Neuntausend von zweieinhalb Millionen.

Um 21:16 Uhr ließ Alexander Iwanowitsch Marinesko das Schiff aus 700 Metern Entfernung torpedieren.

abc.etüden | Malkasten, gleitend, torpedieren

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Lautlos durchs Wasser gleitend, traf ein Torpedo den Bug, das zweite schlug unter dem E-Deck und das dritte im Maschinenraum ein.

Manche, der ca. neuntausend Opfer ereilte die Gnade des unmittelbaren Todes.
Die meisten anderen durchlitten bis 22:15 Uhr, dem Zeitpunkt als das Schiff sank, einen langen Todeskampf.

Eintausendzweihundertneununddreißig Personen, Evakuierte Ostpreußens, überlebten. –

Über die Ostsee entkamen im Laufe der Evakuierung zweieinhalb Millionen Menschen. –

Die Versenkung entsprach geltendem Kriegsvölkerrecht.
Der Untergang dieses einzelnen Schiffes war die verlustreichste Schiffskatastrophe der Menschheitsgeschichte.

Marinesko wurde postum der Orden „Held der Sowjetunion“ verliehen und ein Ehrenmal am oberen Königsberger Schlossteich errichtet. –

Ben saß vor seinem Zeichenblock, tauchte den Pinsel in das Wasserglas und übertrug die dunkelsten Farben seines Malkastens auf das weiße Blatt Papier, um die überlieferte Erinnerung an den Tod seines Ur-Uropas Hans am 30. Januar 1945 festzuhalten und zu verarbeiten.

 

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/05/19/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-21-22-19-wortspende-von-team-dergl/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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10 Antworten zu Neuntausend von zweieinhalb Millionen.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 23.24.19 | Wortspende von Werner Kastens | Irgendwas ist immer

  2. Werner Kastens schreibt:

    Nach dem Zweiten Weltkrieg und mit der Verbreitung der Atomwaffen zählten/planten die Militärstrategen nicht mehr mit einzelnen Toten. Man spricht seitdem nur noch von Mega-Toten.
    Wie niedlich wird doch der nächste Krieg, da brauchen wir gar keine Angst zu haben!

    https://de.wikipedia.org/wiki/Megadeath

    Gefällt 2 Personen

  3. Katharina schreibt:

    Deine nüchterne Erzählung passt zu dem Unverständnis, das man bei solchen menschenverursachten Katastrophen empfindet.
    Ich habe mal eine ziemlich gute Doku darüber gesehen. Insbesondere die Schilderung von Überlebenden waren krass.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 2 Personen

  4. dergl schreibt:

    Fein. Ich mag ja diese historischen Etüden.

    Gefällt 1 Person

  5. Christiane schreibt:

    Die „Wilhelm Gustloff“. Meine Mutter wäre als Kind drauf gewesen, wenn sie sich damals nicht geweigert hätte. Wunderbarerweise hörte man auf sie.
    Das war das Erste, woran ich dachte, als ich damals von dergl ‚torpedieren“ bekam. Danke fürs Erinnern.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 1 Person

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