Schweinerei.

Fynn ist Aktivist einer Tierrechtsorganisation und gibt seine gesamte Freizeit dem Tierschutz hin.

Er saß eingesperrt in einer Hybridschweinezuchtanlage.

abc.etüden | Verzweiflungstat, ambivalent, hingeben

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Er sollte in der Nacht von Sonntag auf Montag nur ein paar Kameras anbringen, das Leid der Schweine zu dokumentieren.
Die Öffentlichkeit sollte erfahren, welches Leid in ihrem Schmalz, ihrer Fleischwurst, ihrem Schnitzel oder ihrer Haxe steckte.

Als Fynn die Anlage verlassen wollte, öffneten sich die elektronischen Stalltüren nicht mehr, Fenster gab es keine; da der Morgen bereits graute und schon bald der Züchter auftauchen würde, verabredete Fynn mit seinen KampfgenossInnen, dass sie ihn in der Nacht auf Dienstag befreien sollten.

Fynn versteckte sich in einem leeren Kastenstand in der hintersten Ecke der Anlage; rechts und links von diesem Flur waren alle Kastenstände leer.

 

Als die Polizei die Aufnahmen der Kameras auswertete, sahen sie Geschehnisse, die sie lange beschäftigen sollten.
Die Aufnahmen zeigten, wie der Schweinezüchter durch die Flure der Anlage ging, die kleinen Ferkel zählte und immer mal wieder eines einer Sau wegnahm und das Ferkel mit zwei kurzen, heftigen Schlägen gegen die Querstreben des Kastenstandes tötete; sie sahen wie nachfolgend der Züchter und seine Gehilfen anderen Ferkeln betäubungslos die Hoden abschnitten; sie sahen wie Schwänze kupiert wurden und sie sahen wie Ferkeln betäubungslos die Eckzähne abgeschliffen wurden.

Und sie sahen, wie Fynn plötzlich ins Bild stürmte, einen zylindrischen Gegenstand in der Hand haltend, in der Pressekonferenz sprach man später von einem Bolzenschussapparat, sahen also, wie Fynn auf den Züchter zustürmte, ihm den Bolzenschussapparat gleichzeitig gegen die Stirn und den Abschusshebel drückte.

Sie sahen, wie die Gehilfen sich auf Fynn stürzten, ihn entwaffneten und fast totprügelten – diese Bilder lösten in den PolizistInnen die ambivalentesten Gefühle aus  –  das Sudelblatt dagegen titelte am nächsten Tag eindeutig: BAUERNOPFER – VERZWEIFLUNGSTAT IM SCHWEINESTALL.

 

Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.

Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/09/01/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-36-37-19-wortspende-von-ludwig-zeidler/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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12 Antworten zu Schweinerei.

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 38.39.19 | Wortspende von Make a choice Alice | Irgendwas ist immer

  2. Katharina schreibt:

    Ist mir wirklich schwer gefallen, das zu lesen. Ich verstehe nicht wie man Produkte aus Massentierhaltung zu sich nehmen kann und andererseits kann man sie schwer vermeiden, weil nicht alles ausgezeichnet ist. Es ist so traurig und macht wütend, weil man selbst nur so wenig machen kann.

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    • Die Produkte aus Massentierhaltung erkennst du am Preis. Wenn du es dir ohne zögern leisten kannst, ist es aus Massentierhaltung.

      Tierische Produkte aus Bioland-, Naturland- oder demeter-Haltung kosten ein Vielfaches.

      Es ist eigentlich ganz einfach, etwas zu machen.
      Ich habe die Konsequenz gezogen und verzichte auf alle tierischen Produkte.

      Liken

      • Katharina schreibt:

        Bei Essen ist es einfacher, ja. Ich weiß auch was ich wo kaufen kann, aber in Pflegeprodukten, Cremes etc, und bei der Herstellung von Waren kommen auch tierische Produkte zum Einsatz, zB in Leimen. Im Prinzip kann man nicht einwandfrei leben, weil bio, regional und saisonal und verpackungsfrei gibt es kaum. Dazu ist eben nicht alles ausgeschildert.

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        • Mir geht es darum einwandfreier zu leben. Jede Woche, jeden Monat, jedes Jahr ein wenig mehr. Die Pflegeprodukte habe ich nach und nach umgestellt. Aktuell stelle ich die bereits tierproduktfreien Pflegeprodukte auf Pflegeprodukte um, die ohne Tierversuche hergestellt werden.
          Mir hilft dabei https://www.peta.de/ und https://www.petazwei.de/ .
          Peta hat eine Deutschland-Liste und weltweite Liste von Herstellern tierversuchsfreier Pflegeprodukte: https://kosmetik.peta.de/ und ‚Peta Zwei‘ Informationen: https://www.petazwei.de/kosmetik .

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          • Katharina schreibt:

            Pflegeprodukte nehme ich von Lush und schaue ganz gerne bei utopia. de. rein. Peta vertraue ich leider gar nicht, nachdem ich weiß was die in den USA mit gefangenen Katzen anstellen.
            Ist halt nen echter Mehraufwand, der nicht sein müsste, wenn Massentierhaltung und Tierversuche im Kosmetikbereich verboten werden würden. Oder insgesamt, wenn Deutschland nicht mehr Konsum als höchstes Gut ansehen würde.

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  3. violaetcetera schreibt:

    Also, ich hätte vielleicht ähnlich gehandelt wie Fynn. Es ist manchmal schwer zu ertragen, was an diesen Orten geschieht.

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  4. Werner Kastens schreibt:

    Elektronische Überwachung aller Mastbetriebe? Geht nicht. Selbstverpflichtung der Bauernschaft? Funktioniert nicht. Siehe Eigenverpflichtungen der Industrie. Nur beim Landwirt des Vertrauens um die Ecke kaufen? Geht nicht, weil gibt es ja kaum noch. Alles in die Großbetriebe verlagert.
    Irgendwie sind wir da die meisten von uns in einem Dilemma.

    Gefällt 1 Person

  5. Christiane schreibt:

    Ich weiß, dass das Realität ist, wovon du sprichst, trotzdem fällt es mir schwer, es zu liken und zu kommentieren.
    Liebe Grüße
    Christiane, die auch meist wegschaut

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    • Wir können ja gar nicht wegschauen, weil es nichts zu sehen gibt. Und die Lobbyistin Frau Klöckner möchte, dass es zukünftig auch niemand sieht.

      Wir denken weg. Wir lenken die Gedanken weg vom Zusammenhang des billigen tierischen Produktes mit den Umständen seiner Haltung/Schlachtung.

      Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 1 Person

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