„„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. (…) Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, dass wir diesen Quellen nicht trauen können““

» […] Mit dem wachsenden Einfluss dieser Medien wächst zugleich „die Notwendigkeit zu verstehen, nach welchen Regeln sie Themen auswählen und wie sie darüber berichten. Gelingt uns dies nicht, werden wir möglicherweise bald wie Blinde von unbekannten Mächten durch die Landschaften des Politischen geführt. Jedenfalls ist es bereits heute so, dass wir permanent akribisch über alle möglichen Kanäle recherchieren müssen, wenn wir überhaupt die Chance haben wollen, medial vermittelte Schilderungen zu überprüfen. Autonomie sieht anders aus“
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An die Stelle der Information über unterschiedliche Standpunkte und dem Aufzeigen alternativer Lösungen tritt dabei zusehends ein homogener Nachrichtenstrom, ein medialer Mainstream. Dieser ist auf die bestehenden politischen Machtverhältnisse und deren Interessenlage ausgerichtet und scheint sich in seinen Auffassungen vielfach nur noch gegenseitig zu bestätigen. Er übernimmt die Aussagen sogenannter Pressestellen, PR-Agenturen oder Leitmedien zum Teil wortwörtlich und lässt sich auch von vorgebrachter Kritik kaum mehr beeindrucken.
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So „scheint genau das das Wesen des Mainstreams in einer demokratischen Mediengesellschaft zu sein: dass kritische Perspektiven und abweichende Meinungen durchaus einmal vorkommen, aber keinen Einfluss auf die Folgeberichterstattung und die von Tag zu Tag fortgesetzte Erzählung der Geschehnisse in den Hauptnachrichtensendungen und großen Zeitungen haben“
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Als befristet oder fest angestellter Journalist ist jeder schließlich ebenfalls nur ein Lohnempfänger und damit von seinem Arbeitgeber genauso wirtschaftlich abhängig, wie es andere Arbeitnehmer auch sind. Als freier Journalist ist man wiederum abhängig von den zu vergebenden Aufträgen und Honoraren.
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Medienrechtlich bedeutet dies, dass jeder Verleger über die inhaltliche Tendenz sowie politische Ausrichtung seines Unternehmens frei bestimmen kann. Zudem kann er die von ihm beschäftigten Redakteure und Journalisten arbeitsrechtlich dazu verpflichten, bestimmte redaktionelle Vorgaben einzuhalten und sich einer von ihm gewünschten politischen Sichtweise sowie Ausdrucksform zu bedienen.
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„Verleger, Medienmanager, werbende Unternehmen und Investoren entscheiden über die grundsätzlichen Dinge und darüber, ob sie die von Journalisten ausgeübte Freiheit im Einzelfall für akzeptabel halten. Sie wählen das Personal aus und kündigen. Sie befördern Karrieren oder üben Druck aus. (…) Keine Zensur weit und breit. Der Effekt ist jedoch derselbe“
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Letztlich braucht „dem Redakteur neuen Zuschnitts (…) niemand mehr zu sagen, was er zu tun und was er zu lassen hat“, er kennt inzwischen die Grenzpfähle genau, „innerhalb derer er schreiben kann, was er will“
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Für den Autor und Medienkritiker Walter van Rossum ist diese „Anlehnung an die herrschenden politischen Interessen und Programme“ dann auch die eigentliche „Kardinalsünde des real existierenden Journalismus“
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Öffentlich-rechtliche Medien haben deshalb — laut Rundfunkstaatsvertrag — in ihrer Berichterstattung und in ihren Informationssendungen „unabhängig und sachlich“ zu sein, in „freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung zu wirken“ und „bei der Erfüllung ihres Auftrags die Grundsätze der Objektivität und Unparteilichkeit der Berichterstattung, die Meinungsvielfalt sowie die Ausgewogenheit ihrer Angebote zu berücksichtigen“
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Den Höhepunkt bildete dabei die Berichterstattung über die Ukrainekrise, die mit ihrem „Russland-Bashing in Dauerschleife auf nahezu allen öffentlich-rechtlichen Kanälen und Genres, bis hinein in Kultur- und Sportsendungen“ zu recht auf zahlreiche Proteste stieß und zunehmend auch als parteilich beziehungsweise als Propaganda erkannt wurde
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Deshalb muss mit Nachdruck darauf hingewirkt werden, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk […] „wieder seinem originären Auftrag nachkommt — und zwar ohne Manipulationen des Publikums, ohne Auslassungen wichtiger Informationen, ohne Freund-Feind-Schemen, ohne Propaganda und ohne Klamauk aus der Mottenkiste“
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kommen doppelte Standards zur Anwendung. So sind in der Berichterstattung dieser Medien „Menschenrechtsverletzungen (…) nicht gleich Menschenrechtsverletzungen“ und auch „Kriegsverbrechen nicht gleich Kriegsverbrechen — ihre Schwere und Skandalträchtigkeit hängt davon ab, wer sie begeht“
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Es ist deshalb „immer wichtig, genau darauf zu achten, wer in der Berichterstattung tötet, getötet wird oder einfach umgekommen ist“
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Überheblichkeit und die bewusste Anwendung doppelter Standards, vor allem im Umgang mit außereuropäischen Ländern […] haben bereits eine lange kulturelle Tradition, gehören sie doch seit jeher schon zu den praktizierten Werten abendländischer Außenpolitik.

