Dagobert Kahn

» Dagobert Kahn wurde am 2. März 1888 als Sohn des Kaufmanns Jacob Kahn und seiner Frau Minna, geb. Meyer, in Neuwied geboren. Die Geburtsregister 1874 bis 1904 des Standesamts Neuwied weisen keine Geschwister aus. Die Familie lebte in Neuwied in der Mittelstraße 31 (heute: Mittelstraße 31).

Dagobert Kahn 1888 - 1944

Dagobert Kahn 1888 – 1944

Später wohnte Dagobert Kahn in Bremerhaven und Berlin-Schöneberg. Er war verheiratet mit Valy/Wally Clara, geborene Elbing, geboren am 23. Februar 1885 in Breslau.

Das Stadtarchiv Bremerhaven schreibt: „Sie können daraus ersehen, dass Dagobert Kahn ab dem 17.6.1916 in der zum Bremischen Staat gehörenden Stadt Bremerhaven (Gebiet der heutigen Stadtmitte) in wechselnden Wohnungen gewohnt hat. Am 27.9.1917 hat er sich nach Görlitz abgemeldet, von wo er am 2.1.1919 zusammen mit seiner Frau Wally, geb. Elbing wieder hier an die Unterweser nach Lehe (damals selbständiger preußischer Ort nördlich der Stadt Bremerhaven, heute ein Stadtteil von Bremerhaven) in die Hafenstraße 64/66 zurückkehrte.
Von dort zog er am 3.6.1921 in den benachbarten preußischen Ort Geestemünde (heute auch ein Stadtteil von Bremerhaven, südlich von Lehe) in die Straße „Am Deich“ 18 (heute: Bussestraße).
Am 30.4. 1930 meldete er sich von dort ins Bremische Bremerhaven in die Bürgermeister-Smidt-Straße 29 um. Von dort meldete er sich am 29.9.1939 für die Zeit bis zum 3./4. Oktober [1939] nach Berlin ab. Danach ist auf seiner Hausbogenkarte Bürgermeister-Smidt-Straße 29 vermerkt: Reise n[ach] unbek[annt].
Kinder sind auf den Meldekarte von Kahn keine eingetragen.
Als Beruf wird Geschäftsführer und Kaufmann genannt. Schon im Adressbuch von 1920 ist er unter Lehe eingetragen als Direktor und Geschäftsführer der Firma Sigmund & Levy & Co in Bremerhaven. Dabei handelt es sich um ein jüdisches Kaufhaus, das in der Bürgermeister-Smidt-Straße 20/22 lag. Erst im Adressbuch von 1928 steht unter dem Ort Westermünde (Zusammenschluss der beiden preußischen Städte Lehe und Geestemünde zu Westermünde Ende 1924) bei dem Namen Kahn, Dagobert folgender Zusatz eingetragen: Inhaber der Firma Sigmund Oß junior. Diese Firma war ein jüdisches Herrengarderobengeschäft in Bremerhaven in der Bürgermeister-Smidt-Straße 21. Nach dem Tode des Kaufmanns Sigmund Oß im Juni 1920 wurde diese Filiale erst als Kommanditgesellschaft von der Familie Oß weitergeführt, bevor dann Dagobert Kahn 1929 das Geschäft sowie auch das Haus insgesamt als Eigentümer (ab 29.4.1929 laut Hausbogenkartei) übernahm. Ab dem 1.3.1929 wurde er auch offiziell als Inhaber im Handelsregister geführt; im Gewerberegister ist er am 29.6.1929 eingetragen.“ [1]

Dagobert Kahn trat 1922 dem neu gegründeten Tierschutz Bremerhaven bei und unterstützte ihn finanziell. [2]

Am Abend des 9. November 1938 wurden einige jüdische Männer besonders brutal behandelt. Dazu gehörte auch Dagobert Kahn.

„Sie wurden von den SA-Terroristen verprügelt, im Keller der Kreisleitung eingesperrt oder wie Dagobert Kahn völlig blutig geschlagen auf der Polizeiwache in der Schifferstraße abgeliefert. Später kamen die Opfer des SA-Terrors in das Konzentrationslager Sachsenhausen, wo kurz darauf Dagobert Kahn ermordet wurde.“ [S. 171 – letzter Aussage muss widersprochen werden; siehe Gedenkbuch] [3]

Im Mitteilungsblatt der Männer vom Morgenstern, Heimatbund an Elb- und Wesermündung e.V., Niederdeutsches Heimatblatt, Oktober 1981, Nr. 383 heißt es:
Zu den Juden, die nicht nur beraubt, sondern auch geschlagen, gefoltert und in „Schutzhaft“ genommen, d.h. in ein Konzentrationslager gebracht wurden, und die von den „Wesermünder Neuesten Nachrichten“ offensichtlich nicht mehr zu den Menschen gezählt wurden, gehörte auch der Inhaber des Textielgeschäftes in der „Bürger“, Dagobert Kahn. Kahn hatte den besonderen Zorn der SA- und SS-Horden auf sich gezogen, weil er als hochdekorierter Frontkämpfer des ersten Weltkrieges und als Vorsitzender des Ortsvereins des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten nach 1933 gewagt hatte, ein Protesttelegramm an den damaligen Reichspräsidenten Hindenburg zu senden und es zusammen mit seinem Orden und Ehrenzeichen im Fenster seines Geschäftes öffentlich auszustellen. …“ [4]

Dagobert Kahn wurde bis zum 2. Dezember 1938 im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Er wurde am 17. März 1943 in das Ghetto Theresienstadt und von dort am 9. Oktober 1944 in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert und dort ermordet. Über das Schicksal seiner Frau ist nichts bekannt. «

»[…] Schuld die auch wir hätten begehen können […]«

Quelle & weitere/weiterführende Informationen => http://stolpersteine-neuwied.de/index.php?option=com_content&view=article&id=300:kahn-dagobert-2&catid=8&Itemid=119 [abgerufen am 2020-02-26]

Vergessen ist der Ausgangspunkt von Wiederholung.

Unless the world learns the lesson these cruel fates teach, night will fall.

Zeugnisse jüdischen Lebens und Leidens in Neuwied | Rolf Wüst, verantwortlich für das Projekt „Stolpersteine“ im Deutsch-Israelischen Freundeskreis Neuwied, hielt im voll besetzten „Café Auszeit“ der Marktkirchengemeinde einen Vortrag über „Zeugnisse jüdischen Lebens und Leidens in Neuwied“. In einer ausführlichen Einleitung untersuchte er das Verhältnis der Gesellschaft zum Judentum früher wie heute, das oftmals zwischen den Extremen Ablehnung und Hass einerseits und Idealisierung und übersteigerten Erwartungen andererseits oszilliert.
http://www.nr-kurier.de/artikel/66565-zeugnisse-juedischen-lebens-und-leidens-in-neuwied

Holocaust | Mehr als ein Trostpflaster | Über die Stolpersteine ging man irgendwann hinweg. Dann kam ein privates Forscherteam mit einem aufrüttelnden Buch.
http://www.zeit.de/2017/05/stolpersteine-forschung-nationalsozialismus-opfer-oswald-pander/komplettansicht

Stolpersteine gegen das Vergessen
Mehr als 5500 Stolpersteine erinnern in Hamburg an die Opfer des Holocaust. Mit selbstgemachten Schablonen und Kreidefarbe gibt die Schülerin Nele Borchert ihnen nun ein Gesicht.
2 min Datum: 25.01.2019
https://www.zdf.de/nachrichten/heute-plus/videos/stolpersteine-gegen-vergessen-100.html


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