» […] *Der immer wieder bemühte Vergleich zur Grippe*
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Allein dadurch [Immunität großer Teilde der Bevölkerung] kann sich dieses Virus – und damit die Erkrankung – nicht so schnell ausbreiten wie ein völlig neues Virus. Hinzu kommt, dass man bei der Grippe eine Impfung (die jetzt gebräuchliche 4-fach Impfung ist recht effektiv) und Medikamente hat.
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Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch, beträgt Stunden bis wenige Tage und die Erkrankung beginnt heftig mit starken Krankheitssymptomen und hohem Fieber. Jemand mit Grippe läuft nicht mehr draußen rum und steckt dort andere Menschen an. Der legt sich ins Bett und betreibt so automatisch “social distancing”. […] [Es gibt also [bei Sars-Cov2] einen viel größeren Zeitraum als bei der Grippe, in dem man andere anstecken kann.]
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*Was wissen wir von Sars-Cov2 (Covid-19)?*
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Es gibt keine Immunität in der Bevölkerung. […] Die Zeit von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung beträgt 5-14 Tage und die Erkrankung beginnt in der ersten Woche erstmal bei den meisten wie eine Erkältung.
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dieses Virus [kann sich] viel schneller ausbreiten als die Grippe […] Die Sterblichkeit bei Covid-19 ist noch gar nicht bekannt. […] Wirklich repräsentative Studien hierzu gibt es noch gar nicht.
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Die heutigen Sterbeziffern beruhen also auf den Infektionszahlen von vor 3 Wochen. Vor 3 Wochen gab es rund 70.000 nachgewiesene Infektionen und nicht 150.000 wie heute.
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Wir wissen inzwischen in jedem Fall, dass der wichtigste Übertragungsweg für dieses Virus die Tröpfcheninfektion ist. Also der Kontakt der Schleimhäute von Mund, Nase und Augen mit Tröpfchen, die Mund und Nase eines Infizierten beim Atmen, Sprechen, Husten und Niesen verlassen. […] will man Tröpfcheninfektion vermeiden […] sind 2 Meter [Abstand] [besser].
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*Übertragungsrate und das ominöse R*
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“R” steht für Reproduktionszahl. Das bedeutet, wie viele Menschen steckt ein*e Infizierte*r an. […] man [arbeitet] mit einem Näherungswert, der sich aus den definitiv positiv getesteten Menschen ergibt.
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Die mittlere Verweildauer auf der Intensivstation bei Covid-19 sind nach heutigem Wissensstand ca. 18 Tage. Also muss die Verdopplungzahl (der Zeitraum, in dem sich die Zahl der Infizierten verdoppelt) größer sein als 18 Tage. In Deutschland ist sie das erst seit dem Osterwochenende. Mitte März lag diese übrigens noch bei etwa 3 Tagen. Man sieht also sehr deutlich den positiven Effekt des Lockdowns.
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*Herden-Immunität*
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es [gibt] so viele unbekannte Faktoren bei diesem neuen Virus, dass man die Verbreitung gar nicht so genau steuern kann. Für Herdenimmunität benötigen wir ca. 50.000.000 Menschen in Deutschland, die infiziert wurden. Selbst mit der sehr niedrigen Sterblichkeit aus der Studie in Gangelt von 0,37 % bedeutet das: 185.000 Tote. Nach jetzigem Wissensstand benötigen ca. 5 % der Infizierten intensivmedizinische Behandlung. Das wären 2.500.000 Menschen.

Wenn wir alle optimal versorgen wollen, stehen allein für Covid-19 ca. 20.000 Intensivbetten zur Verfügung (denn der Rest wird für andere Erkrankungen benötigt). Es dürfen von den 2,5 Millionen also nur jeweils 20.000 gleichzeitig intensivmedizinische Hilfe benötigen. Bei einer Dauer auf der Intensivstation von 18 Tagen, dürfen also nur alle 18 Tagen 20.000 neue dazu kommen. 2.500.000 ÷ 20.000= 125

