„Entweder wir ändern diese Welt, oder keiner tut es.“

» […] Wir leben unter der Weltdiktatur der Oligarchien des globalisierten Finanzkapitals. Laut Weltbank kontrollierten 2018 die 500 größten Privatkonzerne 52,8 Prozent des Weltbruttosozialproduktes, also aller in einem Jahr auf der Welt produzierten Reichtümer. Eine Macht, die kein König, kein Papst auf diesem Planeten je hatte. Und die sogar die größten Staaten der Welt im Griff hat.

Alle fünf Sekunden verhungert ein Kind unter zehn Jahren. Auf einem Planeten, von dem die Uno sagt, seine Landwirtschaft könnte problemlos zwölf Milliarden Menschen ernähren, fast das Doppelte der Weltbevölkerung. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.

Der einzige Motor der Oligarchen ist die Profitmaximierung in möglichst kurzer Zeit, zu jedem menschlichen Preis. Und nun sehen wir, dass sie durch die Klimaerwärmung sogar den ganzen Planeten bedroht. Es braucht dagegen radikale Reformen, die die Zivilgesellschaft durchsetzen muss. Entweder wir zerstören diesen Kapitalismus, oder er zerstört uns.
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Ausschlaggebend ist die Entfremdung. Das Kollektivbewusstsein ist zubetoniert durch die neoliberale Wahnidee.
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Es geht nun darum, diese Betondecke aufzubrechen, und das wird die neue Zivilgesellschaft tun. Die Bruderschaft der Nacht aus unzähligen Bewegungen von Attac, Amnesty und Greenpeace über die Schülerdemos bis zur Frauenbewegung ist stark und gehorcht keiner Parteilinie und keinem Zentralkomitee. Sie ist getrieben allein vom kategorischen Imperativ Kants: „Die Unmenschlichkeit, die einem anderen angetan wird, zerstört die Menschlichkeit in mir.“
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Die Gelbwesten sind ein Zeichen dieses Aufbruchs. […] Millionen sind mobilisiert, die anklagen, dass seit der Klimakonferenz von Paris 2015 der CO2-Ausstoß weiter steigt. Entweder die Zivilgesellschaft zwingt die Regierungen, die Weltherrschaft des Kapitals zu brechen und einen neuen Gesellschaftsvertrag zu schaffen. Oder das Ende der Menschheit ist nah.
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Die Notwendigkeit, den Kapitalismus zu zerstören, erkennen aber immer mehr Menschen, das gibt mir Hoffnung, dass wir gewinnen. Che Guevara hat gesagt: „Auch die stärksten Mauern fallen durch Risse.“
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Wir müssen die neoliberale Wahnidee zerstören.
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Warren Buffet, der siebzehntreichste Mensch der Welt, sagt in Interviews: „Richtig, es gibt Klassenkampf auf dieser Welt. Aber es ist meine Klasse, die ihn führt. Und wir gewinnen.“ Das ist also weiter eine adäquate, zeitgenössische Beschreibung der Realität. Dieser Kampf wurde von den Oligarchen losgetreten. Sie führen ihn, auf dass die Reichen sehr schnell viel reicher und die Armen sehr schnell viel ärmer werden.
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Von 2 Milliarden Tonnen Getreideernte weltweit gehen 500 Millionen in Viehfutter. Geht der Fleischkonsum zurück, gibt es mehr Nahrung für die Hungernden. […] Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, ist kein Unglücksfall, das ist Mord.
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Beim letzten Weltsozialforum trafen sich mehr als 8000 Bewegungen, getragen nur vom Gedanken der Solidarität und Komplementarität. Wir können die Betondecke der Entfremdung durchbrechen.
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gleichzeitig erlebe ich, dass die Wasserlinie des Kollektivbewusstseins steigt. Wie sich das neue Bewusstsein durchsetzen wird, wissen wir nicht. Wir wissen auch nicht, was aus den Trümmern der kapitalistischen Produktionsweise und der kannibalischen Weltordnung erwächst. Aber wir wissen mit Georges Bernanos eines: „Gott hat keine anderen Hände als die unseren.“ Entweder wir ändern diese Welt, oder keiner tut es. […] «

René Zipperlen, Jean Ziegler [1] (Soziologe, Politologe) :: Badische Zeitung :: 07.04.2019 :: „Hungertod ist Mord“ :: https://www.badische-zeitung.de/suedwest-1/hungertod-ist-mord

[1]: https://de.wikipedia.org/wiki/Jean_Ziegler

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7 Antworten zu „Entweder wir ändern diese Welt, oder keiner tut es.“

  1. gkazakou schreibt:

    Mir gehts ein wenig wie meinem Vorredner: die Fragen sind die richtigen, wie denn auch nicht, es pfeifen ja die Spatzen von den Dächern, dass die Reichen zu reich und die Vielen zu arm sind, dass der Kapitalismus auf Profit und nicht auf Menschenliebe aus ist und die Reichsten einen erbarmungslosen Klassenkampf nach unten führen und ihn offenbar auch gewinnen. Die Antworten sind, wie immer, fragwürdig, da zu viele Bewegungen in einen Topf geworfen werden und andere fehlen, aber sie bleiben im Einzelnen diskussionswürdig.
    Selbstverständlich habe ich auch keine überzeugende Antwort, außer dem ganz persönlichen Lebenskonzept, dem ich mehr oder weniger konsequent folge und das sich nicht verallgemeinern lässt. Wichtig ist, dass wir, jeder für sich und auch im Austausch untereinander, weiter sucht und forscht, und handelnd das Seine beiträgt zu einer besseren Welt.

