– VII.IV.MMXX –

Siebzehnter Tag im ununterbrochenen Homeoffice.


»Für die Politologin Ulrike Guérot zeigt sich in der Wahrnehmung der Freiheitsbeschränkungen durch die Coronakrise eine soziale Spaltung. Es sei etwas völlig anderes, ob man diese in einer großen Altbauwohnung erlebe oder in prekären, beengten Verhältnissen.«

»Was ist mit einer alleinerziehenden Mutter, die keinen Computer hat, auf dem die Kinder ihre Schulaufgaben machen können? Oder mit einer Frau, die von ihrem Mann misshandelt wird –  in der jetzigen Situation erst recht, die aber nicht einmal mehr raus könne […] Ulrike Guérot […] sieht in der Wahrnehmung der Coronakrise und ihrer Folgen eine soziale Spaltung am Werk, die man in der Debatte berücksichtigen sollte.  |  Sie komme selbst aus einer bildungsfernen Familie und habe sehr viele Cousins und Kusinen, die keine Akademiker seien. „Und ich sehe, wenn ich mit denen telefoniere, ein ganz großes Unverständnis, wenn da jetzt eine Kinderkommunion nicht stattfinden kann“, sagt Guérot. Oder das Beispiel einer Kusine, die in einem Altersheim gearbeitet habe. Diese habe ihr erzählt, dass im letzten Jahr in ihrem Altersheim 15 Prozent der Bewohner am Norovirus gestorben seien, ohne dass das überhaupt ein Thema gewesen sei.  |  Inzwischen werde aber durchaus auch über die Kollateralschäden diskutiert, die die Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie  mit sich bringen. Nicht nur über häusliche Gewalt: „Da kommen die Suizidraten in den Blick, da kommen die Erwerbslosen, die jetzt tatsächlich schon um ihre Existenz bangen.“«

Ulrike Guérot, Gesa Ufer  |  Deutschlandfunk Kultur  |  06.04.2020  |  Soziale Spaltung in der Coronakrise: „Ich sehe bei ‚einfachen‘ Leuten ein großes Unverständnis“  |  Hören :: Lesen


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»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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3 Antworten zu – VII.IV.MMXX –

  1. Auch dieser Blickwinkel ist durchaus bedenkenswert. Was mich stört darin, sind zwei Dinge. 1.Unverständnis aus Unwissen hat nichts damit zu tun, ob jemand Akademiker ist oder nicht. 2.Nicht jeder Studierte ist Akademiker. Ich als Lehrerin würde mich nicht als Akademikerin bezeichnen. Für mich wäre das Hochstapelei.
    Und ich kenne viele Studierte, die einen sehr, sehr eingeschränkten Horizont haben bei allem, was über ihr Wissensgebiet hinausgeht. Dementgegen kenne ich einfache Leute, Handwerker, die richtig klug sind und Weitblick haben.

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  2. windsucher schreibt:

    grundsätzlich kann ich das Problem verstehen, sehe aber gerade diese Art der Diskussion als falsch an, da nicht die Situation an sich das Problem ist, sondern der Umgang damit..und das beginnt lange vor dem Kontaktverbot…es gibt Situationen da muss man alles Eingefahrene verlassen und einen Weg finden…auch ein jetzt zurück zu den gewohnten Abläufen gehen würde erhebliche vermeidbare Kollateralschäden verursachen ..es gibt die eine richtige Entscheidung nicht, schon gar nicht jetzt schnell getroffen …irgendeiner wird immer verlieren…. hoffe ich wäre vielleicht ein weniger negativer O-Ton in allem ..nirgendwo hört man dass es vielen Menschen gut geht und sie nicht mit dem Tode ringen eben weil es so geregelt ist…

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  3. gkazakou schreibt:

    ja, es ist wichtig, auf diese Aspekte (auch ich benannte sie bereits mit dem unmenschlichen Begriff „Kollateralschäden“) sehr deutlich hinzuweisen. Die Vorstellung , dass die Beschränkungen „bis auf weiteres“ ausgedehnt weren, ist für Menschen in Bedrängnis nicht auszuhalten. Sie ist zerstörerisch, sie verkrüppelt die Kinder, gefährdet die Frauen und vernichtet Menschenleben. Ich persönlich kann es aushalten, zwar nicht gern, aber es geht. Das aber gilt nicht für Menschen, die in prekären Verhältnissen leben, und überhaupt nicht für Kinder jeden Alters, die unbedingt mit Gleichaltrigen spielen müssen. Liebe Grüße!

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