Lesezirkel. | abc.etüden

Nach Monaten saßen sie sich bei ihm am Tisch mal wieder gegenüber, und der fruchtige Duft des peruanischen Kaffees erfüllte den Raum und ihre Nasen.

Dackelfalten, fruchtig, scheppern  |  abc.etüden

Dackelfalten, fruchtig, scheppern | abc.etüden


Sie versicherten sich, dass es ihnen gut ginge, und ohne zu zögern fragte sie zwinkernd, ob er denn was zu lesen für sie hätte, denn er gab ihr immer seine Zeitschriften, sie wollte sie aber nur haben, wenn er nichts dafür verlange; sie steckte die zwölf Zeitschriften der letzten vier Monate ein.
Den Honig für ihn hatte sie vergessen; seit sie diesen Typ kennenlernte war sie abwesend, körperlich und geistig.

Obwohl sie sich erst kurz kannten, sei der Typ bereits zu ihr gezogen – nur wenig passte in ihre ungünstig geschnittene Eigentumswohnung, so dass er sich zusätzlich eine Garage anmieten musste.

Offensichtlich hatte sie Mr. Right gefunden, und er fragte sie, warum sie sich denn nicht zusammen eine größere Wohnung genommen hätten, dann hätte er genügend Platz und könnte seinem handwerklichen Hobby nachgehen, die Eigentumswohnung könnte man sicherlich gut vermieten.
Es wäre eine Win-Win-Situation, er spare sich die hohe Miete für seine große Wohnung, zahle ihr stattdessen eine kleinere Miete, und so könne sie schneller ihren Kredit für die Eigentumswohnung abbezahlen.
Es wäre sein Risiko, sich eine neue Bleibe zu suchen, wenn es mal anhaltend zwischen ihnen schepperte.

Sie hatten kaum Zeit, irgendein Thema zu vertiefen, bzw. sie wechselte immer dann das Thema, wenn es hätte tiefgründiger werden können.

Was war aus ihrer Freundschaft geworden; er hatte das Gefühl, die Zeitschriften waren wohl der eigentliche Grund ihres Besuches, die Lockdown-Leere musste wohl gefüllt werden …

Bereits nach zwei Stunden verabschiedete sie sich; auf dem Rückweg in den Wohnraum sah er im Spiegel die Dackelfalten auf seiner Stirn und dachte, nein, so wie meine Gedanken möchte ich nicht aussehen und zog die Stirn wieder glatt.


Die Personen und die Handlung der Geschichte sind frei erfunden. Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten oder lebenden oder verstorbenen Personen wären rein zufällig.



Inspiration: https://365tageasatzaday.wordpress.com/2021/03/21/schreibeinladung-fuer-die-textwochen-12-13-21-wortspende-von-puzzleblume/  |  Christiane  |  abc.etüden



Dieser Artikel ist unter CC BY-NC-ND 4.0 lizenziert. [Teilen erlaubt mit Namensnennung – Nicht-kommerziell – Keine Bearbeitung]



Impressum/Datenschutz/Datensicherheit

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPfiction abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

17 Antworten zu Lesezirkel. | abc.etüden

  1. Pingback: Schreibeinladung für die Textwochen 14.15.21 | Wortspende von Ludwig Zeidler und Irgendwas ist immer | Irgendwas ist immer

  2. puzzleblume schreibt:

    Der Blick in den Spiegel hat so einen Aufblitzen vom Bewusstsein dafür wie es zum „Bildnis des Dorian Gray“ kam, und scheint zugleich der isolierteste, aber aufrichtigste Moment im ganzen Text: jeder ist darin für sich, Sozialleben desillusionierend zweckmässig. Mag sein, dass der Lockdown unliebsame Wahrnehmungen bei den einen zutage fördert, bei anderen idealisierend verdrängt.

    Gefällt 1 Person

    • Danke. Vielleicht ist es die Momentaufnahme einer Freundschaft, in der das Pendel regelmäßig zwischen Nähe und Distanz schwingt; und/oder, dass dieses Pendel wieder synchronisiert werden muss, damit es für beide gleichzeitig in die eine oder andere Richtung ausschlägt. Liebe Grüße, Bernd

      Gefällt 1 Person

  3. nandalya schreibt:

    Es ist verwirrend für Leser zwischen dem Zeitschriften-Freund und „dem Typ / ihrem Freund“ zu unterscheiden. Namen helfen dabei.

    So vielleicht: Sie versicherten sich, dass es ihnen gut ginge, und ohne zu zögern fragte Sabine zwinkernd, ob Klaus denn was zu lesen für sie hätte …

    und

    Den Honig für Klaus hatte sie vergessen; seit sie Bernd kennenlernte war sie abwesend, körperlich und geistig.

    Gefällt 1 Person

    • Das sehe ich nicht so. Die ersten zwei Sätze haben nur zwei Personen, die sich aufeinander beziehen. Im Dritten Satz wird die dritte Person mit „der Typ“ eingeführt. Der vierte Satz bezieht sich eindeutig auf den Typen. Ab Satz 5 sind es wieder nur die beiden Personen vom Anfang. Ich weiß, dass ich es de* schnellen Leser* etwas schwer mache.

