Jetzt auf einmal gehts.

Kein Auto mehr vor keiner Tür,
kein Billigflug nach Kairo mehr,
im Hauskeller kein Öltank schwer,
die Tiefkühlfächer bleiben leer.
Elektrotandem aufgepumpt im Flur
zur Stadtfahrt jederzeit abfahrbereit für alle stehts –
und jetzt auf einmal gehts.

Hamburg ist schon kaum mehr da,
Seeschwalbennist, wo Rostock war,
ganz Holland Windstromreservoir,
die einzige erlaubte vollverglaste Spielbank Deutschlands, ein Pfahlbau
auf den Landungsbrücken nördlich Preetz –
und jetzt auf einmal gehts.

Der Nahverkehr ein feines Netz,
Erdwärmetaxis, Selbstfahrjets,
Lieferverkehr auf Null gesetzt
durch Drohnen, und im Fernverkehr
Magnetbahnen zieh’n hin und her
aufs Pünktlichste.
Bei der Bundesbahn klappts nicht so ganz,
doch dafür ist sie jetzt umsonst.
Und alle ander’n Energien, die Pläne, Wege, ins Verhältnis und in Schwung gebracht,
ein Uhrwerk, gut durchdacht aufs Gründlichste.
Wer es erlebt hat, will es, will es mehr und mehr und immer und verstehts –
und auf einmal gehts.

Zuhaus sein ist in Mode sehr,
Mobilitätsrechte kriegt kaum noch wer,
Fernreisepunkte aussichtslos,
die Cleversten im Nichtstun groß,
als modest influencer lehr’n sie den Verzicht.
„Da, wo die großen Wasser drohen, da hört das Grundeinkommen auf und auch der Schutz des Einzelnen – willst du da wirklich hin?“ – „Na, so gesehen besser nicht…“
Erlebnishunger, Freiheit – unter’n Hammer einer klug verordnenden Vernunft geräts –
und auf einmal gehts.

Was ist mit denen, die einst sagten: Nie
wird’s mal so kommen? Klimaleugner nannt’ man sie:
In gut gesicherten geschloss’nen Räumen
sind sie bewacht und virtuell vernetzt mit ihren Lebens-Träumen,
gehen dort auf Kreuzfahrt, Raserei im SUV und Großwildsafari,
die Broder, Nuhr, von Storch und Martenstein, das Wirkliche zerschreddern sie,
schreiben ihre alten Glossen heiter in die alten Laptops rein,
im darknet jetzt, nur Leser werden da weiter keine sein.
„Desinformation fällt aus“, im neuen Sozialumbauleitgesetz, da stehts –
und auf einmal gehts.
Wer redet da von Zensur? Die Vernunft setzt sich durch.

Die Pole schmelzen, Menschengeist biegsam und willig,
die Meere steigen, doch das Fleisch bleibt seltsam billig.
Konzerne liefern aus der Ferne sehr viel schmuddelig Altes,
modernen Menschen fragwürdig, doch Heimatchöre singen: Gott erhalt es.
Ahnungen aus den Ritzen in Grenzmauern,
die fremde Art zu leben dort, wo Massen in Gluthitze kauern,
das woll’n wir nicht berühren, die Außenwelt ist kompliziert,
die Grenze hält, es reicht, dass unsereins trotz Klimawandel manchmal friert
vor Schreck. Die Küste schon verlor’n, das Ruder rumgerissen,
woll’n wir die Sorge um das eigne Wohl schließlich nicht gänzlich missen.
Man denkt ans Große Ganze, man verzweifelt daran oder man verräts –
und dann auf einmal gehts. Dann auf einmal gehts –
die paar Tage noch.


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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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