Wir sind alle längst am Arsch, und legitimieren das auch noch alle vier, fünf Jahre!

» […] Martin Gundersen hat sich im Februar dieses Jahres 160 Apps auf ein zusätzliches Smartphone installiert und dieses Gerät seitdem immer bei sich gehabt.
… | …
Kommerzielle Überwachung begründet ihre vermeintliche Harmlosigkeit immer damit, dass die Daten doch nur für Werbung, ein besseres Nutzer:innenerlebnis oder ein bisschen Analyse verwendet würden.

Doch durch vergangene Recherchen kam heraus, dass US-Behörden und das Militär gezielt kommerzielle Nutzerdaten aufkaufen und benutzen.
… | …
Fast einen Monat später erhielt ich einen interessanten E-Mail-Anhang von Venntel. Er enthielt Informationen darüber, wo ich seit dem 15. Februar 75.406 Mal gewesen war. Plötzlich konnte ich jeden meiner Schritte zurückverfolgen – auf einer Wanderung, auf einen Drink und bei einem Besuch bei meiner Großmutter in Südnorwegen.

Obwohl kein Name und keine Telefonnummer in den Daten war, sei es einfach herauszufinden, wem die Daten gehören, ist sich Gundersen sicher. Deutlich und klar sind durch die Daten seine Wohn- und Arbeitsadresse zu erkennen.

Venntel informierte Gundersen darüber, dass seine Daten an Kunden des Unternehmens weitergegeben worden seien. An welche Kunden, das verriet Venntel jedoch nicht.
… | …
Am Ende landeten die Daten aber bei Gravy Analytics, welches in ihren Geschäftsbedingungen schreibt, dass sie Daten für die Strafverfolgung und Nationale Sicherheit weitergeben.

Gundersen fragte drei auf Datenschutz spezialisierte Anwält:innen, alle drei hielten die Verwendung der Daten für einen Bruch der DSGVO.
… | …
Statt kompliziertem Schnüffeln im Traffic wurde die US-Regierung nun einfach ein weiterer Marktteilnehmer in einer bestehenden kommerziellen Trackingwirtschaft.
… | …
Entweder seien […] [die Europäischen Datenschutzbehörden] nicht fähig oder nicht willens, die zahlreichen Verstöße gegen die DSGVO zu verfolgen.
… | …
In seiner Recherche kann Gundersen mit den Daten von Venntel heute nachvollziehen, wo er im Sommer wanderte und auf welcher Holzbank er wie lange eine Pause machte. Genauso können das alle, die diese Daten kaufen und weiterverarbeiten. Sie können sehen, wer in welche Arztpraxis geht, wer bei welchem Konzert ist und wo sich ein unvorsichtiger Journalist mit einem Informanten getroffen hat.

Dass staatliche Player diese Informationen nun einfach kaufen macht klar: Kommerzielle Überwachung und staatliche Überwachung sind keine zwei getrennt zu denkenden Formen, sondern in Kombination noch viel verletzender für die Privatsphäre der Nutzer:innen als die einzelnen Formen für sich. Für die staatlichen Player eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten, an Daten heranzukommen. Sie kaufen sie einfach auf dem unüberschaubaren Markt der Datenbroker anstatt mühsam mit klassischen Überwachungsinstrumenten selbst an sie zu gelangen.
… | …
Das FBI, die US-Grenzschutzbehörde CBP und die US-Immigrationspolizei ICE haben Verträge mit Venntel. Sie antworteten Gundersen nicht auf seine Frage, welche Möglichkeiten es für sie böte, Europäer:innen in und außerhalb Europas zu tracken.
[…] «

Markus Reuter  ::  NETZPOLITIK.ORG  ::  04.12.2020  ::  Smartphone-Tracking: Wie Daten von kommerziellen Apps an den Staat gelangen  ::  https://netzpolitik.org/2020/smartphone-tracking-wie-daten-von-kommerziellen-apps-an-den-staat-gelangen/


Sollte sich der Urheber des hier verlinkten und zitierten Artikels durch das Posten dieser Verlinkung oder dem ganz oder teilweisen Zitieren aus dem verlinkten Artikel in seinem Urheberrecht verletzt fühlen, bitte ich um einen kurzen Kommentar und einen Beleg der Urheberschaft. Das Beanstandete wird dann unverzüglich entfernt. Ich möchte, durch die Zitate, meine LeserInnen motivieren, den vollständigen Artikel des Urhebers zu lesen. | Eventuelle Werbung in optischer Nähe zu diesem Artikel stammt nicht von mir, sondern vom Social-Media-Hoster. Ich sehe diese Werbung nicht und bin nicht am Verdienst oder Gewinn beteiligt.

Ragbag Today:

Über Red Skies Over Paradise

»Das Leben ist nie etwas, es ist nur die Gelegenheit zu einem Etwas.» - Friedrich Hebbel
Dieser Beitrag wurde unter RSOPLink abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

14 Antworten zu Wir sind alle längst am Arsch, und legitimieren das auch noch alle vier, fünf Jahre!

  1. nandalya schreibt:

    Selbst ohne Smartphone, wird das vernetzte Auto viel über „uns“ verraten.

