Wenn Obdachlosigkeit in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

Selten habe ich 90 Minuten lang einen Kloß im Hals (zuvor bei Systemsprenger).

»Eine angehende Stewardess lebt mit ihrem neunjährigen Sohn in einem Zelt am Rande der Stadt. „Sterne über uns“ (ZDF, Arte / 2Pilots), das Spielfilmdebüt von Christina Ebelt, erzählt die Odyssee einer alleinerziehenden Mutter, herausragend verkörpert von Franziska Hartmann. Wie den Alltag mit Kind bewältigen, wenn man plötzlich obdachlos ist? Wie mit der Scham und der Verzweiflung umgehen? Der Film passt in die aktuelle Debatte über die Wohnungsnot in den Großstädten, ist aber weder Sozialdrama noch „Themenfilm“. Auch wenn manches Detail unwahrscheinlich erscheint: Ebelt zeichnet das bewegende Porträt einer Frau, die mit beeindruckender Willensstärke um ihr Glück und das Wohl ihres Kindes kämpft. Sie verzichtet dabei auf eine glatt polierte Handlung, in der scheinbar alle Fragen beantwortet werden. Dafür erzeugt die ruhige, unspektakuläre Inszenierung eine große Nähe zu den Protagonisten. Ein „Kleines Fernsehspiel“ des ZDF, das zu entdecken sich lohnt.«

Hier gibt es die vollständige Kritik: http://www.tittelbach.tv/programm/fernsehfilm/artikel-5463.html

Und ich frage mich, wo all die heutigen Grundrechte-KämpferInnen in den letzten 20 Jahren waren.
Sobald man von ihnen verlangt, ein paar Tage lang einen Mund-Nase-Schutz zu tragen, Abstand zu halten, womöglich mal zwei Wochen nicht die Wohnung verlassen zu können, sich nur mit wenigen Menschen treffen können, dann empören sie sich wütend und schreien Grundrechtsverletzung (und die Masse schweigt wie immer).
Nein, es ist eine Grundrechtseinschränkung, keine Verletzung (eine Verletzung ist z.B., wenn der Staat sich in ihr Smartphone hackt und alles mitliest und -hört – und das tut er – die Spitze des „Eisbergs“ wurde in den vergangenen Jahrzehnten öffentlich). Für einen überschaubaren Zeitraum.

Als aber anderen die angeblich unantastbare Würde ganz oder teilweise genommen wurde, ging man seiner Beschäftigung nach unt tat so, als ob nichts wäre und wählte bei der nächsten Bundestagswahl wieder die Gleichen oder blieb zu Hause und untersützte so die Gleichen.

Was ist mit der Würde von Hartz-IV-EmpfängerInnen (vor Scham gehen sie nicht auf die Straße)?

Was ist mit der Würde von Bewohnern in Pflegeheimen (sie können nicht mehr auf die Straße gehen)?

Was ist mit den Millionen Kindern, die in Deutschland unter der Armutsgrenze leben (welche Lobby haben sie)?

Was ist mit den Unzähligen, die täglich vor Tafeln Schlange stehen?

Was ist mit den nach hier Geflüchteten, die kaum wohlwollende Blicke auf sich ziehen, im schlimmsten Fall um ihr Leben fürchten müssen?

Was ist mit all den Frauen und Kindern (und manchmal auch Männern), die eine alltägliche häusliche Gewalt erleben müssen? …

Offensichtlich kann diese Gesellschaft S-o-l-i-d-a-r-i-t-ä-t nicht mehr buchstabieren; sie wurde ersetzt durch E-g-o-i-s-m-u-s.

»Aber nicht allein wegen des schauspielerischen Parforceritts von Franziska Hartmann als junger, alleinerziehender Mutter und angehender Stewardess ist Sterne über uns ein unbedingtes Muss, wenn man etwas über den neuen deutschen Film und die so gerne verdrängte dunkle Seite unserer deutschen Gegenwart erfahren will.

Nein, auch die eigentliche Geschichte, die Christina Ebelt hier souverän erzählt, hat es in sich. Denn Ebelt zeigt in ihrer Erzählung nicht nur, wie schmal und porös die Grenze zwischen reich und arm, aufge­fangen und abge­stürzt in Deutsch­land verläuft, sondern fächert über Melli und ihren Sohn Ben (Claudio Magno) auch die ganzen persönlichen Abhängigkeiten und Alltagsnischen auf, die mal mehr oder weniger zu Bedeutungs- und Rettungsträgern werden können.«

Hier gibt es die vollständige Kritik: https://www.artechock.de/film/text/kritik/s/stbeun.htm

Leider kann ich Ihnen keinen Streamingdienst oder Mediathek nennen, der/die den Film aktuell zeigt.
LeserInnen, die mir schon länger folgen, kann ich per Privat-Nachricht einen Link zum Streamen aus meiner OneDrive-Cloud zukommen lassen (ich hatte mir den Film im Januar per Mediathek-Link heruntergeladen); mit Freunden teilen ist erlaubt.

Sterne über uns“ | ZDF, Arte | Fernsehfilm | Drama | 101 Minuten | Mit Franziska Hartmann, Claudio Magno, Kai Ivo Baulitz, Marita Breuer u.a. | Drehbuch: Christina Ebelt, Franziska Krentzien | Regie: Christina Ebelt | Kamera: Bernhard Keller

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7 Antworten zu Wenn Obdachlosigkeit in der Mitte der Gesellschaft ankommt.

  1. Ulli schreibt:

    Das sind genau die richtigen Fragen in Bezug auf unsere Gesellschaft und dem Nichtverhalten – der Wandlung von Solidarität in EgomanInnen. Danke!
    Gerne möchte ich den Link zum Film! Meine Mailadresse siehst du ja.
    Herzlichst, Ulli

    Gefällt 1 Person

  2. diespringerin schreibt:

    Doppel- und Dreifachzustimmung!!!

    Gefällt 2 Personen

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