„Schafe blicken auf“ von John Brunner, Kritik, Lesetipp

Seit dem Beginn der 1980er Jahre lese ich dieses Buch alle 10 Jahre einmal. Jetzt, gerade jetzt ist es wieder an der Zeit. Wie hellsichtig manche Autoren doch sind, wie einfach es manchmal ist, einen Strich linear von der Vergangenheit, unten links, zur Zukunt, nach rechts oben zu ziehen. Wie einfach gestrickt der Mensch doch ist, wie vorhersehbar sein Denken und Handeln. Ein Buch, das dem Leser den Einstieg nicht leicht macht, doch wenn er geduldig dabei ist, entwickelt dieses Buch einen Sog des Lesens ohne Pause und ohne Aufblicken. Das tun dann am Ende die Schafe.

John Brunner fragte sich also: Was kann aus dieser Welt werden? Vielleicht in zehn oder etwas mehr Jahren. Er breitet ein düsteres Szenario aus. Dicke Luft, verseuchte Meere, Menschen im Konsumwahn ohne innere Wertigkeit, eine ignorante Medienlandschaft, gierige Konzerne und ein machtversessener Präsident in den USA. Darum kreist die Handlung zumeist. Da herrscht die Hybris, dass es nicht so schlimm kommen kann, solange neue Filtertypen entwickelt werden und die stärkste Militärmacht für Gerechtigkeit in der Welt sorgt. Dann kommen ein paar positive Helden ins Spiel, die biologisches Gemüse züchten, aufklären, informieren, demonstrieren; oder sich in Überspitzung ihrer guten Idee radikalisieren. So weit wäre alles drin. Hollywood würde den Helden siegen lassen. Hier wird der eher nebenbei von einer gesprengten Betonmauer erschlagen, während sich der Bombenleger gerade auf ihn moralisch beruft. Und in einer der vielsagendsten Szenen des Buchs möchte die innerlich längst zerstörte Jugend des Landes sich einem nie endenden psychedelischen Rausch hingeben, weil diese Welt nur noch im Wahn erträglich sei. Hollywood kommt also, so viel sei verraten, nicht zum Zug.

Quelle: „Schafe blicken auf“ von John Brunner, Kritik, Lesetipp


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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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