Virologin über aktuelle Fallzahlen | Deutschlandfunk

» … Die Gefahr für den Einzelnen durch das Coronavirus ist offenbar geringer, als viele annehmen. Dass die Fallzahlen steigen, sei bei einer Epidemie normal, sagt die Virologin Melanie Brinkmann. Aber es sei wichtig, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten.
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Wir werden steigende Fallzahlen auch in Deutschland haben. Das wird so sein. … Man kann einfach sagen, es wird mehr sein am nächsten Tag. Das wird so sein.
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Da hilft es sehr, zu kommunizieren, dass jetzt im Moment die Gefahr für den Einzelnen sehr gering ist, also die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich jetzt, wenn ich einkaufen gehe oder ins Kino gehe, anstecke, ist im Moment noch sehr gering. Das muss man schon noch mal deutlich sagen.
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Karkowsky: Wie muss ich das zum Beispiel verstehen, wenn der Virologe Christian Drosten von der Berliner Charité sagt, es werden sich wahrscheinlich 60 bis 70 Prozent infizieren, aber wir wissen nicht, in welcher Zeit. Heißt das also wirklich, wir werden fast alle Coronavirus kriegen?

Brinkmann: Ja, das wird so sein. Das liegt einfach an der Natur der Sache. Das Virus ist relativ leicht zu übertragen und auch von Menschen, die sich im Moment vielleicht gar nicht krank fühlen und deshalb natürlich ihr Verhalten auch nicht ändern. Sie bleiben nicht zu Hause, sie gehen normal zur Arbeit, und dadurch verbreiten sie das Virus leider auch. …

Wir haben keinen Immunschutz gegen dieses Virus, und deshalb wird es sich weit ausbreiten in der Bevölkerung. Was jetzt ganz wichtig ist, ist, dass man diese Verbreitung so weit verlangsamt wie möglich, um Zeit zu gewinnen, um das Gesundheitssystem zu entlasten, dass es nicht überfordert ist. Deshalb finden jetzt Maßnahmen statt, wie verlangsame ich die Ausbreitung dieses Virus, und das muss man jetzt wirklich dann auch schauen und sich weiter informieren, was passiert gerade in meiner Umgebung, werden Veranstaltungen abgesagt, und dann muss man das im Moment, fürchte ich, leider so hinnehmen.
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Je weniger das Gesundheitssystem belastet ist, desto weniger Menschen werden auch sterben, weil wenn man sich gut um die Patienten kümmern kann. Deshalb ist es gerade so wichtig, dass man das jetzt verlangsamt, dass ich nicht zehn Leute in der Notaufnahme habe, die wirklich schwerkrank sind.

Man muss auch bedenken, viele Menschen sind überhaupt nicht krank. Auch die dürfen jetzt nicht erwarten, ich gehe jetzt in die Notaufnahme, ich habe leichte Symptome, ich möchte sofort getestet werden. Damit tun wir dem Gesundheitssystem nichts Gutes. Es ist gut, dann einfach zu Hause zu bleiben und nicht noch andere Menschen anzustecken. Das muss jetzt einsinken bei den Menschen. Ich habe leichte Symptome, ich bleibe einfach erst mal zu Hause.

Wenn die Atemnot dazukommt, dann ist es was anderes. Dann muss ich natürlich ärztlichen Rat aufsuchen, aber im Moment ist es wirklich wichtig, dass wir diesen Prozess verlangsamen der Ausbreitung. Ich werde es nicht aufhalten, dieses Virus ist nicht mehr aufzuhalten. Wir werden uns damit infizieren, aber es kommt jetzt ganz drauf an, in welcher Zeit. … «

Melanie Brinkmann im Gespräch mit Stephan Karkowsky
Deutschlandfunk – Interview
03.03.2020
„Coronavirus ist nicht mehr aufzuhalten“ – Virologin über aktuelle Fallzahlen
Hören: https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=813459
Lesen: https://www.deutschlandfunkkultur.de/virologin-ueber-aktuelle-fallzahlen-coronavirus-ist-nicht.1008.de.html?dram:article_id=471532


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2 Antworten zu Virologin über aktuelle Fallzahlen | Deutschlandfunk

  1. mikesch1234 schreibt:

    Da die Prognose ja lautet: das Corona-Virus wird uns noch 2,3 Jahre beschäftigen und dann wird ein Großteil der Bevölkerung die Krankheit irgendwie gehabt haben, bin ich inzwischen soweit, dass ich sie gerne ganz fix hätte, damit ich es hinter mir habe.

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    • Auch das ist eine Lösung. Doch „fix“ ist keine Alternative für Millionen, da sonst das Gesundheitssystem völlig überlastet wäre. Unser Gesundheitssystem ist nicht ausgelegt für die gleichzeitige Behandlung einer Masse von Kranken. Selbst bei einem milden Krankheitsverlauf wird Arbeitsunfähigkeit bestehen und wie sollen Ärzte (viele werden anfangs selbst krank und nicht im Dienst sein) Millionen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen fristgerecht ausstellen können. Wenn am vierten Tag der Arbeitsunfähigkeit dem Arbeitgeber die Bescheinigung nicht vorliegt, dann verliert der Arbeitnehmer seinen Anspruch auf Lohnfortzahlung/Krankengeld solange, bis er die Bescheinigung vorlegt. Und Folge-Bescheinigungen müssen dann auch ausgestellt werden. Selbst dieses banale administrative Problem zeigt, warum die Ansteckung der Bevölkerung nur nach und nach erfolgen darf. Schlimmer noch wären, bei einem gleichzeitigen Ausbruch, natürlich die Folgen unbehandelter Patienten aufgrund der Überlastung des Gesundheitssystems; es käme zu größerem Leiden und häufigerem Sterben. Und je weniger sich gleichzeitig anstecken und je länger es dauert, desto größer sind die Chancen für einen Impfstoff für bislang Nicht-Infizierte.
      Nach dieser Epidemie müssen wir uns darüber unterhalten, dass es wichtig ist, mehr Kapazitäten (Redundanz) im Gesundheitswesen für solche Epidemien oder Katastrophen vorzuhalten.
      Auch hier zeigt sich, das Gesundheitsvorsorge und Krankenversorgung nicht in private, gewinnorientierte Hände gehört, sondern in staatliche. Daseinsvorsorge und Daseinsfürsorge müssen hoheitliche Aufgaben sein (wohl wissend, dass es dann andere negative Auswirkungen gibt).

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