/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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11 Antworten zu Arrival.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwoche 01.19 | Extraetüden | Irgendwas ist immer

  2. Werner Kastens schreibt:

    Mit einem inneren Lächeln auf der anderen Seite ankommen. Welch Erlösung!

    Gefällt 2 Personen

  3. Karin schreibt:

    Zu Deiner berührenden traurigen und tröstlichen Geschichte fällt mir spontan das Gedicht von Wolf Wondratschek ein:

    Sein ganzes Leben lang war er
    verrückt nach seiner Frau. Noch
    auf dem Sterbebett war er verrückt
    nach ihr. Und immer noch, wie jetzt,
    wurde sie rot dabei. Und weil ihm
    gefiel, was er sah, brachte er
    mit dem letzten seiner Atemzüge
    ihr Haar noch einmal so durcheinander,
    wie er das, sein ganzes Leben lang,
    so gern mit den Händen getan hatte.

    Einen lieben Gruß zu Dir, Karin

    Gefällt 2 Personen

  4. Christiane schreibt:

    Ich lese und lächele und fühle mich berührt und ein bisschen getröstet. Ja, Weihnachten, muss wohl.
    Danke dafür.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  5. abenteuer50 schreibt:

    Eine sehr schöner und berührender Beitrag . Es ist die Magie der Liebe . 😊

    Gefällt 1 Person

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