„am schwersten ist es, über viele Jahre den Respekt und diesen gewissen Abstand voneinander zu wahren“

» Wenn ich Leuten von meinem Buch erzähle, fragen sie mich manchmal nach einfachen Lösungen. Wie macht man das denn nun, zusammenbleiben? Wie ist die Formel für ewige Liebe und Glück? Die steht auf einer goldenen Tafel am Ende des Regenbogens, gleich neben dem Brunnen der ewigen Jugend, möchte ich dann sagen.

Die Antwort ist natürlich viel nüchterner, wenig formelhaft und fesselnd: Es ist von Vorteil, wenn wir im Vorfeld, das heißt – bei der Partnerwahl – ein glückliches Händchen gezeigt haben, wenn sich im Partner nicht nur die enttäuschten Kindheitssehnsüchte -oder üblichkeiten widerspiegeln, wenn wir nicht nur guten Sex haben, sondern auch gute Gespräche führen und auch mal streiten können, wenn wir grundsätzlich ähnlich auf das Leben blicken und über dieselben Sachen lachen können. Eine Freundin meinte mal zu mir (es dämmerte bereits und wir guckten den Kindern beim Rumlaufen zu): Es muss schon so sein, dass man mit dem anderen das Gefühl hat, dass es da noch weiter geht, dass es weitere gemeinsame Räume gibt. Solange der andere in genau diesem Sinne interessant ist, dass er Türen öffnet und nicht schließt, sollte man an der Beziehung festhalten.

Und neben dieser grundsätzlichen Voraussetzung der Passung und des Wohlwollens ist eine Liebesbeziehung – wie jede andere Beziehung auch – Arbeit. Auch die zu den eigenen Kindern oder zu den Eltern. Immer müssen wir, um gegenseitiges Verständnis und Zärtlichkeit zu erzeugen und zu halten, Interesse zeigen, uns Mühe geben, uns einfühlen, zurücknehmen und einlassen auf diese andere Welt und die Bedürfnisse, die nicht die eigenen sind. Diese Balance zwischen permanenter Nähe und Distanz durch Autonomie ist selten von Natur aus da. Wir müssen selbst immer wieder diese kleinen Schritte aufeinander zu und voneinander Weg gehen, den Blick nach oben richten, zu den Möglichkeiten und weg von den kleinen Ärgernissen.

Ich glaube, am schwersten ist es, über viele Jahre den Respekt und diesen gewissen Abstand voneinander zu wahren, nicht dem Glauben zu verfallen, den anderen in- uns auswendig zu kennen und schon vorsorglich genervt zu sein, wenn er/sie den Mund aufmacht. Sondern sich immer wieder die Augen von den gemeinsamen Jahren auszuwaschen und den anderen anzuschauen wie ein Bündel voller Geheimnisse und ungeahnter Möglichkeiten, wie den Fremden, der er im Grunde auch ist. «

Susanne Wawer | facebook  |  08.03.2020 | https://www.facebook.com/wasunsausmacht/posts/2881813881857610

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6 Antworten zu „am schwersten ist es, über viele Jahre den Respekt und diesen gewissen Abstand voneinander zu wahren“

  1. Christiane schreibt:

    Ein sehr kluger Text. Ich lese und nicke.
    Rutsch gut rüber ins neue Jahr, lieber Bernd. Möge es uns wohlwollen und seinen Zauber über uns ausschütten ❤️.
    Morgenkaffeegruß 😁🌟🎶☕🍪👍

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    • Liebe Christiane,

      ja, das dachte ich auch. –

      Danke! Habe auch du einen schönen Jahreswechsel.

      Wohlwollen ist gut. Ich bin überzeugt, je mehr wir selbst wohlwollend handeln, desto mehr Wohlwollen wird uns widerfahren.

      Zauber? Nein, danke. Für Zauber habe ich einen blinden Fleck. Wirklichen Zauber erkenne ich nicht und falschem Zauber gehe ich auf den Leim. (-;

      Liebe Grüße, lass dir deinen Kaffee schmecken, ich werde mir jetzt mal meinen zweiten kochen, Bernd (-:

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      • Christiane schreibt:

        Oh. Das hätte ich nicht gedacht, das mit dem Zauber, Entschuldigung. Ist für dich aller Zauber künstlich? Du kannst dich in Musik fallen lassen, birgt das Erleben keinen „Zauber“ für dich? Bräuchte es vielleicht nur ein anderes Wort, das besser besetzt ist?
        Immer-noch-Kaffee-Gruß 😁☕🍪👍

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        • Keine Sorge, das Wort „Zauber“ triggert mich nicht. Doch, ich liebe den Zauber der Musik, den Zauber, der in Filmen und Serien steckt, den Zauber in Bücher, den zwischen den Zeilen, in den Worten und Satzstellungen, den Zauber der Natur und den Zauber der Zuneigung eines Haustieres. Nur im Zwischenmenschlichen habe ich das Gefühl für den Zauber verloren. Einmal zuviel an Zauber geglaubt und einer Illusion erlegen. Gefühle missbraucht. Deswegen: blinder Fleck. Was ist daran Zauber, Illusion, Herzlichkeit, Freundlichkeit?
          Kaffee-Gruß zurück, Becher ist gefüllt. (-:

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          • Christiane schreibt:

            Das heißt, wenn ich das in meine Worte übersetze, dass du dir selbst misstraust, dass du das Vertrauen in dich verloren hast?
            Die gute Nachricht: Das kann heilen. Die schlechte Nachricht: Es tut weh, man muss sich selbst konfrontieren, es tut weh, man muss Abstand zu sich selbst bekommen und einen Schritt weitergehen – um es dann eventuell noch einmal zu wagen – es tut weh, und es dauert.
            Ich kenne das auch. Ich könnte gefühlt Bände dazu schreiben, aber nicht öffentlich in einer Kommentarspalte 😢😩, denn da gehört es nicht hin.
            Danke dir für die ehrliche Antwort 😁

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          • Nein, *lach*, so tiefenpsychologisch ist es nicht. Meinen Gefühlen kann ich vollständig vertrauen. Da gibt es keine Unsicherheit. Es ist nur der Zauber, den ich entweder nicht erkenne oder ihn sehe, wo er nicht ist. Aber das ist nicht nur beim Zauber so. Ich kann grundsätzlich nicht zwischen Zeilen lesen oder etwas durch die Blumen erkennen. Ich brauche Eindeutiges. LG

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