An der Goldgrube.

» […] aus dem [„Milliardärsreport“ der Schweizer Großbank UBS und der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers] […]geht [hervor], dass die deutschen Milliardäre zwischen dem März 2019 und dem Juli 2020 um 95 Milliarden US-Dollar reicher geworden sind.
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freilich [ist] zu fragen, warum jemand, der eine solche Erfindung [die Entwickler von Covid-19-Impfstoffen wie die BioNTech-Chefs] gemacht hat und es damit praktisch über Nacht zu großem Reichtum bringt, eigentlich nicht durch eine Vermögensabgabe seinen Teil dazu beitragen soll, dass die Gesellschaft, welcher er diesen Erfolg verdankt, mit den gigantischen Folgekosten der Pandemie fertig wird.

Obwohl das Bundesforschungsministerium die Entwicklung des am 21. Dezember 2020 von der EU-Kommission zugelassenen BioNTech-Impfstoffs mit 375 Millionen Euro subventioniert hatte, musste das mit dem US-Pharmakonzern Pfizer kooperierende, schon in seiner Gründungsphase geförderte Start-up-Unternehmen diesen Betrag aus einem Sonderprogramm nicht zurückzahlen. Auch bekam die Bundesrepublik weder einen Rabatt auf den Abnahmepreis des Vakzins noch eine Beteiligung am Unternehmen eingeräumt. Vielmehr bezieht sie das Vakzin zum „Normalpreis“ von 16,50 Euro pro Einzeldosis, von denen jeder Impfkandidat zwei verabreicht bekommt.
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Die reichsten 45 Familien besaßen laut Angaben des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung schon vorher mehr als die ärmere Hälfte der Bevölkerung, und das Privatvermögen von Dieter Schwarz (Eigentümer von Lidl und Kaufland) als reichstem Deutschen betrug im September 2020 nicht weniger als 41,8 Milliarden Euro.
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„Das Problem ist in den meisten Ländern nicht, dass einige Leute zu viel Vermögen haben, sondern dass sehr viele über keines verfügen.“ Dass beides miteinander zu tun hat, kommt Piper gar nicht in den Sinn. Dazu müsste er die wachsende Ungleichheit als strukturelles Problem eines kapitalistischen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems begreifen.
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Bildung ist offenbar kein taugliches Mittel gegen die sozioökonomische Ungleichheit. […] wenn alle Kinder und Jugendlichen in Deutschland […] bessere Bildungsmöglichkeiten erhielten, würden sie am Ende womöglich auf einem höheren Bildungsniveau, aber nicht mit besseren Chancen um […] fehlende Arbeits- und Ausbildungsplätze konkurrieren.

Vielmehr ist es höchste Zeit, Umverteilung von oben nach unten zu betreiben, um mehr Gleichheit und soziale Gerechtigkeit zu schaffen. Ob dies nur durch steuerpolitische Maßnahmen und eher durch eine Vermögensabgabe nach dem Vorbild des Lastenausgleichs von 1952, einen „Corona-Soli“ oder die Wiedererhebung der Vermögensteuer erreicht werden kann, bedarf intensiver Diskussionen.
[…] «

Christoph Butterwegge [1]  ::  Lebenshaus Schwäbische Alb, Ossietzky  ::  12.02.2021  ::  Ein Milliardär hat’s schwer  ::  https://www.lebenshaus-alb.de/magazin/013452.htmlhttps://www.ossietzky.net/artikel/ein-milliardaer-hats-schwer/#

[1]: Prof. Dr. Christoph Butterwegge hat bis 2016 Politikwissenschaft an der Universität zu Köln gelehrt; zuletzt erschien von ihm das Buch „Ungleichheit in der Klassengesellschaft“ (PapyRossa Verlag, 183 Seiten, 14,90 €).


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3 Antworten zu An der Goldgrube.

  1. nandalya schreibt:

    Ein schöner Traum von Prof. Dr. Christoph Butterwegge. Leider geht die Umverteilung den genau anderen Weg. „Wir“ könnten das stoppen. Aber „wir“ sind gespalten und streiten uns auf Nebenschauplätzen. Gelingt es das zu stoppen, ist der erste Schritt zu einer anderen Ordnung getan. Es gilt der Krake Neoliberalismus einen Tentakel nach dem anderen abzuschlagen.

    Gefällt 1 Person

    • Butterwegge träumt doch nicht. Er beschreibt das Sein und formuliert ein Ziel. – „abzuschlagen“, sage ich doch, es wird blutig werden und am Ende steht entweder die Vollendung der Diktatur der Elite oder die Diktatur des Proletariats.

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      • nandalya schreibt:

        Zwischen den Zeilen lesen ist irgendwie nicht so dein Ding. 🙄 Vielleicht sollte ich nur noch japanisch mit dir schreiben. 😁

        Bernd, es ist doch bereits „blutig!“ Geübt wird seit Jahren in anderen Staaten. Selbst BLM gehört für mich dazu. Ebenfalls der gesteuerte Antifa-Terror, der von künstlich beatmeten „Rechten“ unsichtbar gemacht wird.

        Ich gebe hier und jetzt eine Prognose zur politischen Landschaft in Deutschland ab, der aber vorerst im kleinen Stil ausprobiert wird. Die großen Parteien werden nach und nach ersetzt. Aus der CDU/CSU könnte / wird eine „Neue Mitte“ oder die Freien Wähler entstehen. Letztere gibt es bereits. Sie sollen auch die AfD ersetzen, bzw. in die Bedeutungslosigkeit verbannen. Die Mitte oder Freien sind dann ein bisschen links, ein bisschen grün und ein bisschen konservativ. Die Bürger werden mit allerlei Leckerlies eingelullt, wie der Rückgabe einiger Freiheiten, mehr Anreizen zum Kauf von in der Herstellung schmutzigen E-Autos. Merkel wird entweder ein Kochbuch schreiben oder eine Stiftung leiten. Okay, das war nun wieder Ironie. Fazit: An einen Bürgerkrieg glaube ich aktuell nicht. Noch weniger an die Szenarien die du beschreibst.

        Das wäre ein von mir verfasstes Drehbuch für die nächsten Jahre.

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