In jedem Stück Fleisch, Wurst auf dem Grill, auf dem Teller „stecken“ auch die Arbeitsbedingungen der Sklaven-Menschen, die in den Schlachtfabriken im Akkord schuften und sich ihre Gesundheit ruinieren.

» […] Die katastrophalen Bedingungen, unter denen insbesondere Arbeiter aus Ost- und Südosteuropa in deutschen Schlachthöfen schuften müssen, sind seit Jahren bekannt.

Die Arbeitszeiten sind oft viel länger als erlaubt;
in Schleswig-Holstein etwa ist ein Fall dokumentiert, in dem die Beschäftigten fünf Tage in der Woche jeweils eine Zwölfstundenschicht zu absolvieren haben, wobei zuweilen noch ein sechster Arbeitstag hinzukommt. […]

Die miserablen Löhne werden häufig unzuverlässig gezahlt; Lohnfortzahlung im Krankheitsfall wird immer wieder nicht gewährt.

Auch der Arbeitsschutz lässt zu wünschen übrig; zahlreiche Arbeiter haben mit Schikanen zu kämpfen und sind von willkürlichen Kündigungen bedroht.

Die üblen Arbeitsverhältnisse können von den Schlachthofbetreibern vor allem wegen des krassen Wohlstandsgefälles in der EU aufrechterhalten werden: Der miserable Verdienst, den sie in Aussicht stellen, ist für viele Einwohner östlicher und südöstlicher EU-Länder immer noch attraktiv.
Vermittelt werden zahlreiche Arbeiter – in einigen Schlachthöfen bis zu 80 Prozent der Belegschaft – über teilweise höchst dubiose Subunternehmen, was die Ausbeutung der Betroffenen noch weiter begünstigt. Diese haben – nicht zuletzt aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse – wenig Möglichkeiten, ihre Rechte zu verteidigen.
… | …
Die hemmungslose Ausbeutung ost- und südosteuropäischer Arbeiter in den deutschen Schlachthöfen wird seit Jahren scharf kritisiert, […];

abgesehen von unzureichenden Kontrollen existieren bis heute […] „gesetzliche Lücken und Verfahrenslücken“, die „den Subunternehmen und Schlachthofbetreibern noch immer zu viele Spielräume“ bieten, „sanktionsfrei Regeln zu umgehen […]. […]

Das Ausmaß lässt eine Überprüfung erahnen, die das Bundesland Nordrhein-Westfalen im vergangenen Sommer in 30 der 34 größeren dortigen Schlachthöfe durchgeführt hat.
Man habe nur in zwei Betrieben keine Verstöße festgestellt, hieß es anschließend; bereits nach einer Auswertung von nur 40 Prozent der beschlagnahmten Unterlagen habe man mehr als 3.000 Arbeitszeitverstöße entdeckt, darunter 16-Stunden-Arbeitsverträge; in mehr als 900 Fällen sei die vorgeschriebene arbeitsmedizinische Vorsorge nicht gewährleistet worden; in 26 der 30 Betriebe habe es zahlreiche gravierende Arbeitsschutzmängel gegeben.
… | …
Die desaströsen Verhältnisse in den Schlachthöfen ermöglichen es der deutschen Fleischindustrie nicht nur, im Inland billiges Fleisch auf den Markt zu werfen.
Sie eröffnen auch die Chance, auf dem Weltmarkt um Exportanteile zu konkurrieren.
Dabei hatten deutsche Unternehmen zuletzt durchaus Erfolg.

Die Bundesrepublik ist, gemessen am Wert der Ausfuhr, der fünftgrößte Fleischexporteur der Welt (nach den USA, Brasilien, Australien und den Niederlanden) sowie der drittgrößte Schweinefleischexporteur (nach Spanien und den USA); der Umsatz, den alleine die Ausfuhr von Schweinefleisch erzielte, lag 2019 bei rund 5 Milliarden US-Dollar.

Der größte deutsche Schlachtbetrieb, Tönnies aus dem nordrhein-westfälischen Rheda-Wiedenbrück, erzielte im vergangenen Jahr mit der Verarbeitung von 20,8 Millionen Schweinen – davon mehr als drei Viertel in Deutschland – sowie von 440.000 Rindern einen Rekordumsatz in Höhe von um die 7,3 Milliarden Euro.
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Zu den Bedingungen, die der deutschen Fleischindustrie satte Umsätze und Spitzenpositionen auf dem Weltmarkt ermöglichen, gehört die Unterbringung der ost- und südosteuropäischen Arbeiter in schäbigsten Unterkünften, für die ihnen regelmäßig stark überhöhte Mieten vom Lohn abgezogen werden.
Dazu zählen Sammelunterkünfte in umgebauten Ställen sowie alte, häufig überbelegte Wohnungen, die oft schlecht ausgerüstet und hygienisch unzulänglich ausgestattet sind – „Schrottimmobilien, Bruchbuden, die vollgestopft werden“ […]
Die Unterbringung in Gruppen auf engstem Raum in Gebäuden, die nicht selten durch Schimmelbefall Atemwegserkrankungen begünstigen, fördert die Ausbreitung von Infektionskrankheiten ebenso wie der regelmäßige Transport der Niedriglohnarbeiter zu den Schlachthöfen in engen Kleinbussen.
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Die jahrelange Ignoranz gegenüber den desaströsen Lebens- und Arbeitsbedingungen der Ost- und Südosteuropäer, die in deutschen Schlachthöfen die Verfügbarkeit billigen Fleischs in deutschen Supermärkten und hohe Profite deutscher Konzerne sichern, wirkt sich nun auch auf die Covid-19-Pandemie aus.

