Die reichste Industrienation in Europa.

» […] Ja, das ist ja das Dilemma in unserer kulinarischen Situation: Aus Geiz essen wir schlecht, und aus Geiz gibt’s nix Anständiges mehr zu kaufen. Dreizehn Prozent gibt der Deutsche fürs Essen aus. Wir sind die reichste Industrienation hier in Europa, nicht wahr, und essen am schlechtesten, essen das Billigste, essen Ramsch. Wir begnügen uns damit und sind auch noch zufrieden. Und sind froh, wenn wir wieder mal ’nen Tausender gespart haben, mit dem wir dann auf die Seychellen fahren oder irgendwohin, wo wir nix zu suchen haben. […]

Na, das preußisch-puritanisch-protestantische Erbe ist vielleicht nicht die Ursache für den Geiz, sondern das hat etwas mit der Genussfeindlichkeit zu tun, die bei uns seit Luthers Zeiten herrscht. Der Geiz hat eine vollkommen andere Motivation, die aus der historischen Erfahrung stammt. Wir haben immer Hunger gehabt. Deutschland war immer eine Nation, die Mangel gelitten hat, durch diese verdammten Kriege, die wir geführt und Gott sei Dank verloren haben. Dadurch gab es seit dem Dreißigjährigen Krieg das Gefühl, wir sind nicht satt, wir haben nichts zu essen und so weiter. Und das hat den Charakter der Deutschen in kulinarischer Hinsicht geprägt. Hinzu kommt natürlich noch diese kleinbürgerliche Aversion gegen Verfeinerung, gegen komplizierte Zusammenhänge … große Küche ist etwas Kompliziertes, etwas Intellektuelles, und das alles haben wir Deutschen nicht so gern. […] «

Gero von Boehm interviewt Wolfram Siebeck :: 04.01.2006 :: Begegnungen – Menschenbilder aus drei Jahrzehnten :: ISBN-10: 3899104439, ISBN-13: 978-3899104431

Und seit 2006 hat sich viel getan: Die WählerInnen und Nicht-WählerInnen wählen seit 1982 Parteien, die, zuerst verstohlen, dann immer ungenierter, von unten nach oben umverteilen. Heute haben wir Millionen, die würden gerne gut essen und adäquat dafür bezahlen und können es nicht mehr. Für sie bedeutet Essen: der Kampf ums tägliche Brot. Wir sind immer noch die reichste Industrienation in Europa. Der nächste Krieg ist in Vorbereitung, noch verstohlen, bald ungenierter.


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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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