„Wir essen keine Rinder, wir essen Menschen.“

» […] Mahlzeit! Hinterm Tellerrand geht’s weiter. | An unserem derzeitig alle Bestsellerlisten beherrschenden Lieblingsthema »gesunde Ernährung« lassen sich nun jenseits der erbittert umstrittenen Frage »vegan oder paleo?« zumindest begreifbare Teile der Gesamtproblematik erfassbar aufzeigen, denn »Essen« versteht ja im Prinzip jeder: Bolsonaros frische Amazonas- Entwaldungskampagne wird zwischen 2021 und 2030 zusätzliche CO2-Äquivalente von etwa 13 Gigatonnen in die Atmosphäre bringen. Der Ausstoß der USA liegt jährlich bei etwa 5 Gigatonnen, der von China bei 9.

Brasilien ergänzt also uns zuliebe einmalig ein zweites China und eine zweite USA – in Sachen CO2 –, um mehr Fleisch zu produzieren.
Mehr Fleisch erfordert mehr Viehfutter, und das besteht vor allem aus Getreide und Sojabohnen.
57 Prozent unserer Getreideernte dienen inzwischen diesem Zweck, vom Soja konsumieren wir nur zu 2 bis 6 Prozent direkt, den Rest auf Umwegen als Fleisch.
Die Anbaumenge hat sich seit den 1950er Jahren verzehnfacht, auf heute jährlich geerntete 270 Millionen Tonnen.

Für die Futterproduktion nutzen wir fast ein Drittel der gesamten eisfreien Erdoberfläche unseres Planeten – notwendigerweise, schließlich wiegen allein unsere Hausrinder schon heute fast dreimal so viel wie wir rund siebeneinhalb Milliarden Menschen.
Unser Hunger nach immer mehr Fleisch – sprich: nach immer mehr Soja und Getreide – hat nun selbstredend zur Folge, dass wir, um die notwendigen Ackerflächen überhaupt noch bereitstellen zu können, immer mehr Wälder roden müssen, die eigentlich als CO2-Fänger dienen sollten und müssen.

In einer Welt, in der bereits 30 Prozent der Treibhausgasemissionen aufs Konto der Nahrungsmittelproduktion gehen, ist das keine besonders smarte Idee – oder deutlicher: ist es eine doppelt und mehrfach blöde Idee. Denn das Roden der Wälder trägt entscheidend zur Erderwärmung bei, sprich: wir fackeln CO2-Fänger ab, um mit gewaltigem Frischwasserverbrauch Methanproduzenten zu mästen – und dann aufzuessen.

Da gleichzeitig für die Versorgung der Bewohner dieser Gegenden nichts übrig bleibt, lässt sich wohl abkürzend sagen: Wir essen keine Rinder, wir essen Menschen.

Und das ungebremst. Die globale Fleischproduktion hat sich seit den 1960er Jahren gut vervierfacht, von 78 auf 310 Millionen Tonnen pro Jahr, der durchschnittliche weltweite Fleischkonsum pro Kopf betrug 2012 inzwischen 42,8 Kilogramm, der Schnitt in den Industrieländern liegt bei 76,2 Kilo, in Deutschland bei 88, in den USA bei 120. Bis 2050 wird eine Steigerung der Gesamtmenge von 310 auf 455 Millionen Tonnen erwartet.

Die zur Erzeugung dieser Menge erforderlichen Nutztiere werden also 2050 so viel Nahrung verzehren wie vier Milliarden Menschen, nicht zuletzt, weil die Umwandlungsrate von pflanzlichen Kalorien in tierische beim Rind 7 : 1 beträgt, beim Schwein 3 : 1, bei Gefügel 2 : 1.

Die Bilanz fällt bei fairer Betrachtung noch deutlich verheerender aus, denn mit dem »Erzeugen« und Schlachten ist es nicht getan, schließlich muss das Fleisch nach der »Gewinnung« aufwendig verarbeitet und vor allem aufwendig transportiert werden, weshalb man den zusätzlichen Kalorienumwandlungsfaktor »x 5« einbauen sollte.

»Nur ein Fünftel der für unsere Ernährung aufgewandten Energiemenge wird auf der Farm verbraucht; der Rest geht beim Verarbeiten und Umhertransportieren der Nahrungsmittel drauf.« (Michael Pollan) […] «

Sven Böttcher | Wir Klimalügner | aus: Die Öko-Katastrophe – Den Planeten zu retten, heißt die herrschenden Eliten zu stürzen; Herausgegeben von Jens Wernicke und Dirk Pohlmann, ISBN 978-3-96789-001-3 | 23.11.2019

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