„Wenn die Zivilgesellschaft sich zurückzieht, steigt die Gefahr für Radikalität.“

» […] Ein Weltbild, das hochgradig vereinfacht ist. Es gibt nur gut und böse, richtig oder falsch, Freund oder Feind – ohne jede Schattierung. Ein Fanatiker, egal welcher Ausprägung, ordnet alles einem Wert oder einer Ideologie unter. Beim Fremdenhasser sind es die Flüchtlinge, die für alle Probleme verantwortlich gemacht werden. Beim Veganer ist es das Tierwohl, das über allem steht. Hinzu kommt ein ausgeprägtes Missionieren: Fanatiker lassen nichts gelten außer den eigenen Ansichten.
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Durch den rasanten gesellschaftlichen Wandel fehlt vielen Menschen der Halt. Es gibt keine klare Orientierung mehr über Religion, die Stabilität der Familie ist erschüttert und auch die Berufsbiografien sind weniger planbar. Die Individualisierung der Gesellschaft, die suggeriert, dass jeder für sich selbst verantwortlich ist, bedeutet für viele eine Überforderung. Sie fühlen sich nicht mehr verankert und zweifeln an sich selbst. Durch die Zuwendung zu einem radikalen Weltbild wird diese Ohnmacht in neue Handlungsmächtigkeit verwandelt.
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Der echte Fanatiker hat alles wiedergewonnen, was er in unsicheren Zeiten verloren hat: Überschaubarkeit, Kontrolle und Stabilität. Der Fitness-Freak etwa misst und trainiert mit allerlei digitalen Hilfsmitteln seine körperliche Leistungsfähigkeit. Das Erreichen der selbst gesetzten sportlichen Ziele gibt Halt und das Gefühl, das eigene Leben im Griff zu haben. Auch radikale Veganer pflegen nicht nur eine bestimmte Ernährungsweise. Sie machen das Tierwohl zum Maß aller Dinge und fühlen sich ihren Mitmenschen moralisch überlegen.
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Bei Fremdenhassern ist offensichtlich, dass sie eine Spaltung herbeiführen wollen. Aber auch scheinbar unpolitische Phänomene wie Veganismus oder Fitnesswahn tragen zu einer Separierung von Bevölkerungsgruppen bei. Auch solche Fanatiker haben null Toleranz gegen Andersdenkende. Alles was dem eigenen Selbst- oder Weltbild widerspricht, wird ausgeblendet. So schotten sich ganze Gruppen regelrecht ab nach außen. Gesamtgesellschaftlich betrachtet ist das eine Katastrophe.
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gerade die Flüchtlinge bieten eine Projektionsfläche, die wie gerufen kam in einer Phase gesellschaftlicher Ungewissheit. Jetzt haben die Fanatiker alles greifbar: Die politische Elite […], die die Flüchtlinge alle reingeholt hat. Die Flüchtlinge, die nur Übel bringen. Und die Lügenpresse, die verzerrt berichtet. Die empfundene Unsicherheit ist etwas Schwammiges, nicht Greifbares. Mit den Flüchtlingen haben viele Menschen ein konkretes Thema gefunden, das nun wieder für Klarheit sorgt und an dem sich sich abarbeiten können.
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Wer gelernt hat, mit unsicheren Situationen mit offenem Ausgang umzugehen, ist immun gegen Radikalismus.

Wichtig ist auch die Fähigkeit, den Ereignissen im eigenen Leben einen Sinn zu geben – das nennt man Kohärenzsinn. Ganz entscheidend, damit Menschen ein grundlegendes Vertrauen in die Welt und sich selbst entwickeln können, sind frühe Kindheitserfahrungen. Wer keine sichere Bindung erfahren hat, tut sich auch später schwer, mit Unsicherheiten umzugehen.
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Menschen, die […] günstige äußere und innere Bedingungen [haben] fühlen sich dagegen in aller Regel dem Leben gegenüber gut gewappnet und neigen nur selten zu extremen Denk- und Verhaltensweisen.
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Miteinander reden! Und dabei jede Form von Überheblichkeit ablegen. Man sollte versuchen, sich in das Gegenüber hineinzuversetzen und herauszufinden, was sie eigentlich meinen. Wenn auch wir dicht machen und sagen: Mit denen wollen wir nichts zu tun haben, setzt sich die Polarisierungsspirale nur weiter fort.
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Ich habe richtig Sorge, was passiert, wenn wir in eine ökonomische Krise kommen sollten. Wenn bis dahin kein grundlegende Vertrauen oder Miteinandergefühl aufgebaut ist, werden sich Radikalisierungs-Phänomene verstärken. Deshalb ist es so wichtig, dass die Menschen sich gerade in ihrem unmittelbaren Umfeld gegenseitig unterstützen. Wenn die Zivilgesellschaft sich zurückzieht, steigt die Gefahr für Radikalität. […] «

Katja Rudolph, Ernst-Dieter Lantermann (Professor für Persönlichkeits- und Sozialpsychologie) :: Hessische/Niedersächsische Allgemeine, HNA :: 01.12.2016 :: „Unsicherheit macht fanatisch“: Was Extremsportler, Veganer und Rechtsradikale gemeinsam haben :: https://www.hna.de/kultur/was-extremsportler-veganer-und-rechtsradikale-gemeinsam-haben-9507621.html

Teile und herrsche. Die Herrschenden befördern ja geradezu die Radikalisierung und Spaltung der Gesellschaft; sie ist gewollt. Wer millionenfach Menschen anderer Kulturkreise ins Land lässt und ihnen kein nachhaltiges Angebot macht oder sie auch „zwingt“, sich zu assimilieren, der befördert Fremdenhass. Wer eine Lobbyistin der Fleisch- und Agrar-Industrie zur Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft macht, eine Ministerin, die sich politisch nur in Zeitlupe bewegt, der befördert eine Radikalisierung der Tierschützer. Wer die dramatische Klimaveränderung negiert oder verharmlost und politische Entscheidungen nur soweit trifft, dass es den Verbrauchern fossiler Energien nicht weh tut, befördert eine Radikalisierung der Klima-Bewegung. Wer sich in der Pandemie nicht offen und argumentativ mit Skeptikern der Corona-und Impf-Maßnahmen auseinandersetzt und sie verbal in eine Ecke mit Spinnern und Psychopathen stellt, der befördert eine Radikalisierung der Corona- und Impf-Skeptiker.
Damit die Mehrheit der Bevölkerung bei der nächsten Wahl wieder CDU, CSU, DIE GRÜNEN, DIE LINKEN, FDP, SPD und AFD wählt oder nicht zur Wahl geht, wird über eine bewusst beförderte Radikalisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen die Gesellschaft gespalten und die Mehrheit verängstigt.
Die radikalisierten Bevölkerungsteile durchschauen dies leider nicht und „spielen“ das „Spiel“ der Herrschenden mit.

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