„Man verwaltet das Überkommene, weil man es für kostengünstiger hält, aber am Ende wird es richtig teuer werden.“

» […] Die Bahn ist in einem schlechten Zustand, die Straßen und Brücken auch – und selbst im örtlichen Supermarkt gibt es nur mit Glück mobilen Zugang zum Internet
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Hierzulande muss der ICE mit jeder Regionalbahn um das Streckennetz konkurrieren. Es gib ferner Regionalbahnen, die einen obligatorischen Halt auf offener Strecke in ihrem Fahrplan haben, um dort vom Schnellzug überholt werden zu können. Hat der aber Verspätung, verspätet sich halt auch die Regionalbahn.
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Oberleitungsstörungen kommen zum Beispiel bei der Frankfurter S-Bahn dauernd vor, sodass man sich fragt: Kann man das mal so regeln, dass das nachhaltig ist?
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Wie viele Straßenbrücken sind in diesem Land eigentlich durch Tempolimits beeinträchtigt, die man nur anbrachte, um die notwendige Reparatur hinauszuzögern? Bei der Bahn ist das übrigens nicht viel anders. Es gibt Strecken, die seit Jahren neu verlegt werden müssten – man zögert es jedoch hinaus und drosselt an diesen Stellen einfach zur allgemeinen Sicherheit das Tempo. Das Tempolimit ist in Deutschland nicht mehr nur eine Maßnahme zur Lärmreduzierung oder Herstellung der Straßensicherheit: Es ist auch eine bauliche Verschleppungsmaßnahme.
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Vor einiger Zeit berichtete ich an anderer Stelle ja von meinem Aufenthalt in Bulgarien. Ins verschlafene Banya war die Digitalisierung schon gekommen, ich hatte dort Netz. Bei meinem Frankfurter Rewe nicht: In einer östlichen Ecke des Ladens, konnte man vielleicht Glück haben. Jemand erzählte mir, er sei vor zwei Jahren in Myanmar gewesen, er hatte überall Internet. Ein Afghane berichtete ähnliches über das Land seiner Väter.
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Es gibt mannigfach viele Niedergänge in diesem Land. Und alle gründen sie auf einer Modernisierungsverweigerung, die dem Sparfetisch geschuldet sind.
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Alle Welt streamt, es ist das Entertainmentsystem der Zukunft, aber die gebührenfinanzierten Sender in Deutschland bieten ihre Produkte gerade mal zwischen sieben Tagen und maximal 12 Monaten in der Mediathek an.
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Man weiß echt nicht, wo man hinschauen soll, aber Deutschland will modernes Land sein, Motor und Antreiber, aber innerhalb der eigenen Grenzen ist man auf dem Weg, sich in ein westliches Ostblockland zu entwickeln. […]  «

Roberto J. De Lapuente | nd Neues Deutschland | 10.01.2018 | Billigheimer Republik Deutschland: Das wird noch teuer | https://www.neues-deutschland.de/artikel/1075765.spardiktat-in-deutschland-billigheimer-republik-deutschland-das-wird-noch-teuer.html

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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4 Antworten zu „Man verwaltet das Überkommene, weil man es für kostengünstiger hält, aber am Ende wird es richtig teuer werden.“

  1. rotewelt schreibt:

    Der Artikel spricht mir aus der Seele. Die letzten Jahre kann ich mich nur noch wundern darüber, dass die viertreichste Industrienation so den Bach runtergeht. Denn es gibt zwar den Sparwahn, aber das kann nicht alles sein. Es müsste doch mehr Geld übrig sein, doch wohin fließt es? Es kommt weder den Bürgern direkkt im Sinne eines Sozialstaats zugute noch dem Land, der infrastruktur etc. Eigentlich ein Armutszeugnis…

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    • Wir leben in einer Scheinwelt. Zwischen Kulissen, die die Herrschenden aufgebaut haben und in der Illusion, das schon alles gut gehen wird. Wir leben in einer Matrjoschka, der kleinsten. Und das Geld fließt von innen nach außen. Dort sitzen die Finanzimperien und investieren da, wo es die meiste Rendite gibt. In Deutschland/Europa jedenfalls nicht mehr. Kein Wachstumsmarkt. Nur 10% der Weltbevölkerung. Dies geschieht schleichend. Damit es (noch) keine Aufstände gibt. Red Skies Over Paradise, eben. Liebe Grüße, Bernd

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      • rotewelt schreibt:

        Stimmt, Deutschland ist schon lange kein Wachstumsmarkt mehr, das sind andere Länder, oft sehr weit weg von hier. Man hat uns schon überholt, was die Modernität betrifft, das sagt ja auch der von dir zititerte Autor. Aber an einen Aufstand – hier oder anderswo – glaube ich nicht, die Menschen sind zu sehr eingelullt. Und da, wo doch Leute auf die Straße gehen wie in Frankreich, werden sie vom Monarchen Macron und seinen Medien diskreditiert, mit allen Schikanen.

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        • Genau, einen Aufstand möchte man vermeiden bzw. ihn solange wie möglich verzögern. Deshalb bluten wir auch nur ganz langsam aus. Die Franzosen waren wohl immer schon schneller wütend. Eine gute Gelegenheit für die Herrschenden, zu zeigen, wie man Aufstände ins Leere laufen lassen kann. Und eine Mahnung an die Deutschen, dass es sich nicht lohnt. Wenn ich es richtig verstanden haben, ist in der europäischen Verfassung längst eine Passus enthalten, der es den Herrschenden erlaubt, Aufrührer standrechtlich zu erschießen (also ohne rechtsstaatliches Verfahren).

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