Miteinander. | abc.etüden

Was bisher geschah.: Teil 1Teil 2


Samstag, gegen Mittag, sahen sie sich wieder.

Sie gingen in der wärmenden Sonne am Ufer des sacht dahinfließenden Flusses spazieren, setzten sich auf die einladenden Bänke, blinzelten in die Sonne und sich gegenseitig in die Augen.

Sie hatten und nahmen sich reichlich Zeit, sich ihre Leben vor die Füße des jeweils anderen zu legen, erste Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu entdecken.

Strickjacke, trügerisch, entdecken  |  abc.etüden

Strickjacke, trügerisch, entdecken | abc.etüden

Vor ihnen breitete sich allmählich ein großer bunter Flickenteppich aus, mit vielen hellen und bunten, großen und kleinen Punkten, aber auch mit den grauen und schwarzen, nicht zu übersehenden Flecken.

Sie malten gedanklich zwei Kreise, die sich langsam annäherten, überlagerten, und die Schnittmenge wurde, für ihr erstes langes Gespräch, schon ziemlich groß.


Sie teilten eine feine Ironie, die sie oft auflachen ließ; sie unterbrachen die Gespräche nur für Fingerfood, Eiscreme und Kaffee und für minutenlanges, gemeinsames Schweigen auf Bänken – während ihre Hände auf der Sitzfläche ruhten, berührten sich ihre kleinen Finger zart an den Außenseiten.


Die Sonne war schon lange hinter den Häusern, Hügeln und Wäldern verschwunden, es dämmerte – blaue Stunde – die Tagwärme der Sonne war trügerisch, jetzt fröstelten sie.


Er öffnete seinen Rucksack, kramte ein wenig darin und zog einen Pullover und eine schwarze, abgewetzte Strickjacke heraus.


Er erklärte, das sei die Strickjacke seiner Oma gewesen, in die sie ihn damals, den Bub, an kühlen Abenden im Garten, wärmend einwickelte.


Er legte ihr die Strickjacke um die Schultern und Arme und lehnte seinen Kopf an ihren, sie erstarrte zunächst, erwiderte dann aber den sanften Druck – sie saßen noch lange da, ließen ihre Gedanken mit dem Plätschern der Wellen des Flusses davontreiben, spürten die aufkommende Gelassenheit, genossen die gegenseitige Wärme, die Herzschläge kamen zur Ruhe, und sie fühlten sich geborgen.


Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.


Fortsetzung am 18.03.2021


Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/02/21/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-08-09-21-wortspende-von-wortgeflumselkritzelkram/  |  Christiane  |  abc.etüden



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Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
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29 Antworten zu Miteinander. | abc.etüden

  1. Pingback: Broken dreams. | abc.etüden | Red Skies over Paradise

  2. Ohne die Vorgeschichte zu kennen berührt mich dieser Text in seiner Zartheit und vorsichtigen Annäherung sehr. Danke dir 🙏

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  5. Myriade schreibt:

    Sehr zart diese kleinen Unterschiede von einem Text zum nächsten und eine sehr interessante Idee, gefällt mir !

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  6. Werner Kastens schreibt:

    Das ist ja wie ein Salto mortale von Dir: eine Liebesgeschichte. Hätte ich nie gedacht!
    Wobei gestern in einem ARTE Film habe ich gelernt: Glücklich ist man eigentlich nur so lange, bis man das Glück erreicht hat, denn dann formen sich gleich schon wieder neue Wünsche, deren Erfüllung man herbei sehnt.
    Bin gespannt auf Deine Fortsetzung!

    Gefällt 2 Personen

    • Vielleicht ist das ja nur der Auftakt zu einer Reihe von Serienmorden? Ich wäre da mal nicht so voreilig. Pah, ich und Liebesgeschichte! Das gibt es gar nicht. | Glück gibt es nur in Momenten. Erstrebenswert ist Zufriedenheit, die lässt sich auch mit Gelassen- und Bescheidenheit herstellen. | Ich bin auch gespannt auf die Fortsetzung. (-;

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  7. Annuschka schreibt:

    Oder pink skies? Duck und weg😄

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  8. Annuschka schreibt:

    Eine wunderschöne, zarte Geschichte. Regelrecht poetisch. Gerne mehr davon.