      Gefällt 2 Personen

      • nandalya schreibt:

        Natürlich sehen Autoren nie die eigenen Fehler, von denen es in deinem Text nur so wimmelt. 😉 Bitte nicht missverstehen, das soll kein Angriff sein!

        Nehmen wir deinen ersten Satz. Kannst du ihn laut vorlesen ohne dabei zu atmen? Vermutlich nicht, was den Lesefluss unterbricht. Wie viele unnötige „sie“ hat der Satz von denen ein „sie“ die beiden Personen meint und ein anderes „sie“ sich auf die Zeitschriften bezieht? Schreibtechnisch ist das eine Katastrophe.

        Nur als Beispiel:

        „Sie / Die beiden versicherten sich, dass es ihnen gut ginge, und ohne zu zögern fragte Sabine zwinkernd, ob Klaus etwas zu lesen hätte. Er gab ihr immer seine Zeitschriften, sie wollte diese aber nur haben, wenn er nichts dafür verlange. Schmunzelnd / Freudig steckte Sabine die Zeitschriften der letzten Monate ein.“ (Die Anzahl / Zahl ist für den Text unnötig)

        Das Satzmonster ist weg, die Sätze sind einfacher zu lesen / vorzulesen und der Inhalt verständlicher.

        „Den Honig für Klaus hatte Sabine vergessen; ein anderer Mann hatte ihr den Kopf verdreht. (Diese Kurzform ist nur ein Beispiel.)

        Obwohl sie sich erst kurz kannten, sei dieser Bernd bereits zu ihr gezogen – nur wenige seiner Möbel passten in Sabines kleine Eigentumswohnung, so dass er sich zusätzlich eine Garage mieten musste.

        Offensichtlich hatte Sabine (sie würde sich in diesem Fall auf die Garage beziehen) Mr. Right gefunden. Bernd hatte bereits vorgeschlagen eine größere Wohnung zu mieten. Dann hätte er genügend Platz und könnte seinem handwerklichen Hobby nachgehen, die Eigentumswohnung wäre sicherlich gut zu vermieten.

        Es wäre eine Win-Win-Situation, er spare sich die hohe Miete für seine große Wohnung, zahle Sabine stattdessen eine kleinere Miete, und so könne sie schneller ihren Kredit für die Eigentumswohnung abbezahlen.
        Es wäre sein Risiko, sich eine neue Bleibe zu suchen, wenn es mal anhaltend zwischen ihnen schepperte. (Zwei der Sätze beginnen mit „Es“ ein drittes „es“ findet sich unnötig im Satz. Das geht besser.)

        Beispiel: Bernd sprach von einer Win-Win-Situation …

        „Sie hatten kaum Zeit, irgendein Thema zu vertiefen, bzw. sie wechselte immer dann das Thema, wenn es hätte tiefgründiger werden können.“ (An dieser Stelle ist ein totaler Bruch im Text und der Leser fragt sich, wer mit „Sie“ gemeint ist.

        Sie hatten kaum Zeit das Thema zu vertiefen, Sabine vermied das geschickt.

        Klaus fragte sich, was aus ihrer Freundschaft geworden war. Sabine schien es nur noch um die Zeitschriften zu gehen, die Lockdown-Leere musste offensichtlich gefüllt werden.

        Bereits nach zwei Stunden verabschiedete sie sich … (Zwei Stunden sind eine durchaus lange Zeit. Wenn „sie“ ihn wirklich nur ausnutzt, wird sie keine zwei Stunden bleiben.)

        Bereits nach einer knappen Stunde verabschiedete sich Sabine. Das schmerzte. Auf dem Weg nach Hause sah Klaus im Spiegel (welcher Spiegel?) die Falten auf seiner Stirn. Nein, dachte Klaus, so wie meine Gedanken möchte ich auf keinen Fall aussehen. Sein Lächeln ließ die Falten verschwinden.

        Meine Vorschläge / Beispiele sollen genau das sein. Aber bitte verabschiede dich trotzdem von den vielen „sie“ und unnötigen Füllwörtern.

        Gefällt 1 Person

  4. Christiane schreibt:

    Klingt so, als sei die Freundschaft auf einem Abstellgleis gelandet. 🤔
    Möglicherweise fragt er aber auch das, was sie vermeidet, weil es ihr Bild von der neuen Liebe ankratzt?
    Nicht nur, dass sie den Honig vergessen hat, sie scheint sich auch gar nicht für ihn zu interessieren.
    Ich befürchte, dein Protagonist hat mit seiner Lockdown-Vermutung recht. Schade. 😕
    Danke dir, wieder sehr gerne gelesen. 🤔😉
    Morgenkaffeegrüße 😁🌥️🌼🐦☕🥐👍

    Gefällt 1 Person

  5. wildgans schreibt:

    Eine ziemlich denkbare Geschichte. Den Lebenszauber holt sie sich, wenn überhaupt, sicher irgendwo anders…Herren mit Dackelfalten im Gesicht haben für sie lediglich Geberqualitäten…
    Gruß von Sonja

    Gefällt 1 Person

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.