„nur 59% der Schüler ab 14 Jahren wissen, für was Auschwitz steht“

» […] Seit ein paar Jahren wird der Hass auf Juden nicht mehr nur von Rechtsextremen und Spinnern im Internet und in Hinterzimmern verbreitet, die von einer jüdischen Weltverschwörung raunen und vom Finanzjudentum fantasieren, sondern auch von Islamisten sowie linken Antisemiten offen auf die Straße getragen.
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Bei den Demonstrationen gegen Israel oder „Pro-Palästina“ in Berlin wurden Parolen gebrüllt, die nichts mit Kritik an der israelischen oder amerikanischen Politik zu tun haben und mich schaudern lassen. Wer – wie schon 2014 in Berlin geschehen – „Jude, Jude, feiges Schwein, komm heraus und kämpf allein“ schreit, wer die Forderung aufstellt „Hamas, Hamas – Juden ins Gas“ oder „Tod den Juden“ brüllt, der sucht eben keine politische Auseinandersetzung mit Israel, der will „die Juden“ vernichten. Das ist der blanke Hass, der pure Antisemitismus.
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Das Versammlungsrecht ist grundsätzlich „inhalts- und meinungsneutral“. Die staatliche Gewalt darf prinzipiell nicht prüfen, ob eine mit einer Demonstration vertretene Meinung „wertvoll“ oder „wertlos“, ob sie „richtig“ oder „falsch“ oder einfach nur „scheiße“ ist. Dieses Recht findet seine Grenze aber da, wo eine Demonstration strafbare Volksverhetzung ( § 130 StGB) zum Inhalt hat, wenn die Äußerungen nicht nur von einzelnen verpeilten Idioten kommen, sondern von der Versammlung selbst ausgehen. […] Was in Hamburg bei G20-Gegnern geht, die sich vermummt haben, muss auch bei antisemitischen Demos in Berlin gehen. Ob man sich mit einer Sturmhaube oder einem Palestinensertuch vermummt, macht rechtlich keinen Unterschied.
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Die Auflösung einer Versammlung ist auch möglich, wenn in einem „das Bild der Gesamtveranstaltung prägenden“ Umfang, Gewalt von der Demo ausgeht. Also auch hier reiht es nicht, wenn ein paar Irre mit Steinen werfen, sondern die Demo als solche muss einen gewalttätigen Charakter annehmen.
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Unsere freiheitliche Demokratie muss zwar auch ekelhafte Meinungen aushalten, solange sie die Grenze der Strafbarkeit nicht überschreiten. […] die […] Meinungsfreiheit […] endet eben da, wo zur Vernichtung von Menschen aufgerufen wird.
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Schon während des letzten Europawahlkampfs wurde heftig gegen Ausländer und speziell gegen Muslime gehetzt. Nicht nur von den üblichen Verdächtigen wie der NPD, sondern auch von Anhängern der AfD, die sich damals besonders auf Rumänen und Bulgaren eingeschossen hatten.
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Der weitaus größte Teil der Muslime in Deutschland ist weder islamistisch, salafistisch noch sonst in irgendeiner Weise radikal oder gewalttätig. […] So unerträglich es ist, wenn Juden in Deutschland Angst haben müssen, so unerträglich ist es, wenn Muslime, Christen oder Atheisten Angst haben müssen; wenn überhaupt jemand Angst haben muss, weil er ist, wie er ist und weil er glaubt , was er glaubt.
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Bei uns herrscht neben Meinungsfreiheit und Versammlungsfreiheit auch Religionsfreiheit. Für diese Freiheiten sind viele Menschen gestorben und es gibt keinen Grund, diese Freiheiten aufzugeben. Weder aus Angst noch aus Hass und schon gar nicht aus parteipolitischem Kalkül.
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Wenn [Polizei und Justiz] […] Volksverhetzung und Übergriffe billigend in Kauf nehmen sollten, machen sie sich mitschuldig. […] Hassprediger und geistige Brandstifter, egal aus welchem Spektrum, dürfen nicht mit Milde rechnen, denn sie sind das eigentliche Problem.
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es [ist] neben guter Polizeiarbeit genau das, was in unserer Gesellschaft zunehmend fehlt: Respekt und Anstand. Fordert man diesen ein, dann wird man als Anhänger von PC (political correctness) geschmäht, die laut Alice Weidel auf den Müllhaufen der Geschichte gehört.
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Wenn schon in der Grundschule Lehrerinnen als Fotze beleidigt, Lehrer angegriffen werden und Jude das aktuelle Topschimpfwort ist, dann liegt das auch an der Verrohung der Sprache, die in den letzten Jahren gerade von Rechts bewusst vorangetrieben wurde. Kein Anstand, kein Respekt, vor nichts und niemand. Das wird man doch noch sagen dürfen, ist die Parole.
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wer diesen Respekt anderen Menschen gegenüber nicht durch eine gelungene Erziehung und eine ordentliche Sozialisation entwickelt hat, dem muss er dann eben später vermittelt werden. Das gilt für alle Formen von Respektlosigkeit und Menschenfeindlichkeit. Die Mittel sind vorhanden. Wir brauchen ganz sicher keine neuen Gesetze, wir brauchen nur die Anwendung der vorhandenen.
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Wer den Judenhass bekämpfen will, muss deshalb frühzeitig gegensteuern.
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angesichts der Tatsache, dass nur 59% der Schüler ab 14 Jahren wissen, für was Auschwitz steht, ist es auch an der Zeit, das Thema Antisemitismus […] im Unterricht zu intensivieren […]. Das Vergessen und Verharmlosen der industriellen Judenvernichtung ist doch der Nährboden für das Wiedererstarken des Judenhasses. Das Informieren und Erinnern darf sich auch nicht nur auf den Geschichtsunterricht der weiterführenden Schulen beschränken, sondern muss schon ganz früh anfangen. Und immer da, wo auf einem Schulhof „Jude“ als Schimpfwort gebraucht wird, muss darüber gesprochen werden. Mit den Schülern und mit den Eltern.

Nicht nur die Lesekompetenz von Grundschülern, die unter aller Sau ist, ließe sich fördern, wenn man eine allgemeine Kindergartenpflicht ab dem dritten Lebensjahr einführen würde, sondern auch der wechselseitige Respekt. Alle Kinder zusammen im Kindergarten aufwachsen zu lassen, wäre der sicherste Weg gegen die Entwicklung von Dummheit und Hass, ganz unabhängig von der Kompetenz der Eltern.
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nur wenn wir mit Überzeugung sagen können, das Judentum und die Juden gehören ganz selbstverständlich zu Deutschland, und kein Jude sich hier mehr bedroht fühlt, nicht mehr jede Synagoge rund um die Uhr bewacht werden muss, erst dann haben wir die richtigen Konsequenzen aus der deutschen Geschichte gezogen.
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wenn der [Aufstand der Anständigen] nicht bald kommt, ist der antisemitische Wahnsinn nicht mehr zu stoppen. […] «

Heinrich Schmitz :: Die Kolumnisten :: 16.12.2017 :: Judenhass :: https://diekolumnisten.de/2017/12/16/judenhass/

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