„Auf die Situation sind wir vorbereitet“ oder „Wir haben ja gelernt aus den letzten Jahren.“ oder „Anlass für übertriebene Sorge besteht nicht“

Viele Jahrtausende später führte ihre Reise sie an einen blau leuchtenden Planeten.

abc.etüden | Grippe, gebleicht, knuddeln

abc.etüden | Grippe, gebleicht, knuddeln

Ihre Scanner entdeckten eine reichhaltige Fauna und Flora, intelligentes Leben dagegen nicht.
Diese Tier- und Pflanzenwelt, dieser Wechsel von Land- und Wassermassen, grüne Flächen hier, sandige dort und an den Enden der Achsen des Planeten strahlen weiße Flächen!

Aber auch diese Unterschiede: Immergrüne Bäume, Bäume mit bunten Blättern, Bäume mit einfarbigen Blättern, Bäume ohne Blätter; dazu die enormen Temperaturschwankungen!
So etwas hatten sie auf ihrem ewigen Schlüpfen durch Wurmlöcher noch nie gesehen.

Warum hatten sie das Wurmloch, das ihnen den Absprung in diese Welt ermöglichte, nicht schon eher gefunden?

Ihre Detektoren konnten nichts für sie Schädliches oder Tödliches entdecken und so verließen sie ihren Wormhole-Slipper WHS-1055a und begannen mit ihren Untersuchungen und Ausgrabungen.

Was sie dann bei einer frühen Ausgrabung entdeckten, verschlug ihnen ihre Hautatmung: unter dem Gletscher eines Berges entdeckten sie vergangenes intelligentes Leben: ein gut erhaltenes, kleines Lebewesen, mit vier Gliedmaßen und einem Kopf, lag auf einem gebleichten Leichentuch, die rechte Wange gegen die linke Wange des großen Lebewesens im Leinentuch gedrückt, die Arme rechts und links den toten Körper umfassend; in der Sprache des untergegangen Volkes hieß dies „knuddeln“ (sie fanden später viele Wörterbücher, wie den ‚Duden‘ oder the ‚Oxford English Dictionary‘, und waren so in der Lage, allmählich die Sprache und Kultur dieses Volkes zu verstehen).

Nach und nach fanden sie Milliarden solcher Lebewesen, doch keines war so gut erhalten wie diese Mutter mit ihrem Kind – ein wissenschaftlicher Glücksfund.

Bald schon entdeckten sie die Ursache für den Untergang dieser Zivilisation, Menschheit genannt: die Menschen glaubten im ersten Monat des Ausbruchs an eine sich schnell verbreitende Grippe, im zweiten Monat bemerkten sie unglaublich viele Mutationen des Virus‘, am Ende des dreizehnten Monats lebte niemand mehr.


Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.


Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2020/02/02/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-06-07-20-wortspende-von-make-a-choice-alice/

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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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20 Antworten zu „Auf die Situation sind wir vorbereitet“ oder „Wir haben ja gelernt aus den letzten Jahren.“ oder „Anlass für übertriebene Sorge besteht nicht“

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 08.09.20 | Wortspende von BerlinAutor | Irgendwas ist immer

  2. fundevogelnest schreibt:

    Dem Planeten scheint die Seuche wohl bekommen zu sein.
    Ist „Der Zentralbahnhof“ von Leo Szilard bekannt. Ich glaube der könnte gefallen.

    Gefällt 1 Person

    • Nein, leider nicht; und die Geschichte ist aktuell nicht verfügbar. SF lese ich gerne.

      Liken

      • fundevogelnest schreibt:

        Ja, tatsächlich „Die Stimme der Delphine“ – in der die Erzählung enthalten ist gibt es nur noch antiquarisch.Schade.
        Auch wenn der Rahmen noch trauriger ist. Nach einer „Serie von Uranexplosionen“ ist alles Leben auf dem Planeten erloschen.Die Weltraumreisenden rätseln wie so etwas geschehen kann, Uran kann nur durch ein kompliziertes Verfahren zur Explosion gebracht werden und kein intelligentes Wesen würde …
        Wie Xram der geniale aber belächelte Wissenschafter in den Ruinen der Central Station von New York diesem Rätsel auf die Spur kommt ist ein bezauberndes literarisches Kabinettstückchen.

        Gefällt 1 Person

  3. violaetcetera schreibt:

    Leider durchaus ein mögliches Szenario. Ich frage mich oft, was unbeteiligte Forscher über uns heraus finden würden.

    Gefällt 1 Person

  4. Werner Kastens schreibt:

    Sehr bedrückend. Aber wenn sie durch Wurmlöcher schlüpfen können, dann können sie die gefundenen Gene sicherlich auch wieder „auferstehen“ lassen?

    Gefällt 1 Person

  5. Anna-Lena schreibt:

    Ui ui ui, in der momentanen Situation weltweit kein abwegiges Szenario und wieder ganz hervorragend in Worte gekleidet.

    Liebe Grüße
    Anna-Lena

    Gefällt 1 Person

  6. Katharina schreibt:

    Gruselig. Mir gefällt, dass du den Untergang der Menschheit aus Ärchäologensicht beschrieben hast. Das macht es irgendwie noch eine Spur erschreckender.
    Hab noch einen schönen Sonntag.

    Gefällt 2 Personen

  7. Leinwandartistin schreibt:

    Leider ziemlich gut vorstellbar; „Hautatmung“, das hat auch meine Phantasie angeregt ;-)

    Gefällt 1 Person

  8. puzzleblume schreibt:

    Hautatmung – das setzt, obwohl von dir keine Äusserlichkeiten der Neuankömmlinge gegeben wurden, gleich Vorstellungsversuche in Gang, wie ein solches Wesen beschaffen sein müsste… auf jeden Fall eine sehr interessante Gedankenspielerei, dieses Szenario.

    Gefällt 4 Personen

  9. Christiane schreibt:

    Ja, könnte so geschehen. Wir wissen es nicht …
    Spannendes, aber nicht sonderlich erheiterndes Gedankenspiel.
    Liebe Grüße, schönen Sonntag dir
    Christiane 😁🐱☕🍩👍

    Gefällt 3 Personen

  10. Bedrückend…… und nicht besonders weit hergeholt ….

    Gefällt 3 Personen

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