Einer von Zweihundertfünzig.

Es begann damit, dass seine Augen brannten, juckten, tränten, sich seine Lidspalten verengten und die Bindehaut rot leuchtete.

abc.etüden | Abweichung, unabwendbar, verengen

abc.etüden | Abweichung, unabwendbar, verengen

Dann setzten Schnupfen und Husten ein; er fühlte sich verheult, verrotzt und verschwollen.

Mit den Hals- und Kopfschmerzen kam das Fieber.

Sein Hausarzt stellte eine Abweichung von fast plus vier Grad seiner Körpertemperatur von der Normaltemperatur fest und schüttelte angesichts dieses schweren grippalen Infektes ungläubig seinen Kopf.
Eiswickel waren angesagt.

Doch die Krankheit schritt unabwendbar ihrem Höhepunkt entgegen.

Am zwölften Tag rötete sich der Rachen sehr stark.

Zwei Tage später waren sie da: Flecken hinter den Ohren, immer größer werdend, sich binnen eines Tages über den gesamten Körper ausbreitend, ineinanderfließend; das zwischenzeitlich gesunkene Fieber stieg zu neuen Höhen auf.

Nach drei Wochen war er tot – gestorben an einer, hinter den Symptomen der Masernerkrankung, nicht erkannten Lungenentzündung.

Er war einer von ca. 250 Erwachsenen, die in Deutschland jährlich an Masern erkranken und einer von zwei bis drei daran jährlich Sterbenden.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/06/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-23-24-19-wortspende-von-werner-kastens/

Dieser Artikel ist unter CC BY-NC-ND 4.0 lizenziert.
[Teilen erlaubt mit Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung]


Impressum/Datenschutz/Datensicherheit

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPfiction abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

21 Antworten zu Einer von Zweihundertfünzig.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 25.26.19 | Wortspende von viola-et-cetera | Irgendwas ist immer

  2. violaetcetera schreibt:

    Masern gehören zu meinen unangenehmen Kindheitserinnerungen. Wünsche ich von daher niemandem, aber damals war der Standpunkt „da muss man eben durch“ noch weit verbreitet. Gerade wegen dem Herdenschutz bin ich daher für eine Impfpflicht.

    Gefällt 1 Person

  3. Werner Kastens schreibt:

    Sobald eine Verhältnismäßigkeit gegeben ist und man sagen kann Schutzinteresse überwiegt habe ich nichts gegen Impfpflicht. Fürsorge halte ich für eine wesentliche Pflicht des Staates.

    Gefällt 1 Person

  4. Katharina schreibt:

    Schlimm, wenn Menschen an Krankheiten sterben, die es nicht mehr geben müsste. Wenn es aus eigener Ignoranz ist, habe ich auch da noch Mitleid, weil sie anscheinend nicht die Möglichkeit hatten sich das benötigte Wissen anzueignen.
    Grüße, Katharina

    Gefällt 2 Personen

    • Oder die Menschen sind gefangen in ihren Ängsten. Geimpft zu werden ist risikobehaftet. Es gibt Menschen, die sterben an den Folgen einer Impfung. Es gibt auch Menschen, die auf einem Füßgängerüberweg während einer Grünphase von einem unaufmerksamen oder unter Drogen stehenden Autofahrer totgefahren werden. Dieses Risiko ist höher. Trotzdem kommt niemand auf den Gedanken, nicht mehr am Straßenverkehr teilzunehmen. Ja, mitleiden statt ausgrenzen ist angemessen. Wer sich ausgegrenzt fühlt anstatt in den Arm genommen, der hat kaum eine Chance, seine Postition zu verlassen. Danke. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 2 Personen

  5. Christiane schreibt:

    Und es werden mehr werden, viel mehr, wenn man die aktuellen Debatten verfolgt. Ich wusste das nicht, dass es immer noch so viele sind. Ich bin nicht in der Situation, es entscheiden zu müssen, daher bin ich nur oberflächlich informiert, aber grundsätzlich würde ich immer impfen.
    Liebe Grüße
    Christiane

    Gefällt 2 Personen

  6. dergl schreibt:

    Sehr wichtig. Es gibt so viele ungeimpfte Leute, oder Leute, denen ein Teil des Impfschutzes fehlt, die glauben, das ist Peanuts oder, wenn erwachsen, sie könnten das nicht bekommen, weil „Kinderkrankheit“

    Gefällt 3 Personen

  7. Sehr gut geschrieben und sehr realistisch! Danke!

    Liken

    • Vielen Dank. Impfungen sind für die Einreise nach Deutschland nicht vorgeschrieben. Jedes Jahr besuchen über 15 Millionen Menschen Deutschland (Ankünfte in Deutschland 2014). Und jeder Tourist oder nach Deutschland entsandte Arbeitnehmer kann eine in Deutschland besiegte Krankheit mitbringen. Und Erwachsene leiden unter sogenannten Kinderkrankheiten stärker und sind für einen schweren Krankheitsverlauf anfälliger. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 3 Personen

      • Für mich ist es tatsächlich unverständlich, wie man nicht impfen kann – aber ich möchte hier auch keine Diskussion los treten :-)

        Gefällt 2 Personen

      • dergl schreibt:

        Das. Und: Du brauchst eigentlich nur im Grenzgebiet zu arbeiten, pendeln und in deinem Job Kundenverkehr zu haben – da ist es.

        Dann natürlich ungeimpfte kranke Leute, die weil sie erstmal denken „Nur eine Erkältung“ trotzdem arbeiten gehen, aber schon hochansteckend sind. Du kannst es dir holen wenn du dein Kind aus dem Kindergarten holst, es nicht merken, arbeiten gehen und zack hat es jede*r, der, die oder das im Kollegium oder in der Kundschaft nicht (ausreichend) geimpft ist oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden kann.

        Das geht schnell.

        Gefällt 2 Personen

        • Die Masern-Impfquote reicht in Deutschland auf Länderebene von 24,9% in Sachsen bis 80,5% in Hamburg. „Seuchenpolitisch“ wäre eine Impfquote von 95% nötig. Liebe Grüße, Bernd

          Gefällt 2 Personen

          • dergl schreibt:

            Es gibt in Holland auch so etwas wie diesen „bible belt“ in den USA, die impfen nicht und bei denen bricht es wohl periodisch aus. Ich weiß nicht in wie weit die in Zentren wie Venlo verkehren, aber hier – nicht mal 100km von der Grenze – gibt es viele, die zum Einkaufen nach Venlo fahren. Du kannst in NRW so gut geimpft sein wie du willst – Quote, glaube ich, 94% -, die Person, die nicht geimpft ist oder ein Baby hat, das von Alters her noch nicht geimpft werden kann, hat ein potentielles Problem, wenn sie da einkaufen geht.

            Gefällt 2 Personen

  8. wildgans schreibt:

    Gefährlich realistisch!

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.