Isabella – 1/150.000

Isabella war im elften Lebensjahr als zwei Männer sie abends, allein auf dem Heimweg vom Cheerleader-Training, in einer dunklen Seitenstraße mit Gewalt in einen fahrenden Van zerrten und verschleppten – seitdem gilt sie als vermisst und spurlos verschwunden.

abc.etüden | Katzenauge, kurios, balancieren

abc.etüden | Katzenauge, kurios, balancieren

Noch in der gleichen Nacht wurde sie von drei anderen Männern nacheinander und parallel in alle Körperöffnungen penetriert.

Wenn sie nicht das machte, was man von ihr verlangte, würde man sie und ihre Familie töten, drohten sie ihr.

Von nun an kamen fast täglich zwei bis fünf Männer; ein Nein wurde nicht akzeptiert und mit Schlägen, brennenden Zigaretten auf weicher Haut quittiert.
Männer, die aussahen und sich gaben, wie die Männer, die ihr im unbeschwerten Leben davor freundlich begegneten: wie Daddy zum Beispiel oder ihr Mathe-Lehrer oder ein Nachbar, ihr Kinderarzt oder der Pfarrer der Gemeinde oder ein Dachdecker – selten war ein schmieriger, ungepflegter, stinkender Mann dabei.

Drogen hatten sie gefügig, willig und ruhig gemacht; für Krankheiten, Abtreibungen und Fehlgeburten gab es einen maskierten Arzt, der sie behandelte, schlecht behandelte.

Viele Vergewaltigungen wurden gefilmt, die Freier später damit erpresst und sie musste regelmäßig andere Mädchen vor der Kamera …, Tribadie, diese Videos konnten später anonym im Netz gekauft/gestreamt werden.

Der jährliche bewachte Ausflug nach Disney-World war mehr als kurios.

Wenn sie auf den Männern ritt, blickte sie an die gegenüberliegende Wand und starrte dort teilnahmslos auf ein an einem Spiegel baumelndes Katzenauge, so ein reflektierendes Ding, wie sie eines früher an ihrem Schulranzen hatte; ihre Gedanken balancierten dabei auf dem schmalen Grat zwischen Auflehnung und Selbsttötung.

 

Sie ist eine der 150.000 Kindersexarbeiterinnen in Amerika, in die nach fünf Jahren ca. 6.000 Männer eingedrungen waren; landesweit geschieht dies jährlich 2.500.000 mal – increasing.



Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/05/05/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-19-20-19-wortspende-von-katha-kritzelt/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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21 Antworten zu Isabella – 1/150.000

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 21.22.19 | Wortspende von Team dergl | Irgendwas ist immer

  2. violaetcetera schreibt:

    Bin schockiert. Das wahre Ausmaß war mir bisher nicht bekannt.

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  3. dergl schreibt:

    Ich konnte liken, aber nur weil du dich dem Thema annehmen konntest bzw. angenommen hast (danke). Bis nach Belgien/Dutroux muss man gar nicht gehen, was ist mit Lügde? Das ist immer noch jeden Tag in den Schlagzeilen, über Jahre hinweg passiert, der Haupttäter war Pflegevater, Ermittler teilweise in dieses Milieu verstrickt. Oder diese Elysium-Sache….

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    • Danke. | Fingen wir an, alle Puzzleteile der Organisierten Kriminalität zu sammeln und passend zusammenzufügen – wir würden erschaudern und die Exekutive und die Legislative davonjagen und die hinter ihnen stehenden Herrschenden demaskieren. | Dutroux hat eine andere „Qualität“, hier lichtete sich der Vorhang der Verwurzelung und Verflechtung der Organisierten Kriminalität für einen kurzen Augenblick: „… verstarben während der Ermittlungszeit nach Dutrouxs Verhaftung 27 Zeugen, die im Prozess aussagen wollten …“ | Liebe Grüße, Bernd

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      • dergl schreibt:

        Natürlichist der Fall Dutroux wegen so etwas ein anderes Kaliber, ganz klar. So jemand muss ja auch in dem Stil über so lange Zeit handeln können, das geht nicht ohne Verpflechtungen und die waren größer und anders als in Lügte. Ich denke, man kann trotzdem nicht sagen, „In Belgien, in Amerika, aber „wir“ haben so etwas nicht…“ (wie man vielleicht instinktiv bei so einem ekelhaften Thema dazu neigt). Lügde ist quasi vor der Haustür.

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        • Deutschland ist eine Drehscheibe für die Organisierte Kriminalität. Und das seit Jahrzehnten. Bereits Dagobert Lindlau machte 1989 die Organisierte Kriminanlität in Deutschland publik (Der Mob – Recherchen zum Organisierten Verbrechen) und zeigt Deutschland als von offizieller Seite geduldte Drehscheibe und Rückzugsraum für Organisierte Kriminalität. Wahrhaben wollte und will dies bis heute niemand. Nie wird in Aktenzeichen XY nach Mitgliedern Organisierter Kriminalität gefahndet, höchstens nach Mitgliedern krimineller Banden (vornehmlich ausländischer). Organsierte Kriminalität wird weitgehend totgeschwiegen. Ausnahmen bestätigen die Regel, verharmlosen diese dann aber als Clan-Kriminalität.

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  4. Christiane schreibt:

    Auch mir fehlen die Worte. Dennoch kann ich deinen Beitrag liken und damit meine Wertschätzung zeigen: Er ist gut und notwendig.
    Liebe Grüße
    Christiane

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  5. Katharina schreibt:

    Das ist heftig. Was geht nur in den Köpfen von so Menschen vor? Soviele Soziopathen kann es gar nicht geben. Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, dass die selber Familien und vllt sogar Töchter haben…

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  6. Ich möchte es auch nicht liken, ist mir beim Lesen doch körperlich schlecht geworden, trotzdem danke ich dir auch, dass du dich des Themas angenommen hast!!!!

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  7. gkazakou schreibt:

    mir gehts wie Ulli. es ist ein Thema, dass ich nicht aushalte.

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    • Ich konnte meiner Hilflosigkeit und meiner Wut immerhin mit einer Geschichte Ausdruck verleihen. – Ja, die Tatsachen sind unerträglich. – Warum unterhält die Bundesrepublik Deutschland freundschaftliche Beziehungen zu Ländern, in denen die Organisierte Kriminalität und innen- und/oder außenpolitische Aggressivität grassiert? Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

  8. Ulli schreibt:

    Ich mag das jetzt nicht liken – aber ich möchte mich bedanken, dass du dieses so grusige Thema für die Etüden aufgegriffen hast. Ich halte das Ganze kaum aus, schon gar nicht mit den Zusatzinfos, was ist nur los mit den Männern dieser Welt?!
    herzlichst, Ulli

    Gefällt 5 Personen

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