„wenn wir jetzt wieder zum exponentiellen Wachstum zurückkehren würden, dann stünden wir nach sehr kurzer Zeit genau da, wo wir vor Wochen gestanden haben, dann hätten wir mit sehr viel Geld nichts erreicht.“

» […] wir haben gestern schon beobachtet, dass die Menschen unvorsichtiger geworden sind. Darüber hinaus sind viele jetzt schon dabei, neue Forderungen zu stellen, anstatt, dass man abwartet, ob die Lockerungen, die wir jetzt gemacht haben, ob wir die leisten können oder ob die schon zu weit gehen, wird schon nach neuen Lockerungen gerufen. Somit bin ich insgesamt sehr pessimistisch, ich hätte selbst sogar die Lockerungen, die wir jetzt gemacht haben, noch nicht beschlossen, ich hätte versucht, länger durchzuhalten, um die Zahl der neuen Fälle soweit herunterzudrücken, dass man jeden neuen Fall neu verfolgen kann, so ähnlich, wie man das in Südkorea gemacht hat […] wir [haben] das früh gelockert, wir haben alles auf Kante genäht, es darf nicht zu neuen Fällen kommen, man ist sonst sehr schnell wieder beim exponentiellen Wachstum, dann müssten schon wieder die Lockerungen, die man beschlossen hat, zurückgenommen werden.
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man hätte sagen müssen, wir haben bisher noch nichts erreicht. Was uns gelungen ist, wir haben diese schnelle, extrem gefährliche Ausbreitung der Epidemie in den Griff bekommen, aber es ist nicht zu einer Immunität in der Bevölkerung gekommen, das heißt, nach wie vor ist es so, dass über 98 Prozent der Menschen es noch vor sich haben. Und wenn wir jetzt wieder zum exponentiellen Wachstum zurückkehren würden, dann stünden wir nach sehr kurzer Zeit genau da, wo wir vor Wochen gestanden haben, dann hätten wir mit sehr viel Geld nichts erreicht.
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die Bürger […] leben […] vom Wunschdenken. […] Wir müssen aber kommunizieren, dass es sehr lange dauern kann. Die neueren Studien von der Harvard-Universität, das tut mir fast weh, das sagen zu müssen, das sagt niemand von uns gerne, aber die gehen sogar davon aus, dass es sein kann, dass wir bis 2022 gegen diese Pandemie kämpfen müssen. Ein Impfstoff ist keineswegs sicher, wenn er kommt, wahrscheinlich in der späteren Hälfte des nächsten Jahres, in diesem Jahr wird er auf keinen Fall kommen. Ich glaube, wir müssen das ganz ehrlich kommunizieren
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ich halte jetzt den Ruf nach noch weiteren Lockerungen, den halte ich für völlig falsch, egal, von wem er kommt. Ich halte auch nicht für richtig, dass wir so viele Maßnahmen beschlossen haben mit Ausnahmen und nicht bundeseinheitlich. […] Auch die Diskussion jetzt um die Gastronomie und viele andere Bereiche, das ist alles jetzt überhaupt nicht hilfreich.
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Vor wenigen Tagen ist eine Vorveröffentlichung gekommen, […] die zeigt, dass sich also in Restaurants auch über den Air Conditioner in China offenbar die Erkrankung ausgebreitet hat, die Infektion ausgebreitet hat. Und wir wissen, dass Geschäfte ein Risikofaktor sind, aber dass die Gastronomie ein viel größerer Risikofaktor ist.
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Der normale Mundschutz, den man sich selbst bastelt, der bringt auch wahrscheinlich etwas bei Sprechen, weil wir immer klarer sehen, dass beim Sprechen die Übertragung des Virus auch möglich ist, zuerst hat man gedacht, das wären nur Tröpfchen, die typischerweise beim Niesen oder Husten entstehen, jetzt wissen wir, dass das ganz gewöhnliche Sprechen auch ein Risikofaktor ist, da hilft der selbstgebastelter Mundschutz. […] Der selbstgemachte Mundschutz ist nicht immer perfekt, aber wenn gut erklärt ist, wie man ihn trägt, dann hilft er mehr, als dass er schadet. Wenn man ihn falsch verwendet, ist es umgekehrt. Das kann man jetzt erlernen
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muss man den Abstand halten und den Mundschutz tragen. Das ist die schlechte Nachricht, dass der Abstand alleine nicht reicht, sondern dass zusätzlich noch der Mundschutz auch noch getragen werden müsste. Wenn man den Eindruck erweckt, dass der Mundschutz die Abstandsregelungen ersetzt beziehungsweise beim Abstand mehr Möglichkeiten gibt, dann ist das schlicht falsch. […] Wir brauchen Abstand plus Mundschutz. […] «

Karl Lauterbach (Mediziner, Gesundheitswissenschaftler, Politiker, Mitglied des Deutschen Bundestages), Ann-Kathrin Büüsker | Deutschlandfunk | 21.04.2020 | Diskussion über Corona-Maßnahmen: „Ruf nach weiteren Lockerungen halte ich für völlig falsch“ | Hören: https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=825709 :: Lesen: https://www.deutschlandfunk.de/diskussion-ueber-corona-massnahmen-ruf-nach-weiteren.694.de.html?dram:article_id=475083


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Eine Antwort zu „wenn wir jetzt wieder zum exponentiellen Wachstum zurückkehren würden, dann stünden wir nach sehr kurzer Zeit genau da, wo wir vor Wochen gestanden haben, dann hätten wir mit sehr viel Geld nichts erreicht.“

  1. Ulli schreibt:

    Wenn ich sehe wie es in den Geschäften und auf den Bürgersteigen in den Städten zugeht, dann kann von Abstand keine Rede sein, so sehr man sich selbst auch bemüht. Es erinnernt mich an Autobahnfahrten, man selbst hält den Abstand ein und dann kommen von hinten die Drängler und quetschen sich rein, das ist in den Supermärkten nicht anders, nur an den Kassen nicht, weil es dort ja Abstandslinien gibt … gesunder Menschenverstand?
    Trotzdem herzliche Grüße an dich
    Ulli

    Gefällt 3 Personen

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