Verflucht.

Es war einmal ein König, der suchte für seinen Sohn eine passende Frau (genau genommen eine Schwiegertochter für sich).

abc.etüden | Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

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Auf die landesweite Auslobung meldeten sich viele junge Frauen und die Wahl des Königs fiel – nein, nicht auf die anmutigste, sondern auf die reichste.

Darüber ärgerte sich die hübsche, kluge, trotzdem verschmähte Zeria, Tochter der Hexe Yambra, so sehr, dass sie das Königshaus samt seinem Hofstaat stante pede verfluchte.
Alle „starben“ und die Untertanen beerdigten sie auf dem königlichen Friedhof. –

 

Tina verbrachte einen kurzweiligen, vorösterlichen Samstagmorgen im örtlichen Gartencenter und kaufte sehr viel Grün- und Blühzeugs für ihren Garten.

Nachmittags pflanzte sie voller Vorfreude und gedankenversunken alles Gekaufte an seinen Platz.

Gerade als sie die sechsundsechzigste Tulpenzwiebel vergraben hatte, fing der Boden an zu zittern, erst leicht, dann immer stärker und als sich Tina kaum noch auf den Knien halten konnte, tat sich ein großes Loch in der Mitte des Rasens auf und eine Treppe wurde sichtbar.
Nahezu einhundert merkwürdig gekleidete Menschen, allen voran ein Mann mit goldener Krone auf dem Kopf, stiegen nacheinander aus dem Erdreich. –

Zerias Fluch sollte dann aufgehoben sein, wenn jemand über der Grabstätte sechsundsechzig Tulpenzwiebeln pflanzte.

So kam es, dass das Königshaus mit Hofstaat auferstand und seine Köche und Mägde begannen sofort für Tinas Familie ein königliches Oster-Festmahl zuzubereiten – und wenn sie nicht tatsächlich gestorben sind, dann feiern sie jedes Osterfest vergnügt zusammen.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

 

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/04/07/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-15-16-19-wortspende-von-vro-jongliert/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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17 Antworten zu Verflucht.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 17.18.19 | Wortspende von Agnes Podczeck | Irgendwas ist immer

  2. vro jongliert schreibt:

    Märchenhaft schön!
    Liebe Grüße, Veronika 🌷

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  3. Katharina schreibt:

    Ich male mir gerade aus, wie die alle Pässe beantragen müssen und einen Job finden. Die Köche haben sicher kein Problem, aber als was arbeitet so ein König?
    Grüße, Katharina.

    Gefällt 1 Person

    • Der König und sein Hofstaat werden Franchise-Nehmer von Burger King. Der Verkaufsschlager ist das King’s Menu mit einem pflanzlichen Burger „tulip shape“. Die Köche stehen in der Küche, die Mägde bedienen und der König repräsentiert im Schichtwechsel mit seinen Liebsten. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 1 Person

      • Katharina schreibt:

        Davon hätte ich gerne eine Geschichte! ;)

        Gefällt 1 Person

        • Bitteschön:

          „In der Öffentlichkeit schlug das Auftauchen eines ganzen Hofstaates aus fernen Zeiten ein wie eine Bombe; nicht nur die Zeitungen mit den großen Lettern berichteten, sondern auch die NZZ.

          Die Gemeinde stellte am Ortsrand für den Hofstaat eine Containersiedlung zur Verfügung, in dem der König und seine Gefolgschaft vorübergehend, während Ihres Hartz-IV-Bezuges „wohnen“ konnten.

          Die Tulpenzwiebeln trieben alsbald aus und als sich die ersten Blüten zeigten, waren sie aus reinem Gold und die Stängel aus Silber; Tinas Familie und der König teilten sich diesen nachwachsenden Schatz, der aber nicht für ein Leben in Saus und Braus genügte.
          Der König hatte eine Idee, kaufte der Gemeinde das Grundstück mit der Containersiedlung ab, schloss einen Franchise-Vertrag mit Burger King und errichtete auf dem Gelände eine Filiale.
          Die Köche und Mägde des Königs nahmen an Schulungen des Franchisegebers teil, lernten die Zubereitung der Burger und das freundliche Bedienen der Kundschaft „just in time“.

          So zu „kochen“ und „servieren“ unterforderte den Hofstaat sehr; außerdem erkannte der König und sein Chefkoch, dass diese Art der Ernährung nicht nachhaltig und zeitgemäß sei und sie kreierten als zusätzliches Angebot rein pflanzliche Burger mit CO2-neutralen Zutaten.
          Sie nannten es das ‚King’s Menu‘ und der Burger hatte die Form einer Tulpe; jeder, der diesen Burger bestellte, wurde vom König oder seinen Liebsten persönlich hofiert und verabschiedet.
          Schnell sprach sich das neue Angebot herum und schon bald bildeten sich Schlangen an den Verkaufsterminals der Burgerbraterei.

          Von einem König mit Wissen aus uralten Zeiten ließen die Menschen sich überzeugen, dass die Zeit Reif war, das unsägliche Tierleid auf der Erde zu beenden – so kam es, dass nach und nach alle Schnellimbissketten sich dieser Überzeugung anschlossen, die Menschen umdenkten, sich wandelten und die Tiere nicht mehr ausbeuteten.

          Nur Zeria konnte die damalige Kränkung nicht überwinden und verfolgte einen sehr teuflischen Plan.“

          Gefällt 2 Personen

  4. Anna-Lena schreibt:

    Sooooo schön und fantasievoll, lieber Bernd!

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  5. Christiane schreibt:

    Flüche/Verwünschungen funktionieren also nur, wenn man eine Bedingung einbaut, unter der das Ganze aufgelöst wird? Ich muss mir das mal durch den Kopf gehen lassen.
    Ansonsten male ich mir gerade praktische Folgen eines wiederauferstandenen Königreichs aus. Hmmmmmm.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁😺

    Gefällt 1 Person

  6. 😂😂😂 grossartig

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