„Die Zeit, sich mit Alibis zu exkulpieren, ist abgelaufen.“

» […] Das Verschwinden der Arbeiterklasse, zumindest als politisch handelndes Subjekt, hat dazu geführt, dass das, was als eine Opposition von unten bezeichnet werden könnte, nicht mehr vorhanden ist. Was blieb, ist eine aus der vor einem halben Jahrhundert stattgefundenen Jugendrevolte hervorgegangene Mittelschicht, die sich düster an ihre Anfänge erinnert, aber wirtschaftlich wie politisch nicht mehr agiert, sondern ihre posttraumatischen Schimären durch das Feuilleton jagt. Und ein aus diesem sozialen Orkus hervorgegangener Brei politisch Unbewusster, die allen Ernstes glauben, sie könnten durch ihr Konsumverhalten die Welt ändern. […]

[…] Das, was dort an Widerstand gegen den Krieg des smarten Macron gegen die arbeitende Bevölkerung entstanden ist, kam von eben jenem sozialen Untergrund. Und wir wissen, warum wir davon so wenig gehört haben in der Öffentlichkeit. Diejenigen, die diesen Echoraum gestalten, fürchten einen Aufstand, wie er von den Gelbwesten begonnen wurde, wie den Tod. Und ehrlich gesagt, das sollten sie auch.

Denn außer dem sozialen Untergrund scheint es keine politisch relevante Kraft mehr zu geben, die eine erfolgreiche Veränderung bewirken könnte. Der Rest ist beteiligt an dem gewissenlosen Ausplündern der restlichen Welt.

Im Monat März, so sagt man, hat die Bundesrepublik Deutschland jedes Jahr ihren Anteil an der weltweiten Verpestung verbraucht, wenn man so rechnen wollte. Alles, was danach kommt, geht auf Kosten anderer. Und die smarten Protestler gegen dieses Phänomen laufen mit Smartphones herum oder skaten mit E-Rollern durch die Städte, zu deren Funktion und Antrieb Kinder in anderen Regionen der Welt in Kobalt- und Litium-Minen getrieben werden – und um die bereits dreckige Kriege geführt wurden.

Geht es noch? Diese Kohorte wagt es, von Werten zu schwadronieren und sich über das Unrecht in der Welt zu beklagen? Nein, das geht nicht mehr. Aus der Sicht derer, auf deren Zukunft die ästhetisch anmutenden Konsumdiskussionen stattfinden, wird jedes Verbrechen, das begangen wird, ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Da wird nichts mehr getilgt werden können. Das Spiel ist irgendwann aus. Alles kommt zurück. Fragt sich nur, wann. Die Zeit, sich mit Alibis zu exkulpieren, ist abgelaufen. […] «

Gerhard Mersmann | Neue Debatte | Wir sind alle Mörder! | 08.06.2020 | https://neue-debatte.com/2020/06/08/wir-sind-alle-moerder/

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