„in Wirklichkeit ist Wald ganz wichtig für die Wasserkreisläufe“

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» […] Der Klimwawandel sei der Auslöser der Waldbrände in den USA, sagte der Wald-Experte Peter Wohlleben im Dlf. Man könne die Wälder allerdings schützen, indem man sie stärker sich selbst überlasse. Denn Forstgebiete mit viel Biomasse könnten viel besser Wasser speichern.
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In diesem Sommer haben die Feuer an der Westküste der USA ein Ausmaß angenommen, das man so noch nicht kannte.
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Der Klimawandel trifft auf ramponierte Wälder und diese ramponierten Wälder, durch Holzeinschlag, durch Rodungen der vergangenen Jahrhunderte […], sind so klein und zerstückelt und mit geringer Biomasse ausgestattet, dass die nicht mehr richtig funktionieren in Bezug auf die Wasserkreisläufe, und das ist ganz entscheidend.
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Es bräuchte alte Wälder mit viel Biomasse, mit viel Totholz, was nämlich Wasser speichert, was Regenwolken übrigens erzeugt […] wenn ich Wälder ramponiere, ausräume, dann heizt sich das Lokalklima auf, unabhängig vom Klimawandel. Es wird trockener. Und wenn dann der Klimawandel noch dazu kommt […], dann findet das Feuer natürlich ganz leicht Nahrung in diesen ausgetrockneten ehemaligen intakten Ökosystemen.
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Wir müssen natürlich unseren CO2-Ausstoß erst mal drastisch reduzieren, gar keine Frage. Aber gleichzeitig brauchen wir große intakte Naturräume, die das selber regeln. Wir sehen das überall dort, wo Wälder großräumig noch intakt sind. Da regelt sich dieses System.
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Wälder sind wie gesagt Temperaturregulatoren. Es gibt aktuelle Forschungen aus Deutschland, dass intakte alte Laubwälder hier durchschnittlich sich acht Grad stärker herunterkühlen im Sommer als eine Kiefernplantage – acht Grad! Wenn es 40 Grad sind in einer Kiefernplantage, sind es in einem alten Buchenwald nur 32.
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Holzeinschlag –, wieviel kann ich rausnehmen, ohne dass dieses System nicht mehr funktioniert, und das weiß man leider nicht.
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wir erleben gerade in Deutschland, dass die Plantagen zusammenbrechen, und meine persönliche Prognose ist, dass wir in den nächsten fünf bis zehn Jahren 50 Prozent der Waldfläche verlieren werden. Das sind nämlich die ganzen Nadelplantagen. Das geht ja rasant weiter aktuell. Überall dort kommt kein Holz mehr raus, das ist sicher.
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Wo kommt denn in Zukunft das Holz her? Und wenn wir diese Flächen ökologisch bewirtschaften würden, dann käme zwar pro Flächeneinheit etwas weniger raus, aber wenn die ganze Fläche produktiv bleibt, in Summe mehr, als das die konventionelle Forstwirtschaft in Zukunft kann.
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die USA ist ja momentan von einer der größten Kahlschlagswellen ihrer Geschichte betroffen, und zwar für Pellet-Anlagen, die diese kleinen Holzwürmchen produzieren für den Export nach Europa, für europäische Kraftwerke. Da werden gerade wirklich riesige Gebiete kahlgeschlagen, Sumpfwälder, die auch sehr, sehr viel Wasser speichern, wirklich in einem Ausmaß, das ist unvorstellbar. Das passiert gerade im Südosten. Das heißt, der Südosten bereitet sich gerade auf eine Situation vor, wie sie der Westen gerade erlebt.
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Das heißt, Kalifornien, Oregon und so weiter, die werden damit noch Jahrzehnte zu tun haben. Aber immerhin könnte der Südosten das noch verhindern, aber es sieht momentan leider nicht so aus.
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Wir konzentrieren uns bei Wald immer auf CO2 und in Wirklichkeit ist Wald ganz wichtig für die Wasserkreisläufe. […] China bekommt einen Großteil seines Regens von uns aus dem Atlantik. Dieser Regen wird durchgereicht über Waldökosysteme. […] Das heißt, wenn Deutschland weiter Wald verliert, […] dann wird es in China weniger regnen. […] Die Wasserkreisläufe global, mal mindestens auf der Nordhalbkugel, sind alle verbunden und alle über Wälder verbunden. Auch wir werden unter dem Verlust der Wälder im Westen der USA leiden.
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Waldbrände werden wir sehr viel häufiger erleben als bisher, zumindest solange wir diese großen Nadelplantagen haben. Laubwälder brennen ja von Natur aus nicht. Unsere heimischen Wälder haben das nicht gemacht, aber wir haben über die Hälfte Nadelwälder und die brennen im Prinzip wie gefüllte Benzinfässer. Und solange es die noch gibt – und die wird es schon noch eine Reihe von Jahren geben –, werden wir das in dem zunehmend wärmeren Klima erleben, ja. […] «

Peter Wohlleben im Gespräch mit Christiane Kaess :: Deutschlandfunk Interview :: 15.09.2020 :: Waldbrände in den USA: Bestsellerautor Wohlleben: „Der Klimawandel trifft auf ramponierte Wälder“

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Eine Antwort zu „in Wirklichkeit ist Wald ganz wichtig für die Wasserkreisläufe“

  1. gkazakou schreibt:

    Hier in Griechenland haben wir auch zu viele Nadelbaumwälder (Pinien), besonders im Süden. In der Antike gab es in Attika ausgedehnte Eichenwälder, aber die wurden schon damals abgeholzt, um Schiffe zu bauen. Pinien wachsen schneller und brauchen fast nichts, um zu gedeihen. Aber sie brennen eben auch wie Zunder.

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