„Klaus Gietinger fordert eine „Vollbremsung“ und zeigt in seinem neuen Buch, warum das Auto keine Zukunft hat und wir trotzdem weiterkommen.“

» […] Entschleunigung statt Beschleunigung, runter vom Gas, kurze Wege für Mensch und Gut, Aufhebung der eingebauten Vorfahrt und Downsizing aller Kfz, autobefreite Städte, weitgehend autobefreites Landleben, massiver Ausbau und Demokratisierung des Umweltverbunds von Bahn, ÖPNV, Rad und Fuß sowie basisdemokratische Bremsung des Kapitals durch Bekämpfung von Bodenspekulation und Mietwucher sowie die Vergesellschaftung, Zerschlagung und Konversion nicht nur von BMW, sondern des deutschen Autokartells.
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Jedes Jahr sterben 1,35 Millionen Menschen auf den Straßen der Welt durch Verkehrsunfälle, Tendenz steigend. Zählt man die Umweltbelastung durch das Kfz dazu, kommt man damit auf jährlich drei Millionen Tote. Inklusive der autobedingten Umweltverschmutzung macht das von Beginn der Motorisierung an bis zum Jahr 2030 mindestens 200 Millionen Todesopfer – mehr als durch alle Kriege. Das Auto frisst zudem immer mehr Öl, das trotz Fracking vermutlich in 40 Jahren aufgebraucht sein wird.
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Das Kfz hat bis dahin große Teile der Erde vergiftet und sich einen immer größeren Anteil an der Klimaerwärmung herausgefahren, Hunger produziert und unglaublichen Raum gefressen. Umweltkatastrophen und Kriege folgen.
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Kapitalismus per se erfordert eine immer schnellere Bewegung von Waren als auch einen immer größeren Warenausstoß. Die Bewegung des Kapitals ist maßlos. Dies überträgt sich auf unser ganzes Leben und eben auch auf die Art und Weise, wie wir uns bewegen. Wir wollen immer schneller immer weiter.
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Vor allem das von Faschisten gepushte Auto hat uns bewegungssüchtig gemacht.
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Die Droge kann nur von einer Bewegung von unten gebremst werden.
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Wir gewinnen im Verkehr jedoch keine Zeit, so schnell wir uns auch bewegen. Die junge automeidende Generation in der Stadt ist der Ansatzpunkt einer Wende, ebenso die Zunahme des Fahrradverkehrs bei allen Generationen und Klassen. Doch beide Hebel sind nicht stark genug, um die Kfz-Gesellschaft auszuhebeln. Dafür muss noch mehr passieren.
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Das Drogenkartell der Autokonzerne hat schon viele Krisen überstanden und ist wie Phoenix aus der Asche immer mit noch größerem Output auferstanden.
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Bis zum Dieselgate waren die meisten kritischen Stimmen verstummt.
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Doch das System zeigt […] Zeichen der Erosion […], das belegen Dieselgate, Feinstaubgate, Stickstoffgate und Klimagate
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Es gibt 13 Autokonzerne, die die globale Verkehrspolitik beherrschen. Das Kartell und die Regierung betrügen uns bei den Kfz hinten und vorne.
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Technik an sich bringt keine Lösung. Weder ist es zielführend, die ständig wachsende Flotte an Kfz und an SUVs durch Elektroautos einfach zu ersetzen, noch bringen andere »Wunderwaffen« wie Hybrid-, Wasserstoff- oder Brennstoffzellenautos Vorteile.
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Die Verkehrsrevolution will anders als eine Verkehrswende nicht nur mehr Bahnverkehr, mehr ÖPNV, mehr Rad- und Fußverkehr, sondern zugleich weniger motorisierten Individualverkehr (MIV), weniger Geschwindigkeit und grundsätzlich weniger Verkehr. Sie fordert die De-Car-isierung primär vor der Dekarbonisierung. Das heißt: radikale Entschleunigung, radikal kürzere Wege für alle Menschen und Güter, sprich radikal weniger Auto-, Flug- und Schiffsverkehr. Nur dann können die Klimakatastrophe abgewendet, die Umwelt erhalten und die Milliarden Opfer des Kfz vermieden werden.
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  • Tempolimit 2020 (2030): Autobahn 120 km/h (90 km/h), 80 km/h (70 km/h)
  • Landstraße, 30 km/h innerorts, in Wohngebieten grundsätzlich 15 km/h
  • Autofreie Innenstädte
  • Hochpreisige Parkraumbewirtschaftung
  • Verbot des Gehwegparkens
  • Verbot von SUVs
  • Nulltarif
  • Verdreifachung des Bahnnetzes
  • Vervielfachung des Tramnetzes
  • Vervielfachung der Fußgängernetze
  • Massiver Ausbau des Radnetzes zu Lasten des Pkws
  • Ab 2040 sind nur noch Pkws mit 2 l/100 km erlaubt
  • Maut für den gesamten MIV
  • Kerosin- und CO2-Steuer
  • Kein innerdeutscher Flugverkehr
  • Exponentielle LKW-Maut nach Entfernung