[…] 500 rumänischen Beschäftigten eines Schlachthofs in Birkenfeld (Baden-Württemberg) […]

[…] Schlachthöfe in Oer-Erkenschwick (Nordrhein-Westfalen) sowie in Bad Bramstedt (Schleswig-Holstein) […]

[…] Schlachthof in Coesfeld (Nordrhein-Westfalen) […]

Dabei erregen weniger die Verhältnisse öffentliche Aufmerksamkeit, in denen die Arbeiter aus Ost- und Südosteuropa in der Bundesrepublik dahinvegetieren, sondern vielmehr die Tatsache, dass die Ansteckungen die Covid-19-Statistik des Landkreises Coesfeld über die Schwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner heben, von der an der Lockdown verlängert werden muss.
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Dass in der Bundesrepublik Bürger ost- und südosteuropäischer EU-Staaten zu Zehntausenden in Verhältnissen leben und arbeiten müssen, die sie jetzt systematisch der Gefahr einer Infektion mit dem Covid-19-Virus aussetzen, ruft inzwischen Protest in mehreren ihrer Herkunftsländer hervor. […]

Darüber hinaus haben sich inzwischen […] mehrere diplomatische Vertretungen ost- und südosteuropäischer EU-Mitgliedstaaten bei der Bundesregierung über die Behandlung ihrer Bürger in Deutschland beschwert und sich „ausdrücklich weitere Maßnahmen“ vorbehalten – so zum Beispiel einen Ausreisestopp für Saisonarbeiter, die unter ähnlich üblen Bedingungen leben und arbeiten müssen wie ihre Kollegen in den Schlachthöfen. […] «

german-foreign-policy | german-foreign-policy | 12.05.2020 | Bleibende Schäden (II): Desaströse Lebensbedingungen osteuropäischer Schlachthofarbeiter in Deutschland führen zu massenhaften Infektionen mit dem Covid-19-Virus. | https://www.german-foreign-policy.com/news/detail/8272/

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8 Antworten zu In jedem Stück Fleisch, Wurst auf dem Grill, auf dem Teller „stecken“ auch die Arbeitsbedingungen der Sklaven-Menschen, die in den Schlachtfabriken im Akkord schuften und sich ihre Gesundheit ruinieren.

  1. Maccabros schreibt:

    bei Gemüse aus bestimmten Ländern ist das ebenfalls so, aber der Kern an sich hat was…

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    • Genau. Sklavenähnliche, ausbeuterische Beschäftigungsverhältnisse gibt es leider in vielen Branchen (siehe auch Textilindustrie). Ich konzentriere mich auf die Tierhaltung, Tiertransporte und Tierverwertung.

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  2. nandalya schreibt:

    Corona als „Chance“ für veränderte Arbeitsbedingungen. Das hat was! Alternativ könnten wir jene Politiker in diesen Branchen einsetzen, die seit Wochen nur heiße Luft produzieren.

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    • Unsere sogenannten Politiker sind offensichtlich fremdbestimmt (Indizien liefern dafür seit Jahr(zehnt)en die NachDenkSeiten und somit sozusagen auch Sklaven grauer Eminenzen.

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      • nandalya schreibt:

        Ich mag die NDS gern, darin sind wir uns mal wieder einig. Albrecht Müller ist vielleicht der letzte wirkliche Sozialdemokrat.

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        • Lassen wir das Etikettieren. Die Sozialdemokratie ist tot. Wir brauchen eine Politik des fairen Interessenausgleichs, eine reelle und reale Chance für jedermann Vermögen bilden zu können, eine Politik der Konfliktlösung mit friedlichen Mittlen, eine Politik, die sich nicht von Lobbyisten vereinnahmen läßt usw usf. Dafür steht m.E. Albrecht Müller. Er wollte damals in den 1970er Jahren mit Willy Brandt „mehr Demokratie wagen“ und musste mit ansehen, wie Demokratie von Nachfolgenden beschädigt und abgebaut wurde. Heute befinden wir uns in der Post-Demokratie. Demokratisch sind nur noch die Kulissen.

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          • nandalya schreibt:

            SPD= Zustimmung! Irgendwie sind alle Parteien „tot.“ Das sind leere Gebilde, die Worthülsen von sich geben und die Hand schon für den nächsten Deal aufhalten.

            Du weißt, dass ich Deutschland aktuell nicht für eine Demokratie halte. Selbst in der Schweiz kriselt es. Das dortige System zeigt auch Risse.

            Wie könnte aktuell eine Regierung aussehen in Deutschland? Würde dort eine Sarah Wagenknecht passen? Ein Hans-Georg Maaßen? Ja, auch der Lindner und Boris Palmer. Palmer ist mit Abstrichen einer der letzten GRÜNEN, die ich noch einigermaßen mag.

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          • Ich wünschte mir eine überparteiliche Koalition mit Menschen aus der zweiten und dritten Reihe, mit Menschen, die sich in den letzten Jahrzehnten angewidert von der Politik abgewandt haben und deren Köpfe voller Zukunfts-Ideen sind, die eine Utopie haben. Und vor allem darf es keinen Einfluss mehr von außen geben.

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