„Das sind alles Entwicklungen, die den Zusammenhalt in einer Gesellschaft Stück für Stück auflösen.“

» […] Die Ungleichheiten in der Gesellschaft seien generell gestiegen, sagte Soziologe Michael Hartmann im Dlf. Die Politik habe entscheidend zur regionalen Auseinanderentwicklung beigetragen. Diese Entwicklung löse den Zusammenhalt innerhalb der Gesellschaft Stück für Stück auf.
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wenn man sich die letzten zwei Jahrzehnte anguckt, so muss man sagen, dass die Politik ja entscheidend dazu beigetragen hat, dass die Unterschiede nicht kleiner, sondern größer geworden sind. Durch Steuerpolitik, durch Arbeitsmarktpolitik hat sie dazu geführt, dass das untere Fünftel der Gesellschaft heute zehn Prozent real weniger Einkommen hat als vor 20 Jahren, und das obere Fünftel […] hat 16 Prozent real mehr.
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Diese Auseinanderentwicklung […] da hat die Politik sehr stark zu beigetragen.
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Wenn man sich den sehr großen Niedriglohn-Sektor anguckt, der zur deutlichen Senkung von Einkommen in bestimmten Regionen geführt hat, oder die Steuererleichterung für hohe Einkommen, das ist klar, was das für Konsequenzen hat. Wenn man sich die Wohnungspolitik anguckt, die hohen Einkommen können in bestimmten Regionen oder Stadtteilen die hohen Mieten bezahlen oder die hohen Grundstückspreise.
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Da wo sich hohe Einkommen ballen, da gibt es natürlich auf dem Wohnungsmarkt Probleme für Leute, die diese hohen Einkommen nicht haben, mitzuhalten und dann müssen die an die Ränder der Städte ziehen oder ins Umland, oder sie müssen sich woanders was suchen. Und das haben Sie in allen Regionen in Deutschland und Sie haben es manchmal in einer Stadt konzentriert. Das hat dann auch politische Konsequenzen, wenn Sie sich Essen angucken. Bei den letzten Wahlen in Essen-Nord hat die AfD dreimal so viel gekriegt wie in Essen-Süd.
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Die AfD hat ja vor allem im Ruhrgebiet dort gewonnen, wo die Lebensbedingungen sich deutlich verschlechtert haben. Das ist eine Protesthaltung. Und es hat generell die Konsequenz, dass in einer Gesellschaft der Zusammenhalt Stück für Stück nachlässt. Das heißt, ein zunehmender Teil der Gesellschaft fühlt sich in dieser Gesellschaft nicht mehr repräsentiert, geht dann gar nicht mehr wählen oder wählt aus Protest, und diese Tendenz kann man in den letzten 20 Jahren in vielen Regionen Deutschlands sehen. Da wo die Einkommensverhältnisse unterdurchschnittlich sind, ist die Protesthaltung in der Regel am stärksten.
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Beim unteren Fünftel der Gesellschaft ist der Anteil des realen Einkommens, der für Wohnen ausgegeben wird, in den letzten 20 Jahren von 27 auf 39 Prozent gestiegen, und beim oberen Fünftel ist er gesunken von 16 auf 14 Prozent, weil die Zinsbelastungen für Kredite gesunken sind. Das sind alles Entwicklungen, die den Zusammenhalt in einer Gesellschaft Stück für Stück auflösen. […] «

Michael Hartmann, Stefan Heinlein | Deutschlandfunk | 08.07.2019 | „Kein reines Ost-West-Problem“ – Soziologe Hartmann zur Ungleichheit | https://www.deutschlandfunk.de/soziologe-hartmann-zur-ungleichheit-kein-reines-ost-west.694.de.html?dram:article_id=453291

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2 Antworten zu „Das sind alles Entwicklungen, die den Zusammenhalt in einer Gesellschaft Stück für Stück auflösen.“

  1. Christiane schreibt:

    Alle wissen es, und gefühlt sagt keiner was. Nur die, die eh schon im emotional Trüben fischen.
    Manchmal macht mich das mutlos.
    Liebe Grüße
    Christiane 😐

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    • Ich will nicht von Hoffnung sprechen. Hoffnung lähmt. Aber ich will davon sprechen, dass wir nicht aufgeben dürfen. Dass wir unsere kleinen Schritte fortsetzen müssen. Je länger wir im Dunkeln gehen oder je dunkler es wird, desto weniger können wir uns vorstellen, dass irgendwo ein Licht am Ende des Tunnels kommt. Vielleicht nicht für uns. Aber gewiss für Andere wird es Licht geben. Liebe Grüße, Bernd

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