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Klaus Gietinger: „Vollbremsung! Warum das Auto keine Zukunft hat und wir trotzdem weiterkommen“, 192 Seiten, Westend Verlag. […] «

Klaus Gietinger | Telepolis | 12.06.2019 | Vollbremsung | https://www.heise.de/tp/features/Vollbremsung-4442357.html

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2 Antworten zu „Klaus Gietinger fordert eine „Vollbremsung“ und zeigt in seinem neuen Buch, warum das Auto keine Zukunft hat und wir trotzdem weiterkommen.“

  1. Der motorisierte Individualverkehr ist, unabhängig von der derzeitigen Diskussion, Wahnsinn. Nach dem Zweiten Weltkrieg bestand die Chance, dem Öffentlichen Verkehr den Vorrang zu geben. Offensichtlich gelang es damals bereits der Auto- und Mineralölindustrie, die politisch Verantwortlichen vom Gegenteil zu „überzeugen“. Anstatt also die Verkehrspolitik auf einen umweltgerechten Verkehr auszurichten, richtete man sie auf eine verkehrsgerechte Umwelt aus.
    Die Risiko- und Kosten- und Folgekosten-Reduzierung auf allen vom Individualverkehr betroffenen Feldern rechtfertigt den Rückbau des motorisierten Individualverkehrs zugunsten des nichtmotorisierten und des Öffentlichen Verkehrs.Ende der 1970er Jahre wurde alles, worüber wir heute disktutieren von Horst Stern in der Zeitschrift NATUR und von Hans A. Pestalozzi in seinem Buch „Nach uns die Zukunft“ (Hoimar von Ditfurths Buch „So lasst uns denn ein Apfelbäumchen pflanzen“ sei hier auch erwähnt) angesprochen, die Entwicklung vorausgesehen und Lösungen skizziert. Doch da entwickelte sich die Auto- und Mineralölindustrie und die mit ihr aufs engste verbundenen Politiker bereits zu einer Art Organisierten Kriminalität. –
    Wer jemals einen Asthmatiker in seinem persönlichen Umfeld erlebt hat, der verbittet sich jede Form von Abgasen und Feinstaub. Und wenn die Klimakatastrophe nicht menschengemacht sein sollte, so hülfe doch jede Vermeidung von zusätzlichen Belastungen, sich auf die Bewältigung der Katastrophe zu konzentrieren.

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  2. nandalya schreibt:

    „… sprich radikal weniger Auto-, Flug- und Schiffsverkehr. Nur dann können die Klimakatastrophe abgewendet, die Umwelt erhalten und die Milliarden Opfer des Kfz vermieden werden.“

    Warum müssen es immer die normalen BürgerInnen sein, die Opfer bringen sollen? Was ist mit der Industrie, all den rauchenden Schloten? Warum fängt man immer ganz unten statt ganz oben an? Ganz ehrlich, der Mann mag einige gute Punkte haben, aber schwimmt mit seinem Buch nur auf der Klima-Welle mit.

    Davon abgesehen wird das Auto eine Zukunft haben. Es wird nur nicht mehr mit fossilen Brennstoffen betrieben.

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