Verdachtsberichterstattung.

» […] Die Berichterstattung über ein Ermittlungsverfahren gegen einen früheren Nationalspieler wirft einige rechtliche Fragen über die sogenannte Verdachtsberichterstattung auf. Killt die BILD Existenzen und darf sie das?
… | …
Sexualdelikte stehen am untersten Ende der Beliebtheitsskala, nicht nur im Knast, sondern auch in der Bevölkerung. Und ganz besonders, wenn die mutmaßliche Tat sich gegen Kinder richtet. Da kocht schnell die Empörung über und der ein oder andere Wüterich neigt zur Lynchjustiz.

Es ist daher eine diffizile Angelegenheit in angemessener Art und Weise über solche Verfahren zu berichten, denn dass die Presse grundsätzlich über Ermittlungsverfahren berichten darf und u.U. sogar muss, steht fest.
… | …
2017 erlangte die deutsche Polizei Kenntnis von rund 14.900 Fällen von Kinderpornografie. Täglich könnte die BILD also von rund 41 Fällen berichten. Tut sie aber nicht, obwohl die Tat ja nicht mehr oder weniger schlimm ist, wenn sie von einem Nichtprominenten begangen wird. Es geht also weniger um eine Information der Öffentlichkeit über mutmaßlich begangene Straftaten, sondern eher darum, mit der Prominenz eines mutmaßlichen Täters den Voyeurismus der Leser zu befriedigen.
… | …
So ist alleine die Tatsache, dass es überhaupt ein Ermittlungsverfahren gibt, grundsätzlich kein Berichtsgrund. Das hängt damit zusammen, dass die Hürde für die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens äußerst niedrig ist. Es reicht ja schon, wenn irgendjemand Sie anonym anzeigt und behauptet, sie hätten Kinderpornos verschickt, um Ermittlungen auszulösen.
… | …
Auch innerhalb der Staatsanwaltschaft und der Polizei ist in diesem frühen Stadium eines Verfahrens Zurückhaltung bei der Information der Öffentlichkeit und der Presse angesagt. Das Strafrecht und die Pressefreiheit dienen nicht der medialen Hinrichtung.

Allerdings ist es grundsätzlich so, dass die Presse berichten darf, wenn die Staatsanwaltschaft selbst den Namen des Verdächtigen nennt und Informationen über das Verfahren an die Öffentlichkeit gibt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Staatsanwaltschaft ihrerseits abwägen muss, ob das öffentliche Interesse an der Berichterstattung das persönliche Interesse des Tatverdächtigen überwiegt.
… | …
Daher ist regelmäßig die Annahme gerechtfertigt, dass eine unmittelbar an die Grundrechte gebundene, auf Objektivität verpflichtete Behörde wie die Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit erst dann unter Namensnennung über ein Ermittlungsverfahren unterrichten wird, wenn sich der zugrunde liegende Tatverdacht bereits einigermaßen erhärtet hat
… | …
Die Frage, ob man der Arbeit der Ermittlungsbehörden trauen kann, beantwortet der Kollege Rechtsanwalt Mirko Laudon im Hinblick auf seine Erfahrungen – die viele Strafverteidiger, mich eingeschlossen teilen – auf strafakte.de mit einem klaren Nein.
… | …
Wenn stimmt, was die Staatsanwaltschaft in ihrer Pressemitteilung berichtet, dann hat der Tippgeber sich zunächst nicht etwa an die Behörden gewandt, sondern ausgerechnet an die BILD.
… | …
Wer zur BILD rennt, will entweder Kohle sehen oder er hat ein vitales Interesse daran, dass die BILD auch ausführlich berichtet. Und das tut sie dann ja auch breit und nahezu täglich wie unter anderem Ben Hoffmann auf bildblog.de dokumentiert [https://bildblog.de/114173/bild-und-die-kinderporno-ermittlungen/].
… | …
Das hat mit seriöser Berichterstattung nichts mehr zu tun, das ist ein medialer Pranger. Das ist einfach nur ekelhaft und wird hoffentlich im Falle einer späteren Einstellung des Verfahren spürbare Konsequenzen haben. Jörg Kachelmann hat dankenswerter Weise vorgemacht, wie man die BILD vor Gericht in die Knie zwingt. Allerdings werden die trotz der hohen Schmerzensgeldzahlung noch ihren Gewinn gemacht haben.
… | …
Wer nun allerdings meint, irgendein Whatsapp-Verlauf sei ein sicheres Beweismittel, der irrt. Einen solchen Verlauf fälscht ein 10-jähriger in fünf Minuten mit diesem Tool [https://www.fakewhats.com/generator].
… | …
Und deshalb ist es so wichtig, die Unschuldsvermutung trotz aller Sensationsgier bis zum rechtskräftigen Abschluss eines Verfahrens hochzuhalten. […] Und ja, BILD killt!
[…] «

Heinrich Schmitz  ::  Die Kolumnisten  ::  07.09.2019  ::  Killt BILD?  ::  https://diekolumnisten.de/2019/09/07/killt-bild/


Impressum/Datenschutz/Datensicherheit

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPLink abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.