„Landregen wäre die große Lösung, die aber erst mal nicht in Sicht ist.“ | „[wir] bräuchten jetzt über mehrere Monate überdurchschnittlichen Niederschlag“

» […] Omega-Wetterlagen, wo dann wirklich das Hochdruckgebiet an der Stelle bleibt. Insgesamt durch den Klimawandel neigen wir jetzt schon zu diesen länger anhaltenden Wetterlagen. […] Jetstream, das ist ein starkes Windband in der Höhe, das macht hier in Mitteleuropa quasi unser Wetter.

Und wenn dieser Jetstream ein bisschen langsamer wird, was jetzt wahrscheinlich durch den Klimawandel der Fall ist, […] weil die Temperaturunterschiede zwischen dem Nordpol und dem Äquator nicht mehr so hoch sind. Weil am Nordpol ist der Klimawandel ein bisschen schneller, somit wird es hier schneller warm. Und durch diesen langsameren Jetstream fahren sich die Wetterlagen bei uns ein.
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Es wird wärmer durch den Klimawandel, und durch diese Wärme werden auch bestimmte Wetterlagen anders, als wir das zum Beispiel vor 30 Jahren hatten. Und somit, ja, es scheint so, wir müssen uns daran gewöhnen, dass wir einfach längere, stabilere Wetterlagen haben, mal halt Dürre, mal halt aber auch durchweg wechselhaftes Wetter. Das heißt jetzt nicht, dass es nur wärmer wird und immer nur trockener, sondern es kann auch eine Phase wie zum Beispiel Februar, Anfang März geben, wo es einfach viel regnet, viel Wind gibt.
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Leider der Landregen, den sich vor allem auch die Bauern wünschen, der ist erst mal nicht in Sicht.
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Allerdings jetzt sind die Böden schon wieder bis in tiefere Lagen, bis in tiefere Schichten sehr, sehr trocken, die Flüsse führen wenig Wasser, die Waldbrandgefahr ist wie gesagt sehr, sehr hoch.
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Das müsste natürlich wirklich dieser Landregen sein, das heißt einfach langsamer, permanenter Regen, der über Stunden hinweg fällt, dann könnte der Boden das ganz gut aufnehmen
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Landregen wäre die große Lösung, die aber erst mal nicht in Sicht ist.
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Die Natur ist, man glaubt es kaum, wirklich sehr, sehr zäh. Viel wird schon noch ausgeglichen werden können, wenn es dann mal irgendwann regnet und nicht wie letzten Sommer wirklich wochen- bis monatelang gar nicht regnet. Meist schafft die Natur eine ganze Menge, wir unterschätzen die, glaube ich, sehr viel. […] «

» […] Die Dürre muss über einen längeren Zeitraum wirken, um zu großen Schäden zu führen.
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Gerade für die Landwirtschaft und die Vegetationsperiode kann man Anfang 2020 noch nicht sagen, dass es unbedingt ein sehr schlimmes Jahr wird. Die Situation ist alles andere als optimal jetzt gerade zurzeit. Aber wenn es jetzt über die Sommermonate regelmäßig regnet, dann ist es durchaus möglich, dass es ein relativ normales Landwirtschaftsjahr wird.
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Dürre [entsteht] über sehr lange Zeiträume
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Wir haben in sommerlichen Hitzeperioden den Fakt, dass ungefähr sechs Liter pro Quadratmeter Wasser verdunsten können am Tag. […] Ein sehr guter Boden, der sehr viel Ton enthält, der kann Wasser sehr lange speichern, während ein sandiger Boden das Wasser nicht gut speichern kann. Da läuft es quasi schnell wieder weg. […] gerade da, wo wir sehr wenig Niederschlag haben, [sind] zum Teil sehr gute Böden, die das dann wieder kompensieren.
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Über die Sommermonate lösen sich Dürren nur schwer auf. […] wir [haben] sehr viele Gewitterniederschläge […] Das heißt, das Wasser fällt schneller vom Himmel, als es in den Boden infiltrieren kann, und das heißt, es läuft eher oberflächlich ab und es geht nicht so viel vom Wasser in den Boden rein.

Über die heißen Temperaturen im Sommer führt das häufig dazu, dass ein großer Teil des Niederschlagswassers dann auch wieder verdunstet. Deswegen muss man eigentlich davon ausgehen, dass 2020 der Stress zum Beispiel im Forst- und in Waldökosystemen erhalten bleibt, und vor allem auch, dass die Schadbilder, die wir 2018 und 2019 gesehen haben, auch 2020 im Wald wieder weitergehen werden
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Aber in jedem Fall kann man sagen, es wird zu wenig Niederschlag sein.
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Wir hatten in vielen Bereichen Deutschlands im Februar Niederschlagsmengen, die ungefähr das Zweieinhalbfache des Monatsniederschlages betragen haben. Und trotzdem war das zu wenig.

Das war deswegen zu wenig, weil man vollkommen unterschätzt, wie viele Liter Wasser unter jemandem in jeden Quadratmeter Boden reingehen. Wenn wir ein Wasserdefizit haben im dreistelligen Bereich, jenseits von 100 Litern, dann bedeutet das ja, um das wieder auszugleichen, müssen Sie diesen Niederschlag zusätzlich bekommen, und der muss auch noch in den Boden reingehen. Das ist der Grund. Wenn man den Gesamtboden anguckt, das was für Waldökosysteme relevant ist, da bräuchten wir jetzt über mehrere Monate überdurchschnittlichen Niederschlag. Da ist es definitiv so, dass jetzt ein paar Tage oder auch ein paar Wochen mit heftigem Niederschlag, auch mit stark überdurchschnittlichem Niederschlag nicht unbedingt hilfreich sind.
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Für Mitteleuropa sind diese saisonalen Vorhersagen äußerst schwierig. Vor dem Hintergrund ist es nicht abschätzbar, wie im Sommer das Wetter sein wird, und es ist auch für die Landwirtschaft deswegen nicht abschätzbar, wie das Jahr sich weiter entwickelt. Es ist definitiv zu früh, die Dürrekatastrophe für die Landwirtschaft auszurufen. […] «

Meteorologin Michaela Koschak, Ann-Kathrin Büüsker & Klima-Experte Andreas Marx vom Helmoltz-Zentrum für Umweltforschung, Uli Blumenthal | Deutschlandfunk | 21. und 29.04.2020 | Meteorologin zu Trockenheit: „Das ist natürlich totaler Stress für die Vegetation“ & Folgen der Trockenheit für Äcker und Wälder: „Dürre entsteht über sehr lange Zeiträume“ |
Hören:
https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=825703 &

https://srv.deutschlandradio.de/dlf-audiothek-audio-teilen.3265.de.html?mdm:audio_id=827775 |

Lesen:
https://www.deutschlandfunk.de/meteorologin-zu-trockenheit-das-ist-natuerlich-totaler.694.de.html?dram:article_id=475082 &

https://www.deutschlandfunk.de/folgen-der-trockenheit-fuer-aecker-und-waelder-duerre.676.de.html?dram:article_id=475691


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