Legt die Stifte nieder. Geht nach Hause. Das ist eine Once-in-a-lifetime-Situation. Alles, was nicht lebensnotwendig ist, darf zum Erliegen kommen.

Ich lese überall, dass es Familien am härtesten trifft. Und Künstler, Freischaffende, alle, die aufgrund der Krise kein Geld verdienen können. Sie klagen: Erst das Klopapier und nun auch noch die Spielplätze, die Bars und Bordelle. Sie nehmen uns die Butter vom Brot.

Und ich denke immerzu: natürlich ist das alles ziemlich blöd und manche trifft es weit härter als andere, aber es ist das einzig Richtige. Am besten wäre eine Ausgangssperre. Sonst machen die Leute immer weiter wie gehabt, rennen in Cafés, tummeln sich in Kaufhäusern, nutzen jeden Zipfel Freiheit und beschwichtigen sich gegenseitig mit Grippevergleichen, wiegeln ab, reden von Diktatur und Übertreibung.

Dabei ist das doch der Augenblick, um geistig näher zusammen zu rücken, sich verantwortlich für andere zu fühlen, sich mal eben zu verabschieden vom ewigen Höher, Schneller, Weiter, Besser und kurz inne zu halten, dankbar dafür zu sein, dass es uns einigermaßen gut geht, dass wir helfen können, indem wir zuhause bleiben, Bücher lesen, Hörspiele hören, kostenlos Konzerte streamen, dem alten Nachbarn etwas aus dem Supermarkt mitbringen und Zeit mit unseren Liebsten verbringen. Etwas, das im Alltag eh immer zu kurz kommt. Es ist die beste Zeit zu fragen: Wie gehts dir eigentlich? Hast du Angst? Was brauchst du jetzt? Es ist die Gelegenheit, das Wohnzimmer zu einem Parcours umzubauen, Legostädte zu errichten, Höhlen zu bauen, sich Geschichten auszudenken und ungestört aus dem Fenster zu schauen und zu denken: Was für ein Glück, dass ich demnächst nicht darüber entscheiden muss, wer an eines der wenigen Beatmungsgeräte angeschlossen werden soll.

Und während ich diese seltsame Stille so gut es geht genieße, höre ich von Arbeitgebern, die ihre Angestellten ins Büro oder sonstwohin zitieren, obwohl die nicht wissen, was sie mit ihren Kindern machen sollen und sie notdürftig hin und herschieben, weil sie sich nicht trauen, sich krank zu melden. Weil alles so weitergehen soll, wie bisher. Die Räder sollen laufen, die Aktien sollen am freien Fall gehindert werden, eine Notbremsung ist einfach nicht vorgesehen in diesen Köpfen, in denen es nur eine Richtung gibt. Und ich möchte ihnen sagen: Legt die Stifte nieder. Geht nach Hause. Das ist eine Once-in-a-lifetime-Situation. Alles, was nicht lebensnotwendig ist, darf zum Erliegen kommen.

Stillstand tut nicht weh. Stillstand rettet Leben.

Susanne Wawer, 17.03.2020 15:56 Uhr, https://www.facebook.com/wasunsausmacht/posts/2901544126551252


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7 Antworten zu Legt die Stifte nieder. Geht nach Hause. Das ist eine Once-in-a-lifetime-Situation. Alles, was nicht lebensnotwendig ist, darf zum Erliegen kommen.

  1. Yvonne schreibt:

    Ja es wird immer schwieriger werden auf dem Arbeitsmarkt und genau darum ist es jetzt auch die beste Zeit mit was Neuem anzufangen sich was aufzubauen was immer funktioniert egal was da draußen passiert da man auf keinen Ort angewiesen ist man braucht nur einen Laptop und eine Internetverbindung 😉

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  2. Patrick Isso schreibt:

    Und was mache ich als Arbeitgeber? Zahle die Fixkosten und Gehälter weiter, während wir uns im Privaten auf „uns“ besinnen?
    Ich ernähre einige Familien und habe das hart aufgebaut.
    Die Seite sollten wir bei unseren Überlegungen nicht außer Acht lassen . Ich brauche Arbeitskräfte um diese zu bezahlen…
    Dass ich netterweise Kredite aufnehmen darf (anstelle Förderungen) finde ich schwierig. Ich bleibe dann auf den Schulden sitzen…
    Keine Arbeitskräfte, kein Klopapier ;-)

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    • kolumnalpolitik schreibt:

      Also ist, kurz gesagt, deine Firma wichtiger als Menschenleben? So verstehe ich das, und das verstehe ich nicht.

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      • Patrick Isso schreibt:

        Blablabla – Glaub mir, es geht darum, dass die Mitarbeiter wenn sie aus dem Homeoffice irgendwann zurückkehren noch eine Firma vorfinden.
        In diesen Zeiten sollte man auch mal über den eigenen Tellerrand hinausdenken.
        Ich bin für die Ernährung der Familien meiner Leute vernawortlich – das nehme ich ernst!

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    • Mir hat eine Erzieherin einer KiTa gestern erzählt, dass sie nur die Stunden bezahlt bekommen, die sie jetzt tatsächlich arbeiten. Alternativ können sie ein bestimmtes Kontingent an Minus-Stunden aufbauen, das nach der Krise wieder aufgefüllt werden muss. Wenn das Minus-Stunden-Kontingent erschöpft ist, müssen sie unbezahlten Urlaub nehmen. Fazit: Es gibt auch ArbeitnehmerInnen in Deutschland (die Rahmenbedingungen kenne ich nicht), die jetzt Einnahmeverluste hinnehmen (müssen). Wenn sie zeitnah erkranken, dürfte sich auch die Lohnfortzahlung reduzieren und infolge auch das Krankengeld und für die spätere Rente werden weniger Beiträge eingezahlt.

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      • Patrick Isso schreibt:

        Ja, es gibt Stunden, (inoffiziel) die man „später“ nacharbeitet, Kurzarbeit etc. Ider die Mitarbeiter, die ihren Arbeitsplatz erhalten möchten, sollten anbieten Urlaub zu nehmen ( ggf 2 Wochen nehmen, 3 bekommen oder so)

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    • Vermutlich wird danach (fast) nichts mehr so sein wie vorher.

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