„Freie Fahrt für freie Bürger“ oder „So entwickelt sich der Straßenverkehr mehr und mehr zu einer Form des Krieges.“

» […] Wenn die männliche Ehre auf dem Spiel steht, ist alles andere egal! Um eine Kränkung abzuwehren, wird notfalls sogar der eigene Untergang in Kauf genommen. Wie gewisse Hunde keine Tiere, sondern das nach außen verlegte Aggressionspotenzial ihrer Besitzer sind, so sind gewisse Autos keine Fortbewegungsmittel, sondern lackierte Kampfhunde, die ihre Fahrer aufeinander loslassen. Es sind männliche Selbstwertprothesen, die das schwächelnde männliche Selbstgefühl aufmöbeln. Die Kraft der Motoren entscheidet über den Status: je stärker und lauter, desto männlicher. Statt die Motorengeräusche zu dämpfen, werden sie durch Soundgeneratoren mutwillig verstärkt. Solche Autos fungieren als Viagra des männlichen Stolzes.
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Das Automobil erfüllt wie der Fußball in unserer Gesellschaft eine wichtige sozialpsychologische Funktion: die gestaute Wut derer loszulassen, die in einem Universum permanenter Verteidigung und Aggression leben müssen und in Unmündigkeit und Ohnmacht gefangen sind. So entwickelt sich der Straßenverkehr mehr und mehr zu einer Form des Krieges. Nach einem Bericht der Weltgesundheitsorganisation fallen diesem Krieg weltweit jährlich 1,25 Millionen Menschen zum Opfer. Der steigende Absatz von Geländewagen, SUVs und Pick-ups zeugt auch hierzulande davon, dass auf den Straßen Krieg herrscht. Jeder macht sich zum Kommandanten seiner eigenen rollenden Festung.
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man [könnte] auch den Straßenverkehr als Gradmesser dafür nehmen, wie es um die Zivilisiertheit einer Gesellschaft bestellt ist. Statt im Verkehr abzurüsten, was einer wahrhaft demokratischen Gesellschaft gut zu Gesicht stünde und auch der Umwelt zugutekäme, werden wir Zeugen einer gigantischen Auto-Mobilmachung.
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Vor fast 40 Jahren gab es einen zaghaften Versuch, den von Götz Eisenberg geschilderten Wahn zu brechen. Zwischen 1980 und 1982 versuchte der damalige Bundesverkehrsminister Volker Hauff eine auch für die Autobahnen geltende Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 Kilometern pro Stunde durchzusetzen. Dafür gab es damals durchaus eine gewisse Stimmung. Die Parole der dann mit dem Regierungswechsel zu Kohl erfolgreichen Gegenkampagne des ADAC lautete: “Freie Fahrt für freie Bürger”. […] «

Götz Eisenberg | NachDenkSeiten | 16.10.2018 | Lackierte Kampfhunde – Das Auto als männliche Selbstwertprothese. | https://www.nachdenkseiten.de/?p=46559

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2 Antworten zu „Freie Fahrt für freie Bürger“ oder „So entwickelt sich der Straßenverkehr mehr und mehr zu einer Form des Krieges.“

  1. nandalya schreibt:

    Und wären es keine Autos, würden Männer sich mit Pferdefuhrwerken duellieren.

    Gefällt 1 Person

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