„SARS-CoV-2 [ist] ein Multiorganvirus […] und kann viele unterschiedliche Organe befallen“

» […] Was bei einer Corona-Infektion mit den Nieren passiert, hat jetzt ein Team vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf genauer untersucht und im medizinischen Fachjournal „The Lancet“ beschrieben. Tobias Huber, einer der Autoren der Studie, erklärt im Deutschlandfunk, wie fatal sich der Befall von Coronaviren auf die Nieren auswirken kann.
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Zunächst muss man einmal sagen, dass Nieren sehr häufig betroffen sind bei der COVID-19-Erkrankung. Auch bei milderen Verläufen sieht man sehr häufig Urinveränderungen. Das war bereits in den ersten Studien in China gezeigt worden. Darüber hinaus sieht man, dass bei schweren Verläufen häufig auch ein kompletter Ausfall der Nierenfunktion mit einhergeht mit der COVID-19-Erkrankung.

Die neuesten Daten der AOK-Studie der stationären Patienten in Deutschland zeigen, wenn es zu einem derartigen Nierenversagen kommt bei beatmetem Patienten, dann steigt die Sterblichkeit auf sage und schreibe 75 Prozent
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In unserer Studie sehen wir jetzt zum einen, dass wir, wenn ein Virus in der Niere nachweisbar ist, die Wahrscheinlichkeit für ein akutes Nierenversagen deutlich signifikant höher ist, erstens, und zweitens sehen wir, wenn die Nieren befallen sind, dann ist auch der Zeitraum innerhalb deren die Patienten versterben, deutlich kürzer.
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Wir sehen das, was allgemein auch für andere Erkrankungen gezeigt worden ist, dass die Co-Morbidität, sprich die Erkrankung, die bereits vor Auftreten von Corona vorhanden sind, eine ganz wichtige Rolle spielen. Das trifft auch zu für die Infektion der Nieren. Patienten, die bereits Diabetes haben, die einen Bluthochdruck haben, die Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems haben, all diese Patienten haben auch ein höheres Risiko, in den Nieren letztlich eine COVID-19-Erkrankung zu entwickeln.
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Es ist so, wie eingangs gesagt, dass wir häufig schon relativ früh Urinveränderungen sehen bei Leuten mit einer COVID-19-Erkrankung, und deshalb versuchen wir, auch mit anderen universitären Zentren zusammen, aus Göttingen und aus Aachen, zu untersuchen, ob die frühen Urinuntersuchungen bereits bei stationärer Aufnahme einen Hinweis bereits darauf liefern, ob Patienten später intensivpflichtig werden oder einen schweren Verlauf bekommen oder auch Nierenversagen bekommen werden.
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Wir kennen die Mechanismen, die das Eintreten des Virus in die Zelle vermitteln, das sind spezifische Rezeptoren, und die kommen in vielen Organen vor, und deshalb sehen wir das Virus auch in vielen Organen. Das könnte ein weiterer Ansatzpunkt sein, um möglicherweise die Aufnahme des Virus in die Zelle und dann auch die Verbreitung des Virus in der Zelle zu vermeiden. Das wäre dann aber nicht nierenspezifisch, sondern ein Ansatz, der letztlich für viele und alle Organe anwendbar wäre.
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dass zahlreiche Organe mit befallen sind und das Virus in sehr vielen Organen nachweisbar ist. Auf der anderen Seite wissen wir durch die Aufarbeitung auch der Patienten aus China, Europa und in den USA, dass es ein breites Spektrum von Symptomen gibt, die mit der COVID-19-Erkrankung einhergehen, neurologische Symptome, Geschmacks-, Geruchsstörung, Konzentrationsstörung, Magen-Darm-Trakt-Probleme mit Durchfällen, Übelkeit, Appetitlosigkeit. Die Probleme der Niere haben wir besprochen, aber auch mögliche Folgen im Herzen mit Herzmuskelentzündung und viele weitere Organe bis hin zu Blutveränderungen und eine Verminderung von weißen Blutzellen, auch Veränderungen in der Haut und in Gefäßen.

Diese Erkrankung hinterlässt eine breite Straße von Veränderungen im ganz, ganz vielen Organen, auf der einen Seite, und auf der anderen Seite sehen wir jetzt aus den Autopsiestudien, dass viele Organe direkt auch von dem Virus befallen sind und das Virus möglicherweise direkt Veränderungen in den Organen hinterlässt.
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Was wir zukünftig sicher brauchen – und das wird aktuell auch gesammelt – sind Register von den Patienten, die eine COVID-19-Erkrankung mit den unterschiedlichen Verläufen hatten, asymptomatisch, mild, mittelschwer oder schwer, und dann müssen diese Patienten im Verlauf verfolgt werden, weil manche Symptome oder Anfälligkeiten für weitere Organerkrankungen sich vielleicht auch erst nach Jahren zeigen, wenn COVID-19 beispielsweise kleine Narben in den Geweben hinterlässt und vielleicht auch funktionelle Reserven von einzelnen Organen damit einschränkt. […] «

Tobias Huber (Medizinische Universitätsklinik Hamburg) im Gespräch mit Lennart Pyritz :: Deutschlandfunk :: 27.08.2020 :: Organbefall durch SARS-CoV-2: „Nieren spielen bei der Erkrankung eine wichtige Rolle“ ::
Hören: mp3 direkt vom Deutschlandfunk
Lesen: Internetseite des Deutschlandfunks

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4 Antworten zu „SARS-CoV-2 [ist] ein Multiorganvirus […] und kann viele unterschiedliche Organe befallen“

  1. nandalya schreibt:

    Im Endeffekt beschreibt die Studie auch nur die möglichen Schädigungen durch Influenza. Lesen hilft.

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    • Das ist mein Reden: Influenza wird weltweit unterschätzt. Darauf machen unzählige im www veröffentlichte Artikel in den Jahrzehnten vor SARS-CoV-2 aufmerksam. Risiko-Minderung (nicht: Vermeidung) hat Vorrang vor Gewinn- oder Lust-Maximierung, gieriger Kapitalvermehrung. Das Grund- und Menschenrecht auf Leben und körperliche Unversehrtheit ist neu abzuwägen und zu gewichten. Und übrigens nicht nur bezüglich von Erkrankungen, sondern auch im Hinblick auf die weltweit grassierenden Femizide und die unsägliche Gewalt gegen Kinder.

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      • nandalya schreibt:

        Auf diese Ergänzung von deiner Seite hatte ich gehofft. Danke dafür.

        Soweit mir bekannt ist, hat man so gut wie nie Influenza-Tote in dem Maß untersucht, wie man es nun bei Covid-19 Toten macht. Beide Krankheiten ähneln sich so stark, dass man sie kaum unterscheiden kann. Hinzu kommen die Koinfektionen mit anderen Corona- oder Rhinoviren. Bei bereits kranken Menschen führen dann beide Krankheiten möglicherweise zum Tod.

        Ich hoffe, das sollten wir alle tun, dass die Klagen gegen den PCR-Test und gegen Professor Drosten Erfolg haben werden. Danach muss zwingend aufgedeckt werden, in welchem Maß „Big Pharma“ hinter den Maßnahmen steckt, wie weit die Politik davon wusste und / oder sogar beteiligt war. Strang für Strang muss das weltweite Netz des Neoliberalismus zerschnitten werden. Das wird schwierig und vielleicht eine Lebensaufgabe sein. Wenn wir uns nämlich nach einem Teilerfolg in dessen Glanz sonnen, wächst der zerschnittene Strang einfach nach.

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  2. Vielen Dank für diese sehr informative und interessante Zusammenfassung!

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