„Es wird in den nächsten 50 Jahren voraussichtlich mehr Veränderungen in dieser Nische geben als in den vergangenen 6.000 Jahren zusammen.“

» […] Die Folgen der Klimakrise werden härter, allumfassender und schneller eintreten, als bisher angenommen […] bei jedem weiteren Anstieg der globalen Temperatur um 1°C [werden] eine Milliarde Menschen entweder um ihren Wohnraum gebracht oder gezwungen sein […], in beinahe unerträglicher Hitze zu leben.

In einem Worst-Case-Szenario mit beschleunigten Emissionen werden die Gebiete, in denen derzeit ein Drittel der Weltbevölkerung lebt, in 50 Jahren so heiß sein wie die unwirtlichsten Teile der Sahara, so die Studie. Selbst im optimistischsten Szenario werden 1,2 Milliarden Menschen aus der komfortablen „Klima-Nische“ herausfallen, in der die Menschheit seit mindestens 6.000 Jahren ihr Leben verbringt.

Die Autoren der Studie erklärten […] sie [hätten] nicht erwartet […], dass unsere Spezies so gefährdet sei. „Die Zahlen sind niederschmetternd. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes zwei mal hinschauen müssen, als ich sie zum ersten Mal sah“ […]. „Früher habe ich mich mit den klimatischen Tipping Points beschäftigt, die man gemeinhin für apokalyptisch hält. Allerdings hat mich das hier härter getroffen. Das macht den Ernst der Lage doch sehr greifbar.“
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Der Großteil der Menschheit hat schon immer in Regionen der Erde gelebt, in denen die Jahresdurchschnittstemperaturen bei etwa 6 bis 28°C liegen, was für Gesundheit und Nahrungsmittelproduktion ideal ist. Aber dieser „Sweet Spot“ verschiebt sich allmählich und schrumpft in Folge der vom Menschen verursachten globalen Erwärmung, was in Zukunft immer mehr Menschen in den von den Autoren als „fast unbelebbar“ bezeichneten Extremzonen leben lassen wird.
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Als Folge dieser demographischen Faktoren würde der Durchschnittsmensch einen Temperaturanstieg von 7,5°C erleben, wenn die Temperaturen global um 3°C steigen, was für das Ende dieses Jahrhunderts prognostiziert wird.

Auf diesem Level würden etwa 30% der Weltbevölkerung in extremer Hitze leben – die man gemeinhin als Durchschnittstemperatur von 29°C definiert. Diese Bedingungen sind ausserhalb der heißesten Regionen der Sahara äußerst selten, doch bei einer globalen Erwärmung um 3°C werden ihnen den Prognosen zufolge 1,2 Milliarden Menschen in Indien, 485 Millionen in Nigeria und jeweils mehr als 100 Millionen in Pakistan, Indonesien und Sudan ausgesetzt sein. Dies würde den Migrationsdruck enorm erhöhen und die globale Lebensmittelproduktion vor extreme Herausforderungen stellen.

„Ich denke, man kann mit Fug und Recht sagen, dass Durchschnittstemperaturen über 29°C lebensfeindlich sind. Man müsste entweder umziehen oder sich anpassen. Aber dieser Anpassung sind Grenzen gesetzt. Wenn man genug Geld und Energie hat, kann man vielleicht Klimaanlagen benutzen und Lebensmittel einfliegen lassen, dann geht es vielleicht einigermaßen. Aber das kommt für die meisten Menschen gar nicht erst in Frage“
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„Wir wissen, dass die Habitate der meisten Lebewesen durch die Temperatur begrenzt sind. Pinguine sind zum Beispiel nur in kaltem Wasser zu finden, Korallen nur in warmem Wasser. Aber wir haben nicht erwartet, dass Menschen so empfindlich sind. Wir empfinden uns selbst als sehr anpassungsfähig, weil wir Kleidung, Heizungen und Klimaanlagen benutzen. Tatsächlich aber lebt die überwiegende Mehrheit der Menschen – und tat das schon immer – in einer Klima-Nische, die sich jetzt wie nie zuvor verändert. Das Ausmaß scheint allerdings überwältigend. Es wird in den nächsten 50 Jahren voraussichtlich mehr Veränderungen in dieser Nische geben als in den vergangenen 6.000 Jahren zusammen“. […] «

Jonathan Watts | der Freitag | 05.05.2020 | Klimakrise: Das Habitat schrumpft | https://www.freitag.de/autoren/the-guardian/das-habitat-schrumpft

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