    Gefällt 1 Person

    • Es wird ja alles vernetzt. Auch ohne unser Wissen. Die Fernseher plaudern mindestens unser Sehverhatlen aus, andere Elektrogeräte im Haushalt werden vernetzt. Um Sprache aufzuzeichnen, braucht man noch nicht einmal mehr ein Mikrofon. Geldkarten (individualisiert) mit eingebauter Antenne senden eindeutig identifizierbare Signale, die unbemerkt (Türrahmen) ausgelesen werden können. Wenn wir erst einmal vor dem Schreibtisch sitzen und eine grelle Lampe leuchtet uns ins Gesicht, werden wir nicht sagen können, da waren wir nie, den haben wir nie getroffen. Oder, es wird kein Problem sein, uns zu „beweisen“, wer wir sind, was wir taten und wen wir trafen. Das Erwachen wird kommen, sobald wir versuchen, uns der Herrschenden (legal) zu entledigen.

      Gefällt 1 Person

  2. castorpblog schreibt:

    Mit der App Blokada kann man sich ganz gut gegen solche Dinge schützen, ohne dass dazu die Performance leidet. Der Vorteil ist auch, dass die Blockinglisten lokal auf dem Phone gespeichert werden und über einen VPN Tunnel der Traffik überwacht und blockiert wird. Die app kommt aus Deutschland und hat den Segen des BSI. Ich nutze sie schon lange auf meinem Xiaomi Telefon und es ist erstaunlich welche Wege nach China und USA da blockiert werden.

    Gefällt 1 Person

    • Ja, c’t hat Blokada einmal vorgestellt. So what? Nachrichtendienste gründen normale Firmen und agieren als normale Geschäftsleute am Markt. Darunter auch App-Entwickler. Gerade Sicherheitssoftware misstraue ich, weil niemand weiß, für wen der Entwickler in Wirklichkeit arbeitet. Wir haben kein technisches Problem, wir haben ein ethisches Problem. Alle staatliche Gewalt geht vom Volke aus? Nein, alle staatliche Gewalt ist gegen das Volk gerichtet. Nur die Fassaden der Kulissen in denen wir leben, sehen noch nach Demokratie von unten nach oben aus.

      Gefällt mir

      • castorpblog schreibt:

        Wenn ich das lese bin ich froh dass nicht alle Gewalt vom Volke ausgeht, also jetzt finde ich aber schon, dass das ein bisschen zu verschworen ist, kannst mich gerne als naiv bezeichnen, aber da komm ich nicht mehr mit. Hab auch mal Fisher z gehört und mich wegen Natodoppelbeschlüssen und sterbenden Wahlen echaufiert. Aber das ist jetzt schon eine Weile her und seit ich das Fehrnsehen abgeschafft habe fühle ich mich recht gut informiert.

        Gefällt 1 Person

        • Ich möchte nicht missionieren. Alle Informationen sind öffentlich zugänglich. Im Mainstream sind sie nicht zu finden. In den legalen Nischen. Jede/r soll zwischen den Fassaden der Kulissen leben dürfen und sich nicht beschweren, wenn er einmal entdeckt, was sich dahinter verbirgt. Manfred Lütz‘ (deutscher Psychiater, Psychotherapeut, römisch-katholischer Theologe, Berater des Vatikan und Buchautor) Buch „Bluff: Die Fälschung der Welt.“ (2012) wäre ein Anfang.

          Gefällt 1 Person

          • castorpblog schreibt:

            Ist ok, tut mir leid, wenn ich ein bisschen überreagiert habe. Leider ist genau dieses Buch genau so wahr wie falsch. Wer weiß es? Die Fakten, die er zusammen trägt, finden sich an beliebig vielen anderen Stellen widerlegt. Deshalb habe ich mich nach der intensiven Lektüre von Verschwörungstheorien unter anderem dieser) aus dem Thema zurückgezogen. Es hilft keinem finde ich und das einzige, was man erreichen kann durch solche Thesen ist ein unglückliches Leben, in dem man sein Leben lang Windmühlen bekämpft.

            Gefällt 1 Person

  3. sori1982 schreibt:

    „Beruhigend“ zu wissen, dass ich nicht einmal zehn Apps auf meinem mobilen Telefon nutze. (Aber da stellt sich die Frage nach den Apps, die auf meinem Gerät vorinstalliert sind und ich sie nie verwende. Aber einmal in den Händen von G gefangen, hänge ich mit drin und komme nur sehr schwer raus.)

    Gefällt 1 Person

    • Es genügt, ein Smartphone zu besitzen. Rate mal, warum Batterien fest eingebaut sind. Und das Festnetz-Telefon ist ein Voice-over-IP-Telefon. Jedes Sprachpaketchen wird von mehreren Diensten aufgezeichnet und ausgewertet. Sie sitzen an den Internet-Knoten der Welt. Telekommunikations-Unternehmen müssen für sie Büros vorhalten. Abgegriffen wird, was abzugreifen ist.

      Gefällt 1 Person

Hinterlasse hier deinen Kommentar und beachte dabei das Menü/die Seite 'Impressum/Datenschutz/Datensicherheit'. Mit dem Absenden dieses Kommentars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch *.wordpress.com einverstanden:

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.