„Auf das, was da noch kommt.“

Inhaltshinweise [Achtung: Spoilergefahr!]: Dieser Text kann Bilder physischer oder psychischer Gewalt erzeugen, die für sensible Menschen belastend sein können (hier u.a. Unfall, Schmerz, Depression, Trennung)! Die entstehenden Bilder können Flashbacks auslösen und bisher blockierte Erinnerungen freisetzen. Der Autor übernimmt keine Haftung für entstehende psychische oder seelische Schäden. Lesen Sie den Text bitte nicht, wenn Sie entsprechend sensibel oder sensitiv sind.


Sie biss die Zähne zusammen als sie die jodhaltige Tinktur auf die kleine Wunde ihres rechten Schienbeines tupfte; der Alkohol brannte heftig.
Gedankenversunken war sie gegen einen Blumenkübel in ihrem kleinen Gewächshaus gestoßen, während ihre Gedanken bei ihm, dem Kollegen, weilten.

abc.etüden | Gewächshaus, jodhaltig, fälschen

abc.etüden | Gewächshaus, jodhaltig, fälschen

»Ich fühle wie sich alles wandelt.
Und wie ich’s selber ändern kann.«

Vor über fünfundzwanzig Jahren waren sie sich das erste Mal begegnet und ihr entging nicht, dass er sofort ein Auge auf sie geworfen hatte.
Er gefiel ihr auch, doch sie gab sich unnahbar, wollte ihre junge Ehe und die Hoffnung auf das erste Kind nicht gefährden.
Sie verloren sich aus den Augen.

»Ich fühle wie sich alles wandelt.
Und wie ich’s selber ändern kann.«

Sie weiß nicht mehr, wann sie begonnen hatte, ihr Leben zu fälschen, anfangs die ersten Anzeichen des Auseinanderlebens weglächelte und sich später die immer größer werdenden Risse schönredete.
Dann war sie da, die Depression, erst schleichend und plötzlich wie eine eiserne Klammer um ihren Kopf.
Es folgten Therapien, Klinikaufenthalte, eine Paartherapie, an derem Ende er auszog; die Kinder hatten ihre Krankheit äußerlich unbeschadet überstanden, ein feines Abitur hingelegt, studierten nun in der fernen Stadt.
Sie war frei, innerlich und äußerlich, bereit für etwas Neues.

»Fragt man mich jetzt woher ich komme.
Tu ich mir nicht mehr selber leid.«

Schnell klebte sie ein Pflaster auf die Wunde, holte ihr Smartphone aus der Gartenschürze und tippte in den Messenger: wir haben uns mittlerweile seit mehr als 20 Jahren nicht mehr gesehen und es wäre vielleicht mal an der Zeit das zu ändern.

»Ich riskier was für die Liebe.
Ich fühle mich bereit.«


Die Song-Zitate wurden MIA.s Song „Was es ist“ entnommen: https://www.youtube.com/watch?v=yZOS7rW6Z0I


Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.


Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2019/10/06/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-41-42-19-wortspende-von-reisswolfblog/


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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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5 Antworten zu „Auf das, was da noch kommt.“

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 43.44.19 | Wortspende von Café Weltenall | Irgendwas ist immer

  2. Anna-Lena schreibt:

    Gefällt mir sehr, mitten aus dem Leben gegriffen und sehr realistisch.
    LG Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  3. Christiane schreibt:

    Prima! Denn wenn man selbst sich nicht bewegt, passiert meist gar nichts. Zumindest die Bereitschaft zur Veränderung muss da sein.
    Wieder eine deiner Etüden, wo ich deinen Protagonisten viel Glück wünsche.
    Liebe Grüße
    Christiane 😁👍

    Gefällt 2 Personen

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