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    • Wie eben beim Vorredner schon geantwortet, habe ich keine Hoffnung mehr, dass die heutige Menschheit noch überlebt. Das macht mich nicht depressiv, sondern es macht Sinn, trotzdem, bis zum bitteren Ende, und jeder mit seinen Gaben, für eine bessere Welt einzutreten (und sei es, bei den kommenden Fluchtbewegungen, dem Nachbar seinen Rucksack zu tragen). Liebe Grüße, Bernd

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  2. tomfmr schreibt:

    Die aufgeworfenen Fragen sind zweifellos die richtigen und wichtigen.

    Die Antworten in dem Beitrag überzeugen mich leider nur teilweise. Das fängt mit dem Zitat der UNO an, die sagt, 12 Millionen Menschen könnten ernährt werden. Das ist erstens nicht fast das Doppelte von aktuell 7,8 Mio. und zweitens waren und sind solche Modellüberlegungen einer optimalen Nahrungsmittelverteilung viel zu utopisch. In der Praxis funktioniert das nie. Nahrung verdirbt schnell, da hilft ein Bewusstsein gegen Food waste nur ein bisschen. Die Hälfte der Nahrung verdirbt, bevor sie gegessen wird. Es ist bezeichnend, dass für die Autoren, wie auch für die UNO, die WHO, etc. Überbevölkerung einfach kein Thema ist.

    Die Gelbwesten sind kein „Zeichen des Aufbruchs“. Ihr Protest richtete sich vor allem gegen steigende Benzinpreise. Wie soll das mit Widerstand gegen steigenden CO2-Ausstoss zusammengehen? Das ist der nämlich der Punkt: Die verrückte Idee, es müssten immer die anderen bezahlen.

    Wie könnte der Fleischkonsum zurückgehen? Schaut man sich um auf der Welt, so gibt es nur in Indien eine wirklich nennenswerte Anzahl Vegetarier und Veganer, nämlich mehrere hundert Millionen. Das ist auch nicht Ausdruck von Armut, von sich Fleischkonsum nicht leisten zu können. Diese Menschen kommen aus allen Klassen und Kasten. Es ist vielmehr eine spirituelle Haltung, die sie dazu bringt. Wie weit entfernt von dieser Haltung sind nun die Gelbwesten…?

    Die neoliberale Ideologie ist leider absolut verlockend: grenzenloses Wachstum, totale Globalisierung, Freihandel, freier Waren-, Kapital- und Personenverkehr, immer neue, tolle, aber oft eigentlich unnötige Produkte für alle die Spass haben wollen… In diesem hübschen Boot sitzen die linken Parteien zum grossen Teil mit drin, das erkennen die Autoren. Ich würde aber zu behaupten wagen, dass Gelbwesten, Schülerproteste und sonstige auf partikulare Vorteile ausgerichtete Bewegungen dem leider wenig entgegen zu halten vermögen. Falls es so ein Ding wie ein zubetoniertes Kollektivbewusstsein gibt, so liesse sich dies meiner Meinung nach nicht durch ein Potpourri von Partikularinteressen ändern, die zwar verständlich sind, aber kaum den Ausweg aus der globalen Selbstzerstörung weisen können. Ein gemeinsames Feindbild ist zu wenig. Ein Blick nach Indien würde in aller Bescheidenheit vielleicht einen Anfang weisen: Das Bewusstsein der Leute sollte sich auch einer spirituellen (nicht religiösen) Dimension öffnen. Nur wenn man diesen blauen Planeten als so etwas wie ein lebendiges Geschöpf achtet, ist eine Basis für Veränderung geschaffen.

    Es kann ohne diese spirituelle Dimension einfach nicht sein, auf Zerstörung aller Machtstrukturen zu setzen und dann zu schauen, was folgt, wie die Autoren des Beitrags meinen. Was dann folgt, ist bekannt und noch viel schlimmer. Dann kommen die Stalins, Maos und Pol Pots.

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    • Es ist schade, dass das ganze Interview hinter einer Bezahlschranke liegt. Meine Auszüge werfen lediglich ein Blitzlicht auf es. Interessanter wäre es, Jean Zieglers Buch zu lesen.

      Ich habe keine Hoffnung, dass der Abstieg der Menschheit noch aufzuhalten sein wird.
      Ich frage mich nur, wie viele Menschen am Ende überleben werden; diese haben die Chance, sich als Teil des Planeten zu begreifen (und nicht als Herrscher über diesen).

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      • tomfmr schreibt:

        Hm, auch meine Hoffnung liegt da nur in einer verborgenen Ecke. Aber Kooperation und Liebe existieren immerhin genauso wie Konkurrenz und Hass unter den Leuten.

        Gefällt 3 Personen

        • Wie ich eben auf gkazakou antwortete: habe ich keine Hoffnung mehr, dass die heutige Menschheit noch überlebt. Das macht mich nicht depressiv, sondern es macht Sinn, trotzdem, bis zum bitteren Ende, und jeder mit seinen Gaben, für eine bessere Welt einzutreten (und sei es, bei den kommenden Fluchtbewegungen, dem Nachbar seinen Rucksack zu tragen). Genau, machen wir es uns schön, sorgen für unsere Glücksgefühle und kooperieren mit und lieben unsere/n Mitmenschen. Mehr können wir momentan nicht tun. Liebe Grüße, Bernd

          Gefällt 1 Person

        • diespringerin schreibt:

          Das ist der Funken. Mal sehen, wie weit er zu springen vermag und wer darauf schaut, dass das Feuer, das wärmt, nicht alles nur verbrennt …

          Gefällt 2 Personen

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