„Verglichen mit der Klimakrise und verglichen mit der Nachhaltigkeitskrise insgesamt ist das, was wir hier momentan meistern als Gesellschaft, eine kleine Herausforderung.“

» […] Für die Klimaaktivisten steht einiges auf dem Spiel. Wie keine Protestbewegung zuvor habe Fridays for Future den Klimawandel in die Öffentlichkeit gerückt
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„Eine ungeheure Dynamik hat diese Bewegung entwickelt, von Schülerinnen und Schülern getragen, denen im Grunde gelungen ist, was den vorherigen Klimaprotesten nicht gelungen ist: Das Thema wirklich zu einem breit gesellschaftlich diskutierten Thema zu machen, was massenhaft Protest auf die Straße gebracht hat.“
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Mit Kontaktbeschränkungen und Demoverboten verschwand dieser Protest von der Straße.
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Die Einschränkung ihrer Proteste trifft die Klimabewegung zu einer kritischen Zeit. Denn nicht nur die Demonstrationen verschwanden. Die Corona-Pandemie zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass für andere Themen wenig davon übrigblieb.
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„In beiden Krisen ist es so, dass es eine extreme Ressourcenübernutzung gibt. Beim Klimathema ist es natürlich die Ressourcennutzung fossiler Energieformen wie Kohle, Öl und Gas. Bei COVID-19 war es dadurch hervorgerufen, dass der Wildtierkonsum extrem angestiegen ist. Und das zeigt, in was für einer Schieflage unser Verhältnis zur Natur bereits ist.“
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Klimaschützer befürchten, dass die Konzentration auf die Corona-Pandemie dazu führen könnte, dass heute wichtige Weichenstellungen gegen den Klimawandel verpasst werden.
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„Verglichen mit der Klimakrise und verglichen mit der Nachhaltigkeitskrise insgesamt ist das, was wir hier momentan meistern als Gesellschaft, eine kleine Herausforderung. Wir stehen tatsächlich vor viel größeren Herausforderungen. Wir stehen nicht vor der COVID-Infektionswelle, wir stehen vor einer Welle von existenzbedrohenden Handlungsnotwendigkeiten im Zeichen der der Klimakrise, der Biodiversitätskrise, der sozialen Nachhaltigkeitskrise weltweit.“
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In der Corona-Krise zeige die Bundesregierung eine Entschlossenheit, die im Fall der Klimakrise bislang vermisst werde.
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„ […] Weil die Folgen [des Klimawandels] eben erst zeitversetzt eintreten, haben vielleicht bestimmte Entscheidungsträger auch nicht das Gefühl, dass sie jetzt handeln müssten.“
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Naturkatastrophen, die zumindest mit dem Klimawandel in Verbindung stehen, waren auch in diesem Jahr weltweit zu verfolgen: Waldbrände in Australien und Kalifornien, die allein dort 100.000 Menschen zur Flucht getrieben haben. Ungewöhnliche Hitze und Waldbrände in Sibirien. […] Bodennahe Luftschichten könnten sich um durchschnittlich fünf Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit erwärmen.
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Der Green Deal, das Klimaprogramm der EU-Kommission, ist aus Sicht von Aktivisten ein Beispiel dafür geworden, wie Klimapolitik zwar propagiert, dann aber nicht umgesetzt werde.
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„Die Bundesregierung versucht, Entscheidungen unter dem Corona-Radar verschwinden zu lassen. Die katastrophale Einigung zur Landwirtschaft in Brüssel würde bedeuten, dass weiterhin fast 400 Milliarden im Wesentlichen als Grundbesitzprämie fließen und eben nicht an saubere Luft, Wasser und Boden und gute Tierhaltung geknüpft sind. Der jetzige Entwurf der Novelle zum Erneuerbare-Energien-Gesetz würde dazu führen, dass wir weniger Wind- und Solaranlagen in den nächsten Jahren in Deutschland haben werden. Das Klimagesetz in der EU soll nicht rechtzeitig zu Ende dieses Jahres fertig verhandelt werden, obwohl das das Ziel der deutschen Ratspräsidentschaft war.“

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist in den Augen von Klimaschützern ein weiterer Beleg für die ihrer Ansicht nach halbherzige Klimapolitik der Bundesregierung.
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Sie wollen der Politik deshalb zeigen, wie es gehen kann. […] haben sie kürzlich eine Machbarkeitsstudie des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie vorgestellt, die sie schon Anfang des Jahres in Auftrag gegeben hatten. Sie soll beweisen, dass sich das 1,5-Grad-Ziel einhalten lässt, wenn die richtigen politischen Weichen gestellt werden: vor allem die Abschaffung fossiler Energieträger und eine entschiedene Verkehrswende. […] Fridays-for-Future-Sprecherin Carla Reemtsma kündigte an, dass sie die Parteien zu einer Festlegung drängen wollten.

„Wir werden in unserer Arbeit im nächsten Jahr danach streben, dass alle demokratischen Parteien Parteiprogramme haben, die eben Paris-konforme Pläne vorlegen und damit zum Beispiel einen Reduktionspfad bis 2035 verfolgen.“
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„ […] wir haben in der Corona-Krise gelernt, wie schnell Dinge unsere ganzen Lebensumstände verändern können und dass man schnell und entschlossen darauf reagieren muss. Und genau dasselbe möchten wir in Punkto Klimakrise auch. Wir müssen jetzt was tun, sonst ist es einfach zu spät.“
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„Ich denke, beim Klimawandel ist es einfach wichtig, dass wir diese systemische Transformation voranbringen. […] Es ist einfach ausschlaggebend, ob die Gesellschaft einen anderen Kurs einschlägt.“
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„Man sieht eben jetzt auch, und ich glaube, das ist auch das, worauf die Aktivisten anspielen, dass sehr viele Gelder freigesetzt worden sind, um das Problem zu beheben oder die Wirtschaft am Laufen zu halten und so weiter. Und da stellt sich natürlich schon die Frage, dass wir jetzt seit ungefähr 30 Jahren darüber debattieren, wie das Klima-Problem zu lösen sei, und noch immer nicht die Finanzströme in die richtige Richtung gelenkt wurden.“
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Im Konjunkturpaket, den Nothilfen, finanziellen Zuschüssen, Darlehen und steuerlichen Erleichterungen für die Wirtschaft, wurde […] nicht darauf geachtet, ob die Produkte und Dienstleistungen klimafreundlich sind.
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Experten des Thinktanks Agora Energiewende stellten im Oktober eine Studie vor, wonach die richtigen öffentlichen Investitionen Deutschland bis 2050 klimaneutral machen könnten.

„Erstens: Erneuerbare Energien ausbauen, sie ersetzen Kohle und Gas. Zweitens: Wir fahren und heizen dann elektrisch, Strom wird unser wichtigster Energieträger. Drittens: Wir sanieren unsere Häuser, am Schluss brauchen wir kaum mehr Energie für unsere Gebäude. Und viertens: Wasserstoff befeuert unsere Hochöfen, die chemische Industrie, Flugzeuge und Schiffe“ […] «

Benjamin Dierks :: Deutschlandfunk Hintergrund :: 01.11.2020 :: Konkurrenz um Aufmerksamkeit: Wie sich Corona auf die Klimakrise auswirkt ::

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Hören/Lesen: Webseite des Deutschlandfunks:

https://www.deutschlandfunk.de/konkurrenz-um-aufmerksamkeit-wie-sich-corona-auf-die.724.de.html?dram:article_id=486774

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