Seit dem Golfkrieg werden auch kaum noch die Opfer der eigenen Kriegsführung gezeigt, obwohl Umfang und Intensität militärischer Interventionen im Ausland zunehmen. […] Zu groß wäre die Macht der Bilder und zu negativ ihr Einfluss auf die behauptete Notwendigkeit sowie auf die angestrebte Akzeptanz dieser militärischen Kampfeinsätze.
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Den zuständigen Redakteuren der großen Medienkonzerne ist die jeweilige Sprachregelung ihres Hauses natürlich gut bekannt. Sie wissen genau, wer in ihrer Berichterstattung „als gut und wer als böse zu gelten hat“
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Nach dem Wording der Leitmedien und der ihr eigenen Rollenverteilung gibt es für den gleichen Sachverhalt dann oftmals unterschiedliche Begriffe, zum Beispiel die mutigen Fluchthelfer oder die kriminellen Schleuser.
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An sprachliche Manipulation im Sinne des von George Orwell geprägten Begriffs des Neusprechs erinnert dann, wenn sogar in einem staatlichen Dokument, statt von Krieg, von einer robusten Friedenserzwingung gesprochen wird
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Scheinbar objektiv weitergegebene Informationen werden in Wahrheit bereits interessenabhängig kommentiert, ohne dies als eine subjektive Meinungsäußerung oder als einen redaktionellen Kommentar klar und deutlich zu kennzeichnen, was unbedingt notwendig wäre.
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Haben sich aber bestimmte Denkmuster und Deutungsrahmen (Frames) von Ereignissen oder Sachverhalten — durch ihre ständige mediale Wiederholung — im Kopf erst einmal festgesetzt, erkennen die so Beeinflussten davon abweichende Informationen oftmals kaum noch an und lehnen diese meist schnell ab, da sie nicht mehr in dieses Muster oder in diesen Rahmen passen.

Die übermittelten Nachrichten stets kritisch zu hinterfragen und sich vor allem umfassend zu informieren, beispielsweise in den alternativen Medien, wird deshalb immer wichtiger.
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Eine staatliche Zensurbehörde, die der Öffentlichkeit bestimmte Informationen bewusst vorenthält, ist in Deutschland nicht bekannt. Trotzdem gelingt es immer wieder, unliebsame Themen sowie die Personen, die sich mit diesen beschäftigen, nahezu vollständig aus den großen Leitmedien herauszuhalten und mitunter auch zu diskreditieren.
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Das Thema Uranmunition ist in den großen Medien aber bereits seit einigen Jahren nahezu gänzlich verschwunden.
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Einige der politisch und militärisch Verantwortlichen dürften ein besonderes Interesse daran haben, dass über den Einsatz und die gesundheitlichen Folgen dieser Waffen keine weiteren Berichte mehr an die Öffentlichkeit gelangen.
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Bei seiner Recherche stellte Krüger fest, dass leitende Redakteure großer deutscher Medien im untersuchten Zeitraum „der Jahre 2007 bis 2009 außerhalb ihrer unmittelbaren journalistischen Pflichten vielfältig mit Politik- und Wirtschaftseliten verbunden waren“
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Dafür tendieren die modernen Massenmedien immer mehr dazu, „Stimmen der Macht zu sein“, und für deren Standpunkte und Entscheidungen in der Bevölkerung um die notwendige Zustimmung zu werben […] «

Wolfram Rost :: RUB|KON :: 25.10.2019 :: Die Stimmen der Macht – Der global agierende Kapitalismus weist den Mainstream-Medien eine dienende Rolle zu — einen Aufstand des Gewissens seitens der Redakteure sucht man vergebens. :: https://www.rubikon.news/artikel/die-stimmen-der-macht

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Eine Antwort zu „„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien. (…) Andererseits wissen wir so viel über die Massenmedien, dass wir diesen Quellen nicht trauen können““

  1. nandalya schreibt:

    Auch die sogenannten „Alternativen“ oder „Freien Medien“ gilt es kritisch zu betrachten. Wie eigentlich alles auf der Welt. Aber ich habe schon seit Jahren keine derart gute Berichterstattung mehr gelesen, wie im Rubkion oder KenFM. Nein, man muss nicht alles mögen was dort steht! Aber das spielt keine Rolle. Ausschließlich SPON, BILD und / oder der FAZ zu vertrauen, ist in diesen Tagen keine gute Idee.

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