– XXV.III.MMXX –

Tag 8 im ununterbrochenen Corona-Homeoffice. Noch nie gab es so wenige E-Mails wie zurzeit.

Für meinen heutigen 10-km-Lauf suchte ich mir eine andere Strecke, da die übliche Strecke momentan durch Spaziergänger verstopft ist. Ich mag nicht ein Drittel der Strecke auf der Straße laufen.
Sonst begegne ich immer nur mal einzelnen Spaziergängern. Noch nie in den letzten dreieinhalb Jahren waren so viele Menschen spazierend unterwergs wie in diesen unsicheren Zeiten.
Waren es zu Beginn der lockeren Ausgangsbeschränkungen meistens Einzelpersonen, die spazieren gingen, gehen sie seit Montag, seit den einengenderen Ausgangsbeschränkungen, zu neunzig Prozent zu zweit; da haben sie die Kanzlerin und die Ministerpräsidentin wohl falsch interpretiert.
Die Spaziergänger denken nicht daran, Entgegenkommenden mit einem Mindestabstand zu begegnen; so laufen sie in achtzig Zentimeter Nähe aneinander vorbei. Überholende und entgegenkommende Fahrradfahrer klingeln nicht und halten auch keinen Abstand. Das Überleben des Virus ist also gesichert.

Um den Kontrollen in der Stadt zu entgehen, trifft man sich jetzt am etwas außerhalb gelegenen Baggersee-Gelände. Die Straße ist mit Autos zugeparkt; wie gesagt, das Überleben des Virus ist gesichert.

Ich werde wohl zukünftig zu einer Uhrzeit laufen müssen, zu der die Spaziergänger noch im Bett oder am Frühstückstisch sitzen.

Auf den auffällig leeren innerstädtischen Straßen wird jetzt gerast mit siebzig Kilometern in der Stunde aufwärts. Trotz meines ausgestreckten Armes schaffen es manche Autofahrer bei den Geschwindigkeiten nicht mehr, vor dem Zebrastreifen anzuhalten.

Wie sie heute scheinheilig im Bundestag saßen, standen und redeten. Oftmals doch nicht den Mindestabstand einhaltend. Wie sie heute das Hohelied auf die singen, denen sie seit Jahrzehnten die (materielle) Anerkennung verweigern.

Schade, dass die AfD als einzige Fraktion ihrer Rolle als Opposition gerecht wurde und die Scheinheiligen darauf aufmerksam machte, dass dem ach so Hohen Haus bereits 2013 eine Risikoanalyse (Bundestags-Drucksache 17/12051 im Auftrag der Bundesregierung unter Beteiligung des RKI) vorgelegt wurde, die eine Pandemie mit einem Coronavirus theoretisch durchspielte; das Hohe Haus wollte sie nicht zur Kenntnis nehmen (Plenarprotokoll 17/247).
Heute ist dann der Praxistest. Die Praxis sieht der Theorie sehr ähnlich. Scheinbar hatte man im Hohen Haus und in der Regierung in den vergangenen sieben Jahren wichtigeres zu tun, als die notwendigen Schlüsse aus der Analyse zu ziehen.

Ja, mittlerweile brauchen wir die AfD, um auf solche politischen Skandale aufmerksam zu machen. Früher leisteten das die Journalisten und eine wählbare Opposition.

Drostens Interview im stern gelesen. Ich interpretiere ihn so, dass es erst im Mai/Juni so richtig heftig wird. Ob man es bis dahin schafft, die Intensiv-(Beatmungs-)Plätze zu verdoppeln? Gut dass das RKI heute ethische Entscheidungshilfen für Ärzte veröffentlichte, wer zuerst behandelt bzw. zu erst sterben darf. Und unverantwortliche Ministerpräsidenten wie Weil denken schon mal laut über Lockerungen der Ausgangsbeschränkungen nach.

Warum wird das Schuljahr 2019/2020 nicht einfach wiederholt und 2020 nur die Hälfte der Schulanfänger eingeschult?


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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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8 Antworten zu – XXV.III.MMXX –

  1. Pingback: Bernd brabbelt VI | XXX.III.MMXX | Red Skies over Paradise

  2. nandalya schreibt:

    Das RKI verfälscht seit gestern die Zahlen, da es offensichtlich nicht genug „Corona-Tote“ gegeben hat und die Zahl der Influenza-Toten sehr viel höher liegt. Das Trauerspiel der deutschen Regierung, der ich erneutes und totales Versagen bescheinige, sollte eigentlich von der Presse aufgegriffen werden. Dumm nur, dass es keine wirkliche freie Presse gibt in Deutschland und vielleicht auch bald keine Freiheit mehr, um einen 10-km-Lauf zu machen.

    Gefällt 1 Person

    • Vor wenigen Jahren gab es eine Influenza-Saison mit 20.000 Toten in Deutschland. So weit ist Corona noch nicht. Hat ja noch etwas Zeit.
      Was sich zeigt, ist, dass wir Influenza immer verharmlost haben.
      Wenn wir jetzt Tote haben, wenn wir jetzt eine schnelle Verbreitung haben, wenn wir jetzt Menschen ohne Immunisierung bzw. Impfschutz haben, sind die Maßnahmen dann nicht verhältnismäßig?

      Ja, das was sich Regierung nennt, gibt zur Trauer Anlass. Die haben sich aber nicht selbst ermächtigt. Die werden alle vier Jahre brav gewählt.
      Ja, die hauptsächlich wahrgenommene Presse kommt über eine Hofberichterstattung nicht hinaus.
      Sollte ich keinen 10-km-Lauf mehr machen können, mache ich halt Liegestützen.
      Mir ist schon bewusst, dass wir seit langem in einer Schein-Demokratie leben und nur Schein-Freiheiten genießen.

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      • nandalya schreibt:

        Stell dir folgende Frage: Was wäre passiert, wenn man in China und auf der Welt, die an „Grippe“ Erkrankten nicht getestet hätte? Richtig, die wären dann an einer Grippe oder Lungenentzündung oder … gestorben. Hör auf zu testen und gibt auch keine Pandemie. Die wem zur Zeit nützt? Die Antwort darauf ist wesentlich spannender.

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  3. Werner Kastens schreibt:

    Demokratie ist per se zum Reagieren, Nacheilen verurteilt, nicht zum Vorauseilen oder um Paradigmawechsel zu schaffen.

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  4. sori1982 schreibt:

    Auch Home Office. Einmal in der Woche gehe ich zu Fuß zum eigentlichen Office und auch wieder zu Fuß retour. Die Bewegung tut mir gut, aber es ist kein Spaziergang. Ich höre nicht einmal Musik auf dem Rückweg, so wie ich es bisher eigentlich immer tat. Ich stehe unter ständiger Anspannung, ich achte mehr auf den Verkehr, obwohl wenigere Autos fahren. Ich weiche ständig den Ignoranten aus, die nicht einmal den in Österreich vorgeschriebenen Sicherheitsabstand von einem Meter einhalten können.

    Richten wir uns auf eine längere Zeit ein…

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    • Ja, diese Zeit macht aufmerksamer (auch achtsamer?). Hätte ich mein Laufen nicht, so würde ich sicherlich jeden Tag eine Stunde spazieren gehen; doch auch hier abseits der Ignoraten/Realitätsverweigerer, am liebsten den anbrechenden Tag erlebend. Ja, richten wir uns ein.

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