Anthropogener Treibhauseffekt.

Xiaomeng wurde abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen.

abc.etüden | Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

abc.etüden | Tulpenzwiebel, kurzweilig, auferstehen

Ihre Überlebenskapsel öffnete sich, nachdem sich ihre Vitalfunktionen wieder im Normalzustand befanden und Xiaomengs eiskalter Blick fiel sofort auf ihre mittlerweile gelb blühende ‚Tulipa heterophylla‘, deren Tulpenzwiebel sie aus ihrer Heimat Xinjiang ins Raumschiff rettete, und sie lächelte innerlich.

Akustische und visuelle Alarmsignale überall – sofort checkte sie den Zustand des ihr als Biologin anvertrauten Rettungsmoduls „Plant Diversity IV“.
Das Modul stand kurz vor dem Kollaps, nur noch weniger als 5 Prozent Restenergie waren vorhanden; ohne Enerige keine oxygene Photosynthese mehr, ohne Photosynthese …

Doch wo war das Mutterschiff, an dem sie in ihrem Modul angedockt war?
Ungerührt stellte sie fest, dass sie mutterseelenallein im All trieb.
Im Logbuch fand sie keinerlei (!) Einträge!

War das das Ende ihrer Mission, das Ende der Mission „Global Leap“, zu dem die letzten Überlebenden der Menschheit aufgebrochen waren, von allem Irdischen das Genmaterial an Bord, um irgendwo und irgendwann da draußen einen Neuanfang wagen zu können? –

 

Der globale Temperaturanstieg um zwei Grad vernichtete die tropischen Korallenbänke, die Meeresspiegel stiegen um mehrere Meter, den Persichen Golf gab es da nicht mehr; bei drei Grad entstanden in der Arktis Wälder, die meisten Küstenstädte wurden aufgegeben, Hunger führte zu Massensterben; bei vier Grad herrschte in Europa permanente Dürre, große Teile von China, Indien und Bangladesch verwandelten sich in Wüsten, Polynesien ertrank im Meer, der Colorado River verkümmerte zu einem Rinnsal; fünf Grad und mehr läuteten dann das bereits 1979 vorhergesagte Ende ein: Hunderte Millionen noch irgendwie Lebende suchten ihr Heil in der Flucht vor Hunger, Dürre, Überflutung und Ausbreitung der Wüsten und wurden zusätzlich Opfer von (Bürger-)Kriegen um die natürlichen Ressourcen sowie von Terroranschlägen. –

 

Auf einem fernen Planeten sollte alles Leben wieder auferstehen – das Universum fand das irdische Schauspiel, nachdem der letzte Vorhang fiel, sehr kurzweilig.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/04/07/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-15-16-19-wortspende-von-vro-jongliert/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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12 Antworten zu Anthropogener Treibhauseffekt.

  1. vro jongliert schreibt:

    Ich denke nicht, dass die Menschheit Rettung dadurch erfährt, dass sie sich aufmacht zu anderen Planeten, wo sie neu Fuß fassen kann. Wir haben unsere Chance hier auf der Erde, wenn wir die vermasseln, dann war es das. Egal, welches Ereignis man rückwirkend betrachten möchte, es ist immer ein Kommen und Gehen, ein Werden und Vergehen. Die Menschheit scheint ihr Vergehen derzeit zu beschleunigen. Am schlimmsten ist es immer für jene, die im Untergang die Rechnungen für andere zu begleichen haben.
    Liebe Grüße, Veronika

    Gefällt 1 Person

  2. Katharina schreibt:

    Sehr düster und leider sehr realistisch. Wenn die Menschen weiter auf ihre Bequemlichkeit und ihr Schnitzel beharren, ist das dieses Zeitalter bereits der Epilog.

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  3. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 17.18.19 | Wortspende von Agnes Podczeck | Irgendwas ist immer

  4. Werner Kastens schreibt:

    Wenn man sich in Firmen/im Leben gegen Neuerungen oder Erkenntnisse wehrt, gab es schon immer zwei Antworten, bevor es abrupt zu Ende oder in die Pleite ging: „Das haben wir schon immer so gemacht“ oder „Das haben wir noch nie so gemacht“.

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  5. Christiane schreibt:

    Genau. Sehr kurzweilig. Das denke ich dann auch. Himmelherrgott. Wir leben in interessanten Zeiten.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  6. gkazakou schreibt:

    Gut geschrieben ist es, aber ich würde andere Lektüre empfehlen, die darauf hinweist, dass wir Menschen es durchaus fertig bringen, die Erde kaputt zu kriegen, bevor die Temperaturen um einen einzigen Grad angestiegen sind. Die Kriege, Bürgerkriege, Verseuchungen jeder Art, Vernichtung des natürlichen Gleichgewichts in der Tier- und Pflanzenwelt….. ruft Nemesis auf den Plan. Die Konzentration auf die – durchaus kontrovers geführte – Diskussion über die Erderwärmung, die „irgendwann in der Zukunft“ das Leben auf der Erde schwierig machen wird, lenkt ab von den Katastrophen, die inzwischen und ganz aktuell ablaufen und gegen die nichts Wesentliches getan wird. ZB 5G, Pflanzengifte, Plastikmüll, Vernichtung der Lebensvielfalt, Waffenproduktion ohne Ende, Antibiotika-Missbrauch, künstliche Intelligenz usw usf.

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    • Ja. Danke. | „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen. Es ist soweit.“ [https://de.wikipedia.org/wiki/So_la%C3%9Ft_uns_denn_ein_Apfelb%C3%A4umchen_pflanzen] | Liebe Grüße, Bernd

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      • gkazakou schreibt:

        danke für den Link. Ditfurth war ja damals einer der wichtigen Autoren. Ich lese bei Wiki: “ Die Welt sei, so schreibt Ditfurth, nach oben offen – „unvorstellbar und unausdenkbar“. Der Teil der Realität, der sich der menschlichen Erkenntnis entzieht, und den man sich als unermesslich viel größer vorzustellen hat als den dem Menschen bekannten Teil, sei das Jenseits, schreibt Ditfurth. Nun verfügt der Mensch über Bewusstsein (Geist, Gedanken, Träume, selbstkritisches Denken, Absichten), das als Mittel betrachtet werden kann, die Welt zu transzendieren“.
        Diese Aussage steht, finde ich, im Widerspruch zu seinen durch und durch pessimistischen Prognosen. Um die Krise zu überwinden, wäre wohll das dualistische Denken zu überwinden, in dem wir heute festhängen.( „Alles ändern“ vs „Weiter wie bisher“). Das Potential für eine Erweiterung unseres Bewusstseins haben wir.

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  7. Nicht unrealistisch. Gefällt mir sehr gut! Auch wenn ich der Menschheit so gerne noch eine Chance gegeben hätte…..

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    • Eine Spezies, die eine Erkenntnis gewinnt, die ein sofortiges Tun und Unterlassen verlangt und im Gegenteil dann 40 Jahre die Sache noch verschlimmert, hat ihr Recht auf (Über-)Leben verwirkt. Ich empfehle Jonathan Richs Buch und Artikel in der New York Times „Losing Earth“ und George Monbiots Artikel „Only rebellion will prevent an ecological apocalypse“ in The Guardian zu lesen. Ich halte dies nicht für eine unverantwortliche Panikmache, sonder für eine realistische Beschreibung der Versäumnisse der vergangenen 40 Jahre und des Ist-Zustandes. Wir haben die Menschheit auf dem Altar des Kapitalismus geopfert. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 3 Personen

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