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  9. Ulli schreibt:

    Ich seufze. Ich mag romantische Geschichten und das Zarte in deiner.
    (Therapie habe ich mir auch angeschaut. Mir gefiel vor allem der Mensch und sein eigenes Ringen in Gestalt des Therapeuten. Habe mir allerdings ein anderes Ende gewünscht)
    Herzliche Grüße
    Ulli

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  10. puzzleblume schreibt:

    Diese langsame Entwicklung in so vielen Bilder beschrieben zu lesen macht Freude. Dass am Schluss noch die emotional mit Familiengeschichte aufgeladene, alte Strickjacke wärmend umgelegt wird, wirkt wie ein wichtiger Höhepunkt von Vertrauen.

    Gefällt 2 Personen

  11. Karin schreibt:

    Och, wie schön, da werde ich ja ganz futterneidisch…will auch so einen Mann mit Strickjacke! -:))) Es tut einfach unheimlich gut, auch solche Geschichten wieder zu lesen, denn gegen Romantik ist dieser Virus machtlos.
    Fröhlich begeisterter Gruß zu Dir, Karin

    Gefällt 4 Personen

  12. wildgans schreibt:

    Wie schön. Besonders das Berühren der kleinen Finger an den Außenseiten…so zart…

    Gefällt 4 Personen

  13. Christiane schreibt:

    Sehr bewegend, fast zu schön, um wahr zu sein. Ich entdecke den Romantiker in dir 🌹🙂
    Gefällt mir gut. Schreibst du noch weiter, oder endet es hier?
    Morgenkaffeegrüße 😁⛅🌼☕🍪👍

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    • Vielen Dank! Ich bin ein hoffnungsloser Romantiker, introvertiert, deshalb tobt es innerlich, nicht äußerlich, deswegen „sieht“ man es nur selten. Ich schreibe immer spontan, deshalb warte ich ab, was sich in meiner Vorstelltung zeigt. Ich behalte es im Hinterkopf. Nein, abgeschlossen habe ich die Geschichte nicht. Genau, Kaffee, er ist gerade durchgelaufen „morgens halb zehn Uhr in Deutschland“. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 5 Personen

      • Christiane schreibt:

        Dann bin ich gespannt, was dir als Nächstes zufliegt. „Langsam wachsen lassen“ ist jedenfalls gut – wenn es klappt.
        Ich sehe die beiden auf der Bank sitzen und gemeinsam friedlich schweigen. Schön. 😁
        Liebe Grüße zurück!

        Gefällt 4 Personen

        • Es ist schön, sich der Sehnsucht hinzugeben (und sich aber nicht darin zu verlieren). Eine Möglichkeit in Pandemie-Zeiten, Glücksgefühle zu erzeugen. Es wäre auch mal ein Experiment Wert, eine Fortsetzungsgeschichte im Tempo des Zauberbergs zu schreiben, also sehr langsam; es wäre dann sozusagen eine Lebensaufgabe. Mal sehen. Ich jedenfalls, sitze jetzt erst einmal alleine schweigend in meinem Homeoffice vor zwei PCs. Liebe Grüße

          Gefällt 4 Personen

          • Christiane schreibt:

            Ich auch (Homeoffice, PC und Laptop, Kaffee). :-D
            Aber: Eine Geschichte zu schreiben, von der man nicht weiß, wie sie endet, bringt früher oder später Probleme mit sich, wenn man den Anfang oder gewisse Begebenheiten nicht mehr editieren kann. Hat ihren eigenen Reiz, klar (das hat alles), wird dann aber leicht langatmig.
            Sorry, jetzt lasse ich dich ;-)

            Gefällt 1 Person

          • Ja, da hast du Recht, in den Banalitäten des Alltags möchte ich mich dann nicht verlieren.

            A propos Langsamkeit: Ich kann die Serie „In Therapie/En Thérapie“ bei ARTE nur empfehlen: sie zeigt einen Psychologen bei der Arbeit mit fünf Klient*en über 7 Wochen. Jede Folge ist eine Sitzung mit eine* Klient*n (ca. 20 Minuten). Toll gemacht. Ich vergesse beim Schauen, dass es fiktiv ist und dass es Schauspieler sind. Oft sehr berührend. Ich habe bislang nur 10 Folgen gesehen und bin schon begeistert.

            Gefällt 2 Personen

          • Christiane schreibt:

            Danke für die Empfehlung. Gerade gesucht. Ist auch online. Lösch den Link, wenn du ihn nicht magst.
            https://www.arte.tv/de/videos/RC-020578/in-therapie/

            Gefällt 1 Person

          • Analog wird sie zurzeit nach und nach gesendet. Wer die Direktlinks zu den mp4-Dateien zum Download haben möchte, dem kann ich sie, die Links, zusenden oder in den Kommentar schreiben.

            Gefällt 1 Person

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