18 Tage x 125= 2250 Tage. Also über 6 Jahre. Und während dieser gesamten 6 Jahre müssten wir immer darauf achten, durch geeignete Maßnahmen, die Infektionsrate nicht unkontrolliert in die Höhe schnellen zu lassen.
Hinzu kommt noch, dass überhaupt noch nicht sicher ist, ob sich nach durchgemachter Infektion eine bleibende Immunität einstellt. Auch kennen wir die Langzeitfolgen schwerer Krankheitsverläufe noch nicht. Es gibt Berichte über bleibende Lungenschäden, neurologische Ausfälle etc.
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*Warum isolieren wir nicht alle Alten und alle Menschen mit Vorerkrankungen?*
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ein Großteil der Risikogruppe im mittleren Alter [gehört] zu den Leistungsträgern der Gesellschaft […]. Und den ethischen Fragen bezüglich der dauerhaften Kasernierung eines Teils der Bevölkerung einfach aufgrund ihres Alters, ihrer Vorerkrankung oder Behinderung.

Auch ist es mitnichten so, dass die Folgen eines überlasteten Gesundheitssystems nur Risikogruppen betreffen würden. Wenn alle Intensivbetten belegt wären, wäre dort auch kein Platz mehr für Unfallopfer und andere.
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*Warum gibt es von den Wissenschaftler*innen so viele sich (anscheinend) widersprechende Aussagen?*
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Aussagekräftige Studien benötigen viel Zeit. […] Erst wenn eine Studie das [Abhandlung schreiben, Peer-Review] bestanden hat, wird sie in einem Fachmagazin veröffentlicht und auf Kongressen vorgestellt. Diese Diskussion findet zur Zeit (leider) in der Öffentlichkeit statt, was für viel Verwirrung sorgt.
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Erst in einer Studie, in der eine genügend große Gruppe mit Medikament verglichen wird mit einer Gruppe, die nur Placebo erhält, kann man beurteilen, ob das ein Effekt des Medikaments ist oder ein spontaner Behandlungsverlauf. Solche Studien sind zur Zeit noch gar nicht abgeschlossen. Können sie auch gar nicht, weil man dafür Zeit benötigt.
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Kompliziert wird das Ganze noch durch Menschen, die sich jetzt teilweise zum “Experten” hochspielen. Z. B. Finanzexpert*innen ohne jeglichen medizinisch-naturwissenschaftlichen Hintergrund oder Ärzt*innen, die sich plötzlich “Epidemolog*in” nennen, obwohl sie schon lange aus dem Berufsleben ausgeschieden sind und nie selbst in Sachen Epidemiologie geforscht haben. Und natürlich die Politik, die unter dem Druck, die richtige Entscheidung treffen zu müssen, nun ihrerseits Druck auf die Wissenschaftler*innen ausübt.
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*Wie geht es weiter?*
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Händehygiene und Maske tragen sind Dinge, an die man sich schnell gewöhnt und die einen kaum einschränken. 1,5-2 Meter Abstand halten ist lästig, aber in den meisten Bereichen durchaus möglich. Selbst beim Grillen mit den Nachbar*innen. Allein schon durch diese Maßnahmen lässt sich die Verbreitung eines Virus, das vor allem durch Tröpfchen verbreitet wird, deutlich verlangsamen. Wichtig dabei ist, dass alle 3 (!) Verhaltensweisen kombiniert werden.
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Beim Lockern der Maßnahmen wird es wichtig sein, dieses schrittweise zu tun. Sonst weiß man hinterher nicht, wenn die Infektionszahlen wieder ansteigen sollten, welche der 5 aufgehobenen Maßnahmen darauf den größten Einfluss hatte. Das fordert erstmal Geduld, macht sich aber später bezahlt, weil man so später sehr zielgerichtet einzelne Maßnahmen einsetzen könnte bei steigenden Infektionszahlen und einen Lockdown vermeiden. […] «

Katharina Noord*, Ärztin [Name von der Redaktion geändert, sie möchte anonym bleiben] | Volksverpetzer | 23.04.2020 | Grippe, Herdenimmunität? Eine Ärztin erklärt 7 Fakten, die ihr über Corona wissen müsst: Corona und die Diskussionen darüber | https://www.volksverpetzer.de/gesundheit/7-fakten-corona/


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