„Dort, wo man seine Freundeslisten nach Anschauung säubert, putzt man am Ende auch Menschen weg.“

» […] Corona hat die Bereitschaft zum Cleanen der Filterblase potenziert.
… | …
Filterblase. Die gefilterte Auswahl von Menschen, die man medial auf sich einprasseln lassen will. Dass die dann bitte so zu ticken haben, wie ich mir das vorstelle: Man kann das als legitim erachten – oder als dumm und ignorant. Die Welt ist nämlich so nicht.
… | …
Natürlich hat jeder grundsätzlich den Hang dazu, sich mit Leuten zu verbinden, die ihm relativ angenehm sind, dieselben Ansichten teilen oder mit denen man weltanschaulich konform geht. […] Dabei müsste man gerade solche Charaktere unbedingt wahrnehmen, die anders ticken. Denn sich die Meinung Andersdenkender zumindest anzuhören und nach Ursachen für diese Denke zu forschen: Das ist was Demokratisches. Muss man ertragen können. Es für so unerträglich zu halten, dass man sich in einen Mikrokosmos an Konformität einigelt, das zeitigt gefährliche Tendenzen, denn es untergräbt die Überzeugungsarbeit und den politischen Kampf um Mehrheiten und untergräbt die Wahrheitsfindung.
… | …
Die Bubble ist insofern eine Traumwelt, weil sie einem vorspielt, dass das, was man selbst denkt und glaubt, ja von allen gedacht und geglaubt wird – gedacht und geglaubt werden müsste. Dass da jemand Gegenteiliges denkt und glaubt: Das zerschießt die ganze schöne Harmoniesucht.
… | …
Der Filterbläser definiert stattdessen alle anderen als Dummköpfe, mit denen es sich nicht mehr zu streiten, die es sich nicht mehr anzuhören lohnt.

Da ist das Entfreunden und Blocken doch so viel einfacher. […] Sie wegzuklicken ändert gar nichts. Es macht nur blind und taub für das, was wirklich los ist in diesem Land.
… | …
Warum ist der so? Woher kommt sein Misstrauen gegen die Regierung? Diese Leute kamen ja nicht als Staats- und Regierungsverdrossene zur Welt. Sie sind Teil des gesamten Prozesses, den wir erleben.
… | …
Säuberungswellen zur Reinhaltung der Bubble, die sollte man tunlichst unterlassen. Sie sind nicht nur Ausdruck eines zutiefst undemokratischen Geistes
… | …
Eine Kompetenz und Kunst ist es nun, den anderen gelten zu lassen. Er darf ja so ticken. Man kann sich fetzen mit ihm, Argumente vorbringen, die er nicht annehmen muss. Aber ihn ausschließen? Das ist kein Mittel – das ist intellektuelle Hilflosigkeit.

Heinrich Heine schrieb etwas mehr als hundert Jahre, bevor die Nationalsozialisten Presseerzeugnisse den Flammen übergaben, dass man dort, wo man Bücher ins Feuer werfe, am Ende auch Menschen verbrenne. Heute würde er unter Umständen prognostizieren, dass man dort, wo man seine Freundeslisten nach Anschauung säubert, am Ende auch Menschen wegputzt.
[…] «

Roberto J. De Lapuente  ::  neulandrebellen  ::  20.05.2020  ::  Du bist nicht mehr mein Freund!  ::  https://www.neulandrebellen.de/2020/05/filterblase-du-bist-nicht-mehr-mein-freund/

Anmerkung: Mein Problem sind nicht die anderen Gedanken. Diese sind wichtig, weil man an ihnen seine eigenen Gedanken schärfen kann oder die Gedanken die Richtung wechseln können. Mein Problem mit Beginn der Pandemie ist der Ton, der diese anderen Gedanken viel zu oft transportiert: es wird zu selten sachlich vorgetragen, stattdessen liest man Worte und (Ab-)Sätze bei denen man förmlich die Schnappatmung der/des Verfasserin/Verfassers zu hören meint. Statt Sachlichkeit trifft mich die volle Emotionalität von Wut und/oder Angst. Dies ertrage ich nicht; es überstimuliert mich. Von solchen Verfasser*n trenne ich mich, muss ich mich um des Selbstschutzes Willen trennen. Ein negatives Beispiel ist die Entwicklung des „RUB|KON“, der spottet, höhnt und hetzt. Ein positives Beispiel ist „multipolar“. Meine Vermutung ist, dass der Tonfall kein Zufall ist.

Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. Ich möchte, durch die Zitate, meine LeserInnen motivieren, den vollständigen Artikel des Urhebers zu lesen. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.


Impressum/Datenschutz/Datensicherheit

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPLink, Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu „Dort, wo man seine Freundeslisten nach Anschauung säubert, putzt man am Ende auch Menschen weg.“

  1. nandalya schreibt:

    Rubikon, KenFM, SPIEGEL, taz, TE etc. sollte man nach Möglichkeit mit emotionaler Distanz lesen. Das ist für sensible Menschen schwer, aber möglich. Filtere dir nur die Infos aus den Beiträgen und denk nicht weiter darüber nach, ob der Autor eventuell eine linksrechtsmittigliberale Gesinnung hat.

    Gefällt 1 Person

    • Es ist nicht die Gesinnung, es ist die maßlose Sprache, die stakkatoartige Übertreibung. Demagogie. Hier wird versucht, die Frustrierten zu sammeln und zu binden. Auch die NachDenkSeiten reihen sich allmählich ein.

      Gefällt 2 Personen

      • nandalya schreibt:

        Was du, was wir erleben, ist quasi das letzte Gefecht. Man benutzt Taktiken und Waffen der Gegenseite. Ob bewusst oder unbewusst ist die Frage, der du nachgehen solltest. Zum Teil kann ich verstehen warum so gehandelt wird. Auch ein Albrecht Müller ist und bleibt ein normaler Mensch, dem die „Krise“ zusetzt. Gleiches gilt für Ken Jebsen und die Autoren des Rubikon. Ich lese eine Spur Verzweiflung in diesen Beiträgen. Ja, die sind wirklich gut, aber es ändert sich scheinbar nichts!

        Versuch es, Bernd, wahre emotionale Distanz zu den Beiträgen. Filtere die Infos heraus und vergiss die Demagogie sofort wieder. Glaub mir, das funktioniert auch bei dir. Nimm einen beliebigen Beitrag, den du anders als der Autor siehst. Dann schreibst du einmal emotional auf, was deiner Meinung nach falsch ist und wo sich der Autor irrt und einmal eine sachliche, nüchterne Gegenrede. Oder eine Mischung aus beiden Seiten. Dann wartest du einige Zeit und liest das Korrektur, um es letztlich als Beitrag zu veröffentlichen. Wie wäre das?

        Gefällt 1 Person

  2. Annuschka schreibt:

    Das, was du als Anmerkung daruntergeschrieben hast, trifft genau auch mein mulmiges Gefühl. Ich bin gern bereit, mich mit jemandem auseinanderzusetzen, der oder die auch diese Bereitschaft mir gegenüber erkennen lässt. Und zwar respektvoll und auf Augenhöhe. Ich kann auch akzeptieren, dass mein Gegenüber eventuell von mir auch denkt: „Hilfe, wie kommt sie denn bloß auf diese Meinung?“ Was ich überhaupt nicht abkann, ist, wenn mir pauschal vorgeworfen wird, dass ich mit einigen Ansichten regierungsweichgespült bin und nicht selber denke. Das wird der Sache nicht gerecht und mir auch nicht. Dann klinke auch ich mich aus Selbstschutz aus. Im real life muss ich ja auch nicht mit allen gut Freund sein.
    Rubikon, Steingart, da gibt es einige, die mir zu einseitig werden. Das Portal von Albrecht Müller gehört zeitweilig auch dazu. Ich stehe total auf Differenzierung.
    Danke fürs Teilen, wir sind nicht allein, das ist schön zu wissen.
    Liebe Grüße, Anja

    Gefällt 1 Person

  3. Ulli schreibt:

    Mir geht es auch um den Ton und darum, dass Diskussionen dann nicht mehr möglich sind, wenn es ums Rechthaben geht. Das Rubikonmagazin lese ich nicht mehr.
    Ich wünsche dir eine gute Woche, herzlichst, Ulli

    Gefällt 2 